Klimaforschung 14.05.2010, 19:46 Uhr

Auftauen der Permafrostböden bedroht Weltklima

In den Böden der Nordpolarregion findet sich der größte Kohlenstoffspeicher der Erde. Das Auftauen des ewigen Eises könnte daher katastrophale Auswirkungen auf das ökologische Gleichgewicht nach sich ziehen. Diesen Befund liefern europäische Wissenschaftler mit dem ersten Bodenatlas für die Nordpolarregion.

Einem 3 Mio. km² großen Gebiet in Zentralsibirien gilt seit 15 Jahren das besondere Augenmerk des International Institute for Applied Systems Analysis (Iiasa) im niederösterreichischen Laxenburg. Sten Nilsson und Ian McCallum untersuchten die Region in mehreren Missionen.

„Knapp zwei Drittel Russlands liegen unter ständigem Bodenfrost und tauen nur für wenige Wochen im Jahr auf“, berichtet Iasa-Forscher McCallum. Zusammen mit russischen Kollegen untersuchte er die sensiblen Permafrostböden. In mancher Region reichen diese noch einige 100 m tief, doch zunehmend tauen die Böden auf – das habe auch Auswirkungen aufs Erdklima, sagt McCallum.

Die destabilisierten Permafrostböden lassen Straßen aufbrechen und bringen Erdöl- und Gasleitungen zum Bersten. „Ein riesiges Problem für die russischen Energielieferanten“, weiß McCallum. Durch das Auftauen der Böden gelange auch ein Teil des Kohlenstoffs als Kohlendioxid (CO2) in die Atmosphäre. Zudem entweiche das noch klimaschädlichere Methan aus den Böden. „Hinzu kommen riesige Waldbrände, die Sibiriens Böden auslaugen und zusätzlich die Atmosphäre mit CO2 belasten“, erklärt McCallum die Interaktion zwischen Böden, Vegetation und Atmosphäre.

Die Circumpolarregion, die den Arktischen Ozean und die nördlichsten Regionen Kanadas, Nordamerikas, Russlands sowie Island und Skandinaviens bis zum 50. Breitengrad umfasst, stellt einen deutlich größeren CO2-Speicher dar als bisher angenommen. Mit einer Fläche von über 15 Mio. km² – größer als das Gebiet der USA – bedeckt sie zwar nur 16 % der Erdoberfläche, speichert aber mehr als die Hälfte des globalen Kohlenstoffs. Dies fanden Forscher der Gemeinsamen Forschungsstelle (JRC) der EU in Ispra am Lago Maggiore heraus. Nach ihren Berechnungen dient das ewige Eis der Permafrostböden mit 1700 Gt als der weltweit größte Kohlenstoffspeicher.

„Alle Tropenwälder der Erde zusammen erbringen nicht den Anteil von Kohlenstoffsenken wie die bedrohten Permafrostböden“, umreißt Luca Montanarella vom JRC-Institut für Umwelt und Nachhaltigkeit die Bedeutung dieser sensiblen Arktisregion. Die Klimaschutzdiskussion habe sich bisher einseitig auf die Atmosphärenforschung und die Regenwälder konzentriert, sagt der Leiter der Bodenforschungsgruppe.

Der jetzt vom JRC vorgelegte Circumpolaratlas veranschaulicht mit Fotos, Karten und Satellitenaufnahmen eindrucksvoll den bedrohten Reichtum an Fauna, Flora und Böden. „Die Bedeutung der Permafrostböden als Kohlenstoffsenke ist bislang völlig unterschätzt worden“, bestätigt auch Gabriele Broll von der Uni Osnabrück. Die Professorin war als einzige deutsche Wissenschaftlerin an der Erarbeitung des Bodenatlas beteiligt. Erstmals sei es gelungen, eine umfassende Bodenklassifikation zu erstellen, erklärt sie.

Die bisher einzigartige Bestandsaufnahme könne der globalen Klimaschutzdiskussion völlig neue Impulse geben: „Bisher hat die Politik vor allem auf die Atmosphäre gestarrt“, so Broll. Treibhausgase aber kämen auch aus dem Boden. So könnten Böden sowohl als Kohlenstoffsenke dienen als auch eine Quelle für ausströmendes CO2 darstellen.

Als Präsidentin des Bundesverbandes Boden macht Broll sich für die Verabschiedung der im EU-Ministerrat – vor allem von Deutschland – blockierten europäischen Bodenrahmenrichtlinie stark. Mit der Gründung des EU-Netzwerks „Bodenbewusstsein“ will Broll auch im Hinblick auf die UN-Klimakonferenz im Dezember mehr Bewusstsein für das Zusammenspiel von Böden und Klimaschutz schaffen. T. A. FRIEDRICH

Von T. A. Friedrich
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