Klima 14.09.2007, 19:30 Uhr

Der Klimakiller wird verbuddelt  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 14. 9. 07, mg – Da konventionelle Kraftwerke noch auf Jahre hinaus enorme Mengen des Klimakillers Kohlendioxid emittieren, setzen Unternehmen und Regierungen zunehmend auf Techniken, mit denen das anfallende CO2 in unterirdischen Lagerstätten entsorgt werden kann. Eine Mehrheit der europäischen Energiewirtschaft hat sich bereits für die CCS-Technik ausgesprochen.

Bis zum Jahr 2020 soll der Ausstoß von Kohlendioxid in die Atmosphäre um 20 % verringert werden, so will es das 1997 verabschiedete Kyoto-Protokoll. Jedoch stehen weder alternative Energien in ausreichendem Maße zur Verfügung noch sind Industrienationen und Schwellenländer zu einer Verminderung ihrer Energieproduktion bereit. Daher sind weltweit Techniken wie CO2 Capture and Storage (CCS) auf dem Vormarsch, mit deren Hilfe das in Kraftwerken anfallende Treibhausgas abgetrennt, komprimiert und in unterirdische Hohlräume eingelagert werden soll.

Im Auftrag der EU-Kommission haben die Manchester Business School, das Energy Research Centre der Niederlande, die Judge Business School Cambridge, das Institute for European Environmental Policy (IEEP) in Belgien und die unabhängige Stiftung DNV (Det Norske Veritas) als Projektleiterin mehr als 500 Personen aus 28 europäischen Ländern zur Akzeptanz der CO2-Entsorgung befragt.

Das überraschende Fazit der Studie mit dem Titel „Stakeholder Perceptions of CO2 Capture and Storage in Europe“: Entscheidungsträger in Europas Energie- und Versorgungswirtschaft sprechen sich mehrheitlich für die Abtrennung und Lagerung von anfallendem Kohlendioxid aus. „Die Hoffnungen, die in das Abtrennen von CO2 gelegt werden, sind groß“, kommentiert Dieter Hansen, Geschäftsführer DNV Germany, Essen.

Für die Einlagerung von Kohlendioxid werden vor allem unterirdische Hohlräume aus ausgebeuteten Öl- und Gaslagerstätten genutzt. Aber auch die so genannten Aquifere, also Salzwasser führende Gesteinsschichten im Meeresgrund, stehen als Lagerstätten zur Verfügung.

Nach diesem Verfahren entsorgt der norwegische Ölkonzern Statoil seit Jahren das bei der Gasförderung anfallende CO2. US-Unternehmen nutzen den Druck beim Hineinpumpen des Kohlendioxids in Erdöllagerstätten dazu, die Vorkommen leichter auszubeuten. Zum Teil wird das Gas auch in ehemalige Kohleflöze hineingepumpt, etwa im polnischen Kattowitz.

Während 90 % der in der Studie befragten Personen die Förderung der CCS-Technologie befürworten, wird befürchtet, dass die Investitionen für andere alternative Energien fehlen könnten. Die EU-Kommission hat mehr als 30 Mio. € für fünf neue Sequestrierprojekte freigegeben und vorgeschlagen, CCS ab 2020 zum Standard zu erklären.

Auch die Bundesregierung zeigt Interesse am unterirdischen Einlagern des Klimakillers. Die SPD hat im Juli in einem Leitantrag erklärt, dass die Stromversorgung auf der Basis von Stein- und Braunkohle „weiterhin eine wichtige Säule in der Stromerzeugung sein“ werde, deshalb sei es „unter technologischen und Klimaschutzaspekten angezeigt, die CCS-Technologie im industriellen Maßstab zu entwickeln“.

Das Bundesumweltministerium (BMU) setzt sich dafür ein, dass CCS schnellstens überall „realisiert wird, wo eine kostengünstige und dauerhaft sichere Reduzierung der CO2-Emissionen in die Atmosphäre möglich erscheint“. Das BMU betont aber auch, dass gleichzeitig „alle bereits heute verfügbaren technischen Möglichkeiten zur Verringerung der CO2-Emissionen wie erneuerbare Energien, erhöhte Energieeffizienz und dezentrale Kraft-Wärme-Kopplung schnellstmöglich realisiert werden“ müssten.

In einem ersten Modellversuch für Deutschland hat das Geoforschungszentrum Potsdam (GFZ) zusammen mit neun Energie- und Mineralölunternehmen im Juni in Ketzin das CO2 aus einem Braunkohlekraftwerk unterirdisch eingelagert. Der Stromkonzern Vattenfall geht noch weiter und baut zurzeit im brandenburgischen Spremberg das weltweit erste Kohlekraftwerk, dessen Kohlendioxid komplett wieder im Untergrund verschwinden soll.

Umweltgruppen zeigten sich in der Studie noch skeptisch gegenüber CCS. So hegen die Umweltstiftung WWF sowie Greenpeace Bedenken bezüglich der Dichtigkeit und Kapazität der unterirdischen Lagerstätten. Zur Dichtigkeit ehemaliger Gaslagerstätten hat Günter Pusch, Professor für Erdöl- und Erdgas-Lagerstättentechnik an der TU Clausthal, festgestellt: „Die haben allein durch ihre Existenz bis heute gezeigt, dass sie die vergangenen rund 100 Mio. Jahre dicht gehalten haben.“

Auch zur Größe der Speicher gibt es kontroverse Meinungen. „Viele Zahlen sind Schätzungen, manche auch Spekulation“, so Dieter Hansen, zumal „immer wieder neue Lagerstätten entdeckt“ würden. An der weiteren Erforschung der CCS-Technik geht kein Weg vorbei, darin sind sich drei Viertel der europäischen Fachleute einig. „Denn wir werden auch in den nächsten Jahrzehnten nicht ohne Öl, Kohle und Gas auskommen“, so Hansen, „deshalb ist CCS ein wichtiger Beitrag zur Rettung unseres Klimas.“ KAI BREMBACH

Für die Einlagerung werden ausgebeutete Öl- und Gaslager genutzt

  • Kai Brembach

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