Klima 15.09.2006, 19:23 Uhr

Der Ozonschild erholt sich nur langsam  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 15. 9. 06, swe – Der durch den Eintrag von Fluorchlorkohlenwasserstoffen (FCKW) löchrig gewordene Ozonschild der Stratosphäre zeigt erste Zeichen der Besserung. Doch durch die Klimaerwärmung verzögert sich die Regeneration. Das bekommt die Nordhalbkugel der Erde inzwischen deutlich zu spüren.

Frühestens um 2050, das ist fünf bis 15 Jahre später als die Modelle der Atmosphärenforscher bislang anzeigten, sei mit der Wiederherstellung des stratosphärischen Ozonschildes zu rechnen. So die von den Vereinten Nationen mit der regelmäßigen Überwachung der Erdatmosphäre betraute World Meteorological Organization (WMO) Mitte August in ihrem neusten Bericht.

„Ozonzerstörende Substanzen sind in der Stratosphäre auf dem Rückzug“, lautet das Fazit. Für die Entwicklung machen die WMO-Forscher vor allem den ab Mitte der neunziger Jahre von den Industrienationen umgesetzten FCKW-Bann verantwortlich.

Noch zurückhaltender äußert sich eine letzte Woche im Journal of Geophysical Research veröffentlichte Untersuchung, die sich auf die Auswertung von Satellitendaten aus den letzten 25 Jahren stützt. 2050 sei zwar die Ozonschicht so weit wiederhergestellt, „dass dann die Schutzwirkung von 1980 wieder erreicht wird. Vollständig genesen ist der Patient aber noch lange nicht“, so der Leiter der Studie, Eun-Su Yang, vom Georgia Institute of Technology in Atlanta.

Löchrig geworden sei der Ozonschild schon 1968, wie die Auswertung weiter zurückreichender Satellitendaten zeigt. Sogar die Durchschlagskraft des FCKW-Banns stellt die Untersuchung in Frage. Nur etwa die Hälfte der sich global abzeichnenden Erholung sei auf die Reduzierung der FCKW-Konzentration zurückzuführen. Das jedenfalls geht aus den Rechenmodellen der US-Forscher hervor.

Der Rückgang der Ozonkiller in der Stratosphäre wirkt sich vor allem in der oberen Etage, ab einer Höhe von 18 km aus. In der unteren, bis auf 10 km herunterreichenden Stratosphärenschicht sorgen vor allem Windströmungen für Besserung. Sie bringen ozonreiche Luftmassen vom Äquator in höhere Breiten, so die Forscher.

Einigkeit herrscht bei der Entwicklung über dem Südpol, wo noch für zehn bis 20 Jahre ein „Ozonloch“ auftreten kann. Anhaltend eisige Temperaturen von mehr als -80 °C sorgen über dem ausgekühlten Kontinent dafür, dass ozonzerstörende Substanzen in der Stratosphäre noch intensiver als sonst am Schutzschild nagen und den Abbau beschleunigen. Deshalb hat die Ozonschicht über dem Südpol im ausgehenden Winter mehr als die Hälfte ihrer Schutzwirkung eingebüßt.

Im vorigen Jahr erreichte das „Ozonloch“ Rekordgröße. Mit einer Ausdehnung von 25 Mio. km2 war es größer als Nordamerika und reichte über die Spitze Südamerikas hinaus.

Über der Nordhalbkugel ist die Klimaerwärmung Auslöser für die weitere Schwächung des Ozonschildes. In einer im Mai in „Nature“ erschienenen Untersuchung führen das die Atmosphärenforscherinnen Elizabeth Weatherhead von der University of Colorado in Boulder und Signe Andersen vom Dänischen Meteorologischen Institut in Kopenhagen auf die Zunahme von CO2 in der Atmosphäre zurück.

„Je mehr Wärme in den bodennahen Schichten zurückgehalten wird, desto kälter wird es weiter oben. Frostige Temperaturen wiederum fördern den Ozonabbau.“ Es sei daher unwahrscheinlich, dass Ozonwerte in absehbarer Zeit wieder das Niveau von vor 1980 erreichten, so die Forscherinnen.

Die stärksten Rückgänge der Ozonkonzentration in der Stratosphäre über der Arktis gab es während des Winters 2000 und 2004, als die niedrigsten Ozonwerte seit 50 Jahren gemessen wurden. Da war über der Arktis die Regulation zusammengebrochen, welche durch den Wechsel von Landmassen und Meer für eine auch im Winter moderate Temperatur in der Stratosphäre sorgt. Über dem Nordpol hatte sich für Wochen ein eisiges Hoch eingenistet.

„Ein Phänomen, das der Klimawandel fördert“, sagt Neil Harris von der Cambridge University. Der britische Atmosphärenforscher arbeitet im europäischen Monitoring-Programm Scout mit, das ein Messnetz aus Bodenstationen, Ballons und Satelliten unterhält.

„Wie sonst nur über dem Südpol sackte die Temperatur in 20 km Höhe auf -80 °C. Das hat den Ozonabbau beschleunigt. Die Wirkung des Schutzschildes schmolz zeitweise auf ein Drittel“, berichtet er.

Die Entwicklung strahlte bis nach Brüssel aus, wo EU-Forschungskommissar Janez Potocnik die Wissenschaft eiligst auf mehr Ursachenforschung einschwor. Was jedoch wirklich hilft, darüber herrscht immer noch Uneinigkeit. SILVIA VON DER WEIDEN

Von Silvia von der Weiden
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