Umwelttechnik 19.12.2008, 19:38 Uhr

Abfälle liefern Energie

Klima, Energie und Abfälle sind enge Verwandte. Je effizienter in der Industrie mit Rohstoffen umgegangen wird, desto weniger Abfälle fallen an. Zudem spart eine intelligente energetische oder stoffliche Nutzung von Abfällen Primärenergie und reduziert den Ausstoß von Kohlendioxid

Wir machen das schon seit 2000″, sagt Hartmut Krapfel vom Unternehmen Entsorgungs- und Umweltservice im oberpfälzischen Weiden. Er meint das Recycling von Ölfiltern. Denn Krapfel und seine 70 Kollegen nehmen von ihrer Unternehmensmutter ATU deutschlandweit alle Pkw-Ölfilter an und zerlegen sie in ihre Bestandteile Altöl, Altpapier und Metalle.

„Wir haben mit der Zentrifuge von der MeWa Recycling gute Erfahrungen sammeln können“, berichtet Krapfel von einer technisch problemlosen Trennung. 290 t Metalle, 120 t Papier und 75 t Öl werden in Weiden auf diese Weise pro Jahr stofflich wie energetisch weiterverwertet. Während die Metalle derzeit gute Preise auf dem Altmetallmarkt erzielen, wandert die Papierfraktion in die Müllverbrennungsanlage Schwandorf und ein Entsorger aus Fürth nimmt das Öl entgegen im besten Fall könnte man daraus sogar wieder Dieselkraftstoff erzeugen.

Dies ist ein gutes Beispiel, wie Abfallstoffe wieder in die Produktion zurückgegeben werden. Die Effekte liegen auf der Hand: Die Industrie braucht weniger Rohstoffe und spart an teuer werdender Primärenergie überdies wird der CO2-Ausstoß deutlich reduziert. Experten sehen in der Chemie und in der Stahlindustrie noch hohe Einsparpotenziale. Laut einer vom Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) in Auftrag gegebenen Studie lag der Anteil der Chemieindustrie an der gesamten industriellen Emission von jährlich ca. 380 Mio. t bei 16,6 % dicht gefolgt von der Stahlindustrie mit 16,4 %. Die Autoren der Studie rechnen bis 2020 trotz steigender Produktionszahlen mit einem weiteren Vermeidungspotenzial von 50 Mio. t CO2.

Das gibt es sicherlich nicht zum Nulltarif. Weshalb die Chemieindustrie aufhorcht, was die internationale Staatengemeinde im Zuge des Kyoto-Abkommens der Industrie noch auflasten wird. Sie verfolgt auch aufmerksam auf Fachmessen und Tagungen, welche Innovationen von Technikern und Abfallexperten in Zukunft noch zu erwarten sein werden. Eines scheint jedoch schon heute klar: Je länger die Industrie Effizienzsteigerungen in Sachen Energie und Rohstoff hinausschiebt, desto größer werden langfristig die CO2-Vermeidungskosten.

Dabei sind viele Prozessoptimierungen schon heute wirtschaftlich. Wie man beispielsweise im Hamburger Hafen beim Wachshersteller Sasol Wax sehen kann. Obwohl es dafür keine gesetzlichen Auflagen gibt, lässt das Tochterunternehmen des südafrikanischen Konzerns Sasol bei jedem Schiff, das Gatsch (Ausgangsprodukt für Paraffine und Wachse) anliefert, eine Tankwäsche durchführen. Durch das Bedämpfen der Tanks wird pro Schiffsladung bis zu 50 t Gatsch von den Tankwänden entfernt. Nachdem man das Waschwasser vom Gatsch trennt, kann es ohne Einschränkungen weiterverarbeitet werden. Für den Wachsproduzenten ist das ein technischer und zeitlicher Mehraufwand, der sich aber rechnet und obendrein die Umwelt entlastet.

Während im Fall Sasol Wax die stoffliche Wiederverwertung im Vordergrund steht, gibt es auch viele Beispiele in der Chemie, wo aus abfallenden Betriebsstoffen direkt Energie gewonnen wird. Ein gutes Beispiel sind flüssige und gasförmige Lösungsmittel, die in vielen Bereichen der Chemie zum Einsatz kommen und prozessintern in Spezialkesseln verbrannt werden können. Mit dem aus der Verbrennung erzeugten Dampf lässt sich schließlich Strom und Wärme erzeugen. Bis zu 80 % der Primärenergie können mit so einer Technik eingespart werden.

All diejenigen Stoffe, die nicht in den Produktionsprozess zurückgeführt werden, landen am Ende in der Abfallwirtschaft. Laut der Statistik des Bundesumweltministeriums (BMU) stehen diese jährlich als Produktionsabfälle mit knapp 50 Mio. t zu Buche. Davon werden rund 64 % hauptsächlich energetisch verwertet. Tendenz steigend.

Hohe Recyclingquoten und thermische Entsorgung widersprechen sich keinesfalls. „Die Staaten, die am meisten verbrennen, sind auch die größten Recycler“, weiß Abfallexperte Markus Gleis vom Umweltbundesamt (UBA). Das vom deutschen Gesetzgeber im Sommer 2005 verordnete Ende der Deponierung hat der Aussage von Gleis noch mal einen kräftigen Schub gegeben: Während früher das aus den Deponien entweichende Methan das Klima belastete, wird heute der im Abfall enthaltene biogene Kohlenstoffanteil in Abfallvergärungs- oder -verbrennungsanlagen energetisch genutzt.

Dabei steckt in der weiteren Optimierung der Müllverbrennungsanlagen noch weiteres Potenzial zur Vermeidung von klimaschädlichen Gasen. Das Heidelberger Institut für Energie- und Umweltforschung (Ifeu) schätzt in einer Studie, dass in diesem Segment bis 2020 noch rund 7,8 Mio. t CO2 eingespart werden können. Indessen ist der Beitrag der Abfallwirtschaft zur Energieversorgung schon heute eine feste Größe: Ungefähr jede 100ste Kilowattstunde Strom kommt in Deutschland aus der thermischen Nutzung und über 1,5 % des bundesweiten Wärmeverbrauchs wird mit Zivilisationsresten gedeckt. DIERK JENSEN

Ein Beitrag von:

  • Dierk Jensen

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