Recycling 22.01.2010, 19:44 Uhr

Aluminiumrecycler fürchten Rohstoffklemme  

Nach einem Jahr, in dem auch die deutschen Aluminiumrecycler mit Produktionskürzungen zu kämpfen hatten, hat sich die Aluminiumnachfrage inzwischen stabilisiert. Doch auf sicherem wirtschaftlichem Boden stehen sie damit noch nicht. Denn künftig droht ihnen wegen wachsender Schrottexporte eine Rohstoffknappheit. VDI nachrichten, Düsseldorf, 22. 1. 10, Si

Aluminium: Nachfrage hat sich stabilisiert.

Aluminium: Nachfrage hat sich stabilisiert.

Foto: MAN Ferrostaal AG

Für die deutsche Aluminiumrecycling-industrie war 2009 ein sehr schwieriges Jahr. Vorläufige Zahlen lassen einen Rückgang der Aluminiumgusslegierungsproduktion von mehr als 21 % im Vergleich zum Jahr 2008 erwarten, wie Erich Oetinger, Vorsitzender des Verbands der Aluminiumrecycling-Industrie (VAR), am 14. Januar in Düsseldorf erklärte.

Aktuell habe sich die Nachfrage zwar auf dem erreichten Niveau stabilisiert, so der VAR-Vorsitzende, von einer wirklichen Entspannung der Lage könne aber noch keine Rede sein, da unklar sei, wie sich der Auftragsbestand in den kommenden Monaten entwickeln wird. Zudem liege die Auslastung der Schmelzwerkskapazitäten im mehrjährigen Vergleich noch immer weit unter „normal“.

Dabei spielt Aluminiumrecycling bei der Rohstoffversorgung der deutschen Industrie eine wichtige Rolle, denn in Europa gibt es kaum natürliche Rohstoffvorkommen für Aluminium (Al), so Oetinger. Hüttenaluminium müsse entweder importiert werden oder aus importiertem Bauxit zunächst in Aluminiumoxyd umgewandelt und dann unter hohem Energieaufwand durch den Einsatz der Elektrolyse produziert werden.

Oetinger: „Aus wirtschaftsstrategischer Sicht wäre diese Abhängigkeit fatal, wenn nicht gleichzeitig im Wege des Recyclings 35 % des Aluminiumbedarfs in Europa gedeckt werden könnte.

Seine größte Stärke kann recyceltes Aluminium nach den Worten des VAR-Vorsitzenden besonders in Zeiten steigender Energiekosten ausspielen. Denn zur Herstellung hochwertiger Aluminiumlegierungen aus Aluminiumschrott würden bis zu 95 % weniger Energie benötigt, als bei der Primärmetallherstellung. Oetinger: „Damit lässt sich die gesamte Energiebilanz des Werkstoffs Aluminium spürbar verbessern.“

Auch ein Blick auf die CO2-Bilanz des recycelten Aluminiums lohne sich, denn bedingt durch den niedrigeren Energieeinsatz fielen auch die Kohlendioxidemissionen bei der Verwendung von Sekundärlegierungen deutlich niedriger aus. Oetinger sieht darin einen der wichtigsten Faktoren zum Nachweis der Nachhaltigkeit des Werkstoffs Aluminium. Aus dieser Situation jedoch die primäre gegen die sekundäre Aluminiumversorgung der Industrie auszuspielen, hält der VAR-Sprecher aber für nicht angebracht. Denn selbst bei der Verfügbarkeit geeigneter Vorstoffe könnte der gesamte Aluminiumbedarf der Industrie höchstens zu 35 % aus recyceltem Material gedeckt werden. Angesichts der weltweit schrumpfenden Rohstoffreserven und knapper, vor allem aber teurer werdender Energieressourcen sieht Oetinger deshalb gute Gründe, für die Zukunft der Aluminiumrecyclingindustrie positiv gestimmt zu sein.

Allerdings sehen sich die Aluminiumrecycler selbst in einer Rohstoffklemme. Denn Jahr für Jahr verlassen laut den VAR-Informationen mehrere hunderttausend Tonnen Aluminiumschrott Europa in Richtung China und Indien. Oetinger: „Man könnte sich über diese Form der klimatischen Entwicklungshilfe freuen, denn sie tragen auch dort zur Reduzierung der CO2-Emissionen bei, wenn nicht gleichzeitig hierdurch die Gefahr der Unterversorgung in Europa steigen würde.“

„Noch ist dies nicht der Fall, aber wenn nicht frühzeitig gegengesteuert wird“, so Oetinger, „droht angesichts des ungebremsten Schrottbedarfs Chinas und in zunehmendem Maße Indiens in Europa irgendwann der Ausverkauf.“ 2009 lag der Aluminiumnettoschrottexport laut den VAR-Informationen bei rund 830 000 t. Allein nach China sind 550 000 t geflossen, mehr als doppelt so viel wie im Vorjahr.

Automobilindustrie ist in der EU der Hauptabnehmer für AL-Gusslegierungen

Der Verband der Aluminiumrecyclingindustrie setzt hier einige Hoffnung auf die von der EU-Kommission auf den Weg gebrachte „Raw Material Initiative“. „Denn wir können nicht in Europa den Recyclinggedanken fördern und gleichzeitig auf der anderen Seite die Rohstoffbasis dafür kappen“, fordert auch VAR-Geschäftsführer Günter Kirchner von der Politik geeignete Maßnahmen zur Sicherung der Aluminiumschrottversorgung in der EU.

Besonders weh tat den deutschen Aluminiumrecyclingbetrieben laut Kirchner auch der Absturz der Kfz-Industrie. Denn sie sei Hauptabnehmer der Branche. In der EU werden durchschnittlich 75 % der Aluminiumgusslegierungen in der Automobilindustrie eingesetzt, so der VAR-Geschäftsführer, der auch Generalsekretär der Organisation of European Aluminium Refiners an Remelters (OEA), Zürich, ist. In Deutschland ist die Abhängigkeit der Produzenten von Aluminiumgusslegierungen laut Kirchner sogar noch höher – teilweise reiche sie bis zu 80 %. JÜRGEN SIEBENLIST

Von Jürgen Siebenlist
Von Jürgen Siebenlist

Stellenangebote im Bereich Energie & Umwelt

ALFRED TALKE GmbH & Co. KG-Firmenlogo
ALFRED TALKE GmbH & Co. KG Elektroingenieur / Projektingenieur (m/w/d) Hürth
Fresenius Kabi Deutschland GmbH-Firmenlogo
Fresenius Kabi Deutschland GmbH Ingenieur / Techniker technische Gebäudeausrüstung (m/w/d) Neufahrn bei Freising
Münchner Stadtentwässerung-Firmenlogo
Münchner Stadtentwässerung Betriebsingenieur*in für die Kanalinspektion und Zustandsbewertung (w/m/d) München
Hochschule RheinMain Wiesbaden Rüsselsheim-Firmenlogo
Hochschule RheinMain Wiesbaden Rüsselsheim Ingenieur:in der Fachrichtung Heizungs-, Klima-, Lüftungs- und Sanitärtechnik (m/w/d) Wiesbaden
EnerControl GmbH & Co. KG-Firmenlogo
EnerControl GmbH & Co. KG Energieingenieur (m/w/d) Isernhagen bei Hannover
Borsig Service GmbH-Firmenlogo
Borsig Service GmbH Projektleiter E- und Leittechnik (m/w/d) Berlin
Borsig Process Heat Exchanger GmbH-Firmenlogo
Borsig Process Heat Exchanger GmbH Berechnungsingenieur (m/w/d) Berlin
Viessmann Group-Firmenlogo
Viessmann Group Vertriebsingenieur (m/w/d) im Bereich Energie- oder Versorgungstechnik / TGA / Energiewirtschaft Mörfelden-Walldorf
Landeshauptstadt München-Firmenlogo
Landeshauptstadt München Bauingenieur*in / Umweltingenieur*in als Betriebshofleitung (m/w/d) München
Abfallwirtschaft GmbH Halle-Lochau-Firmenlogo
Abfallwirtschaft GmbH Halle-Lochau Ingenieurtechnischen Projektmanager (m/w/d) in der Abteilung Umwelt- und Sicherheitscontrolling Schkopau

Alle Energie & Umwelt Jobs

Top 5 Umwelt

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.