Umwelttechnik 29.02.2008, 19:33 Uhr

Besseres Recycling durch Funkchips  

eine Studie der Universität Dortmund im Herbst 2007, die zeigte, dass Glas, Papier und Kunststoffverpackungen mit dem Funkchip nicht mehr problemlos recycelt werden können. Gläser würden infolge des Kupfers im RFID-Chip verfärbt, Altpapieranlagen könnten verstopfen und Kunststoffe ließen sich nicht mehr sortenrein trennen, so die ernüchternde Bilanz. Doch RFID könnte vom Öko-Saulus zum Öko-Paulus werden.

Altpapieranlagen: Verstopfungen durch RFID-Chips?

Altpapieranlagen: Verstopfungen durch RFID-Chips?

Foto: grüner Punkt

Arnd Urban, Forscher aus Kassel, sieht vor allem Chancen der RFID-Technik für das Recycling. „Wir sind überzeugt, dass RFID-Tags eine bessere Separierung und Aufbereitung von bestimmten Abfällen ermöglichen“, betont er.

Ein Beispiel: asbesthaltige Bremsbeläge. Eine Handvoll schadstoffhaltiger Fahrzeugteile kann derzeit eine gesamte Abfall-Charge unwiederbringlich verunreinigen und wertlos machen. „Ein RFID-Chip an jeder Bremse könnte vor Asbest warnen. Die Bauteile würden gezielt aussortiert“, schildert Urban seine Vision. Dadurch würde sich die Recyclingrate drastisch erhöhen, ist er überzeugt.

Doch weshalb sollten Hersteller weder Kosten noch Mühen scheuen, um einen entsprechenden Chip auf ihren Produkten anzubringen? „Sie müssten dadurch einen wirtschaftlichen Anreiz haben“, so Urbans einfache Antwort. Dieser Anreiz kann in seinen Augen dadurch entstehen, dass die Rücknahme infolge steigender Rohstoffpreise lukrativ wird.

So vermietet ein Hersteller von Baufahrzeugen seine Maschinen nur noch, statt sie zu verkaufen, um am Ende des Lebenszyklus den wertvollen Stahlschrott selbst weiterverarbeiten zu können. Die Vorteile eines besseren Recyclings wertvoller Rohstoffe wie Kupfer, Stahl, Silber und Gold werden, so glaubt Urban, eines Tages die Oberhand gewinnen.

In einem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Projekt untersucht sein Team derzeit, welche Informationen auf dem Chip gespeichert werden müssten, um ein höherwertiges Recycling zu ermöglichen. Nützlich wären Angaben über die Gehalte an Cadmium und Quecksilber. Auch die Mengen an Gold und Silber würden die Edelmetallverwerter interessieren. Das Gewicht des Abfalls könnte darüber Auskunft geben, ob das Gerät bereits ausgeschlachtet wurde.

Letztlich soll der Entsorgungsbetrieb auf Basis dieser Informationen eine ideale Abfallcharge für den Aufbereitungsprozess zusammenstellen können, formuliert Urban das Ziel. In vielen Verwertungsprozessen müssen nämlich aus technischen Gründen bestimmte Grenzwerte eingehalten werden. Zum Beispiel können halogenhaltige Verbindungen in Elektronikgeräten bei der Verwertung von Kunststoffen stören. In einer Stahlschmelze darf wiederum der Kupfergehalt nicht zu hoch sein.

An einer Versuchsanlage testen die Kasseler Forscher derzeit, mit welcher Geschwindigkeit und in welchem Winkel Altgeräte mit RFID-Chips an einem Lesegerät vorbeifahren dürfen, damit diese noch zuverlässig ausgelesen werden. Mit Ergebnissen rechnen sie in den kommenden drei Jahren.

Bei Recyclingbetrieben wird der Elektronikschrott üblicherweise in Gitterboxen auf Lkw angeliefert. Während die Lastfahrzeuge unter einer Messbrücke hindurchfahren, könnten die Daten von 200 bis 300 Geräten auf einmal erfasst werden, so Urbans Vorstellung.

Bis dahin müssen neben der technischen Umsetzung aber auch noch Fragen des Datenschutzes geklärt werden. So wäre es denkbar, dass ein Marktforscher Informationen über die Elektrogeräte der Bürger ausspioniert, indem er mit einem gewaltigen Lesegerät die Straße entlang fährt. „Aber das ist ein sehr unwahrscheinliches Szenario. Die Reichweite der Funkchips ist vermutlich viel zu kurz“, entgegnet Urban. Um solche Eventualitäten gänzlich auszuschließen, befasst sich ein Jurist in dem DFG-Projekt mit den erforderlichen Auflagen.

Trotz der Vorzüge der RFID-Technik für das Recycling ist die Resonanz von Verbänden und Herstellern bislang verhalten. „Sie sind fasziniert von den technischen Möglichkeiten. Aber in der Praxis werden alle Abfälle weiterhin anonymisiert gesammelt“, berichtet Urban. Er spricht von einem langsamen Entwicklungsprozess. Eines ist für ihn jedenfalls klar: „Die Recyclingindustrie darf die Chancen der RFID-Technologie nicht verschlafen.“

Der japanische Automobilhersteller Honda würde die Funketiketten bereits im großen Stil in der Produktion nutzen. Jedes Bauteil wäre mit einem Chip versehen, um am Ende festzustellen, ob das Fahrzeug vollständig ist. Hunderte von Tags müssen demnach an jedem Produkt haften. Sollten diese tatsächlich eines Tages das Werk mit der Ware verlassen, wird sich die Entsorgungswirtschaft wohl oder übel mit den RFID-Labeln auseinandersetzen müssen, prophezeit Urban.

SUSANNE DONNER

Ein Beitrag von:

  • Susanne Donner

    Susanne Donner ist studierte Chemikerin und schreibt als Wirtschaftsjournalistin über Technik- und Medizinthemen u.a für die Wirtschaftswoche, GEO, FAZ und ingenieur.de.

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