Projekt Jacquard 01.06.2015, 12:15 Uhr

Google und Levi Strauss machen Jeans zum Touchpad

Das klingelnde Handy nicht aus der Hosentasche holen, stattdessen einfach mit einem Fingertipp auf die Jeans das Gespräch annehmen: Daran tüftelt IT-Gigant Google zusammen mit Jeanshersteller Levi Strauss. 

Levi Strauss ist Industriepartner im Projekt Jacquard von Google: Der Jeanshersteller könnte Gerüchten zufolge schon nächstes Jahr berührungsempfindliche Stoffe auf den Markt bringen. 

Levi Strauss ist Industriepartner im Projekt Jacquard von Google: Der Jeanshersteller könnte Gerüchten zufolge schon nächstes Jahr berührungsempfindliche Stoffe auf den Markt bringen. 

Foto: Levi Strauss

Herzstück des Projekts Jacquard ist ein Spezialgewebe: Es ist im Grunde ein herkömmlicher Stoff, allerdings mit darin eingewobenen elektrisch leitenden Metallfäden. Sie funktionieren als Sensoren und reagieren ähnlich wie ein Touchpad auf Fingerbewegungen. So kann der Träger beispielsweise ein Telefongespräch annehmen, indem er mit dem Finger auf den Stoff tippt. Oder er springt im Musikplayer mit einer Wischbewegung zum nächsten Titel.

Touchpadgewebe von Google: Die Elektronik ist so klein, dass sie für den Träger kaum zu spüren ist. 

Touchpadgewebe von Google: Die Elektronik ist so klein, dass sie für den Träger kaum zu spüren ist. 

Foto: Google

Die Elektronik ist so miniaturisiert, dass sie kaum wahrnehmbar ist: Winzige Schaltkreise, Anschlüsse, Batterie und Übertragungstechnik für die kabellose Datenübertragung ans Smartphone sind auf die Größe eines Knopfs geschrumpft und ultraflach.

Vorstellung auf der Entwicklerkonferenz I/O in San Francisco

Auf der Entwicklerkonferenz I/O 2015 in San Francisco zeigte Google, dass die Smartphonesteuerung schon ziemlich ausgefuchst ist: Auf einer Leinwand sahen die Zuschauer eine viereckige Matrix aus hunderten von Punkten. Sobald ein Google-Forscher mit der Hand über den Stoff fuhr, sprangen sie an entsprechender Stelle in die Höhe und zeichneten präzise die Bewegung des Fingers nach. Ein Beweis für die Sensibilität des handtellergroßen Touchpads aus Textil.

Jeanshersteller Levi Strauss ist Industriepartner

Und weil die Technik so gut funktioniert, ist auch schon ein namhafter Industriepartner ins Boot des Projekts Jacquard gesprungen: der US-amerikanische Jeanshersteller Levi Strauss, der seinen Sitz genau wie Google in San Francisco hat. Er will offenbar schon nächstes Jahr erste Produkte mit Stofftouchpad auf den Markt bringen, die ganz normal dehnbar und waschbar sind.

Industrieller Webstuhl: Die elektrisch leitenden Metallfäden lassen sich laut Google problemlos von den Geräten verarbeiten. 

Industrieller Webstuhl: Die elektrisch leitenden Metallfäden lassen sich laut Google problemlos von den Geräten verarbeiten. 

Foto: Google

Vielleicht sind sie sogar gar nicht so teuer. Denn laut Google sind die elektrisch leitenden Metallfäden mit industriellen Webstühlen kompatibel. Es scheinen also keine kostenintensive Umrüstungen in der Produktion nötig zu sein.  Ein weiterer Schritt wäre geschafft, um Mensch und Technik im Alltag miteinander zu verschmelzen, wie Levi-Designer Paul Dillinger verdeutlicht: „Und wenn wir dabei den Augenkontakt mit der Person beibehalten können, mit der wir gerade zu Abend essen, dann hat das einen besonderen Wert.“

Google hat auch ein Taschenradar entwickelt

Doch damit nicht genug. Google hat auf der Entwicklerkonferenz eine weitere Steuerungsneuheit vorgestellt: einen sogenannten Taschenradar. Er soll dann zum Einsatz kommen, wenn immer kleinere Displays – beispielsweise von Smartwatches – die Grenze der Bedienfreundlichkeit überschreiten.

Beweis für die Sensibilität des Touchgewebes: Punkte einer Computermatrix zeichnen Bewegungen des Fingers auf dem Stoff nach. 

Beweis für die Sensibilität des Touchgewebes: Punkte einer Computermatrix zeichnen Bewegungen des Fingers auf dem Stoff nach. 

Foto: Google

Der Taschenradar, nur so groß wie eine Centmünze, tastet die Handbewegungen des Benutzers ab. Mit Fingerbewegungen in der Luft kann er auf dem Smartphone scrollen, einen Lautstärkeregler drehen oder mit dem Zeigefinger virtuelles Tischfußball spielen. 

Von Patrick Schroeder Tags:

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