Nur die Fittesten überleben 27.08.2013, 12:15 Uhr

Der Klimawandel trifft auch die Meere

Kohlendioxid gefährdet Lebewesen in den Ozeanen durch Übersäuerung des Wassers. Vor allem Korallen und andere unbewegliche Arten sind betroffen.

Korallen reagieren am empfindlichsten auf übersäuertes Wasser. 

Korallen reagieren am empfindlichsten auf übersäuertes Wasser. 

Foto: Julian Gutt & Werner Dimmler

Dass sich das Klima durch übermäßige Kohlendioxidemissionen ändert ist nichts Neues. Dass das hemmungslose Verbrennen von Kohle, Öl und Gas auch die Weltmeere massiv schädigt, dringt erst jetzt ins Bewusstsein vor. Noch in diesem Jahrhundert wird sich das Ökosystem der Meere massiv verändern. Vor allem Korallen, Stachelhäuter wie der Seestern und Weichtiere sind betroffen. Fische sind widerstandsfähiger.

Auch Fischlarven reagieren empfindlich auf Ozeanversauerung.

Auch Fischlarven reagieren empfindlich auf Ozeanversauerung.

Foto: AWI/ G. Lauckner

Mehr als ein Viertel des Kohlendioxids, das Menschen freisetzen, landet im Meer. Dadurch sinkt dessen pH-Wert, es entsteht Kohlensäure. Astrid Wittmann und Hans-Otto Pörtner vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI) in Bremerhaven haben die Folgen dieser Versauerung untersucht. Sie gehen, was äußerst realistisch ist, davon aus, dass es in den nächsten Jahrzehnten allenfalls zu einer Stagnation der Emissionen kommt. Die Ozeane werden aus diesem Grund weiterhin Kohlendioxid aufnehmen und zunehmend versauern. Bereits Ende dieses Jahrhunderts sind die Überlebenschancen einiger Lebewesen deutlich geringer. Verschärft wird die Lage durch die Erwärmung der Meere auf Grund des Klimawandels.

Besonders gefährdet sind Lebewesen, die sich gar nicht oder nur wenig bewegen. Fische und andere agile Arten kommen mit Kohlendioxid besser zurecht. Sie besitzen biologische Mechanismen, die ihr Blut von überhöhten Mengen dieses Gases befreien. Es ist wie beim Menschen: Wer sich regelmäßig intensiv bewegt bleibt fit. Die Vermehrung der Fische ist allerdings gefährdet, weil Larven auf die zunehmende Versauerung empfindlich reagieren.

Kalkskelette werden zerfressen

Korallen gehören zu den am stärksten gefährdeten Organismen. Säure greift ihr Kalkskelett an. Gleichzeitig verlieren sie die Fähigkeit, es zu reparieren. Es ist der gleiche Prozess wie beim Entkalken von Wasserkochern mit Essig.

Die Bremerhavener Wissenschaftler haben neben eigenen Untersuchungen die Erkenntnisse von Wissenschaftlern in aller Welt zusammengetragen. Sie werteten 167 Studien über 150 Tierarten aus. Zusätzlich schauten sie weit in die Vergangenheit. Vor 250 Millionen und vor 55 Millionen Jahren nahm die Übersäuerung der Meere schon einmal zu. Sedimentproben aus dieser Zeit zeigten, dass auch damals die gleichen Gattungen betroffen, Fische aber überraschend anpassungsfähig waren.

Die Studie der AWS-Biologen wird Teil des fünften Weltklimaberichts sein, der erstmals die Folgen des Klimawandels für die Ökosysteme der Ozeane umfassend dokumentiert.

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