Veränderte Arbeitsweise für Designer 06.03.2014, 13:32 Uhr

Stiefelmodelle am Rechner in 3D formen

Auch Schusters Leisten werden in Zukunft mit Hilfe innovativer Technik erarbeitet. Das spart Geld und sorgt für besser passende Stiefel. Forscher haben eine Methode entwickelt, in 3D einen Stiefel auf der Grundlage von Messungen an realen Beinen zu entwerfen.

Des Schusters Leisten haben das digitale Zeitalter erreicht und können jetzt am Rechner entwickelt werden. Dabei fließen die Daten von Messungen an realen Beinen mit ein.  

Des Schusters Leisten haben das digitale Zeitalter erreicht und können jetzt am Rechner entwickelt werden. Dabei fließen die Daten von Messungen an realen Beinen mit ein.  

Foto: AiF

In der Schuh-Industrie geht es bislang eher traditionell zu: Ein Designer zeichnet Schuh-Modelle auf Papier, auf dieser Grundlage werden dann reale Modelle gefertigt. „Da keine Beinmaße vorliegen, geht er von einem Bein aus, das nach seinen subjektiven Vorstellungen „ideal“ ist und das Modell am vorteilhaftesten zeigt“, erklärt Projektleiterin Dr. Monika Richter. Das böse Erwachen aus dem Designertraum folgt, wenn schon kräftig investiert wurde.  Entspricht das Modell nicht den Vorstellungen der Entscheidungsträger in den Firmenleitungen, dem Marketing oder dem Vertrieb, sind Entwurf und Modell hinfällig. Das ist vor allem bei der Entwicklung von Stiefeln teuer: Der Materialverbrauch ist bei der Anfertigung von Musterstiefel-Serien hoch, insbesondere bei solchen mit einem langen Schaft.

Zeit- und Kostenersparnis durch digitale Modelle

Die Entwicklung digitaler Modelle soll beim Design neuer Stiefel nun Zeit und Kosten sparen. Methodische Grundlagen dafür entwickelten Wissenschaftler der Industriellen Gemeinschaftsforschung (IGF), des Prüf- und Forschungsinstituts Pirmasens (PFI) und der Fakultät für Informatik der Technischen Universität Chemnitz. „Die Projektergebnisse bieten Schuhherstellern eine völlig neue Arbeitsweise beim Design von Stiefeln, insbesondere Schaftstiefeln“, sagt Richter.

Stiefelleisten aus Holz und Eisen aus der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Stiefelleisten aus Holz und Eisen aus der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Foto: Dorfmuseum Schönwalde

So wurde im ersten Schritt ein dreidimensionales Unterschenkelmodell entwickelt, das sich an die in der Bevölkerung tatsächlich auftretenden verschiedenen Grundtypen von Beinformen anpassen lässt. Diese Daten werden mit den digitalen Daten der Leisten verschmolzen.  

Bedarfsgerechter produzieren

Leisten nennen Schuster die einfachen Fußmodelle, mit denen sie die Passform bestimmen. Auf diese Weise entsteht am Rechner ein fotorealistisches und dreidimensionales Stiefelmodell. So können die Designer schon in der Entwicklung sehen, wie ihr Modell am Fuß wirkt und bei Nicht-Gefallen einfache Veränderungen vornehmen.

Mit Hilfe des Modells sei es möglich, diverse Beinformen zu berücksichtigen und anschließend über das endgültige Design zu entscheiden, fasst Richter zusammen. Die kosten- und entwicklungsintensive Herstellung einer Musterserie könne wesentlich reduziert werden. Darüber hinaus werde eine bessere Passform und Optik erreicht. Wichtig ist das insbesondere für kleine und mittlere Betriebe, die nun bedarfsgerechter produzieren können. Der Umsatz der deutschen Schuhindustrie lag 2012 bei rund 2,4 Milliarden Euro.

Von Andrea Ziech Tags:

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