Umwelttechnik 24.03.2006, 18:43 Uhr

Ab sofort gilt: Elektroschrott darf nicht in die Graue Tonne  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 24. 3. 06, Si – Die bereits 15 Jahre währende Arbeit an der deutschen Konkretisierung des Kreislaufwirtschaftsgesetzes hat laut Gotthard Graß „endlich ihren Abschluss gefunden“. Denn nach den Worten des ZVEI-Hauptgeschäftsführers geht heute das „Entsorgungssystem der dritten Generation“ – nach Dualem System und Batterierücknahmesystem – in Betrieb. Mit Startproblemen wird gerechnet.

Seit heute gilt für Elektro- und Elektronikgeräte ein Wegwerfverbot. Denn zwölf Monate nach Verkündung des Elektro- und Elektronikgerätegesetzes (ElektroG) beginnt am 24. März in Deutschland die praktische Umsetzung der im Januar 2003 in Kraft getretenen EU-Richtlinie (WEEE) zum Elektronikschrottrecycling. Pro Einwohner sollen danach jährlich mindestens 4 kg Elektro- und Elektronikschrott in den Materialkreislauf zurückgegeben werden. Ausrangierte Fernseher, Computer, Kühlschränke, Waschmaschinen oder Toaster darf der Bürger damit nicht mehr einfach in seine graue Restmülltonne stecken, sondern er muss sie bei einer der bundesweit rund 1500 kommunalen Sammelstellen abliefern.

Für private Verbraucher ist das kostenlos. Denn nach dem Verursacherprinzip nimmt das vom Bundesumweltministerium auf den Weg gebrachte Gesetz Hersteller, Importeure und Händler von Elektrogeräten in die Pflicht, die von der Branche in den Verkehr gebrachten Produkte kostenlos zurückzunehmen und nach dem aktuellen Stand der Technik zu verwerten. Otmar Frey vom Zentralverband Elektrotechnik und Elektronikindustrie, Frankfurt, schätzt, dass dies die Industrie in Deutschland jährlich mit bis zu 500 Mio. € belasten wird. Der Leiter der ZVEI-Umweltschutzpolitik rechnet damit, dass jährlich bis zu 100 000 Container-Abholungen durch die Hersteller notwendig sind, um die erwarteten rund 1,1 Mio. t an Altgeräten zu bewältigen. „Die hohen Entsorgungskosten“, so warnt deshalb Frey, „können in vielen Fällen zu Preiserhöhungen bei Neugeräten führen.“

„Ich freue mich, dass die Industrie zu ihrer Verantwortung steht und mit der Umweltpolitik an einem Strang zieht, um Schadstoffe vom Hausmüll fern zu halten und Ressourcen zu schonen“, erklärte Bundesumweltminister Sigmar Gabriel am 22. März in Berlin. Mit dem Elektro-Altgeräte-Register (EAR) hat die deutsche Elektroindustrie dafür einen wichtigen Grundpfeiler geschaffen. Die in Fürth angesiedelte EAR-Stiftung wacht unter Aufsicht des Umweltbundesamtes darüber, dass alle Hersteller und Importeure ihren Verpflichtungen auch nachkommen. Doch von etwa 10 000 Firmen, die sich nach Schätzung des ZVEI bei der EAR bereits hätten registrieren lassen müssen, hat dies laut Verbandsgeschäftsführer Gotthard Graß erst etwa die Hälfte getan. Und die Kommunen beklagen, dass sie keinen direkten Ansprechpartner haben, wenn die Elektroschrottcontainer überquellen werden. Denn die operativen Aufgaben der Altgeräteentsorgung werden von dem Register nicht übernommen. Seite 4 JÜRGEN SIEBENLIST

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