Schiffbau 28.05.2010, 19:46 Uhr

Werften in Fernost locken mit Dumping

Die Konzentration auf Einzel- und Spezialschiffbau soll die deutschen Werften aus der Krise holen. Der Verband Schiffbau und Meerestechnik fordert dafür stärkere Unterstützung aus Berlin. Die Branche muss sich zunehmend der Dumping-Konkurrenz aus Korea und China erwehren.

Serienbau großer Containerschiffe: China und Korea dominieren derzeit den globalen Schiffbau.

Serienbau großer Containerschiffe: China und Korea dominieren derzeit den globalen Schiffbau.

Nachdem die Wirtschaftskrise ihnen buchstäblich das Wasser abgegraben hat, haben die deutschen Schiffbauer einen neuen Zukunftskurs abgesteckt. Um der anhaltenden Nachfrageschwäche bei den Reedern zu begegnen und zugleich eine zunehmende Dumping-Konkurrenz aus Korea und China abzuwehren, setzen die deutschen Werften verstärkt auf Forschung und Entwicklung.

„Die Produktpalette wird sich verschieben“, prophezeite Bernhard Meyer, Chef der Meyer-Werft, Papenburg, auf der Jahresversammlung des Verbandes Schiffbau und Meerestechnik (VSM) am 18. Mai in Hamburg. Statt in Serienbauten sieht er für die Neubauwerften einen Trend zu „Spezialschiffen sowie zu kleineren Containerschiffen“, die als konstruktionsintensive Einzelbauten für die großen asiatischen Konkurrenten nicht interessant seien.

Für beide Schiffstypen ist laut Meyer ein ausreichender Markt vorhanden: Spezialschiffe z. B. für den Bau der Offshore-Windparks gewinnen an Bedeutung und bei kleinen, flexibel einsetzbaren Containerschiffen lasse das hohe Flottendurchschnittsalter einen hohen Neubaubedarf für die nächsten Jahre erwarten.

Der Haken bei beiden Marktsegmenten liegt laut VSM jedoch darin, dass der Konstruktions- und Entwicklungsaufwand für Einzelbauten und Spezialschiffe je Einheit ungleich höher ist als bei Serienbauten. So müssten die Werften verstärkt in Forschungs- und Entwicklungsarbeiten investieren, betonte VSM-Hauptgeschäftsführer Werner Lundt. Dafür erwarten sie mehr Geld vom Staat: „Wir müssen bei der Innovationsförderung die Bremsklötze herausnehmen“, sagt Ralf Sören Marquardt, als VSM-Geschäftsführer für die Forschungsfragen zuständig.

Grundsätzlich ist im Schiffbau die Förderung von Forschung und Entwicklung (FuE) nicht schlecht aufgestellt. Laut Marquardt haben die 37 deutschen Seeschiffwerften sowie die 54 Zulieferer und Meerestechnikspezialisten für zukunftsweisende Vorhaben 2009 vom Staat rund 35 Mio. € erhalten und damit so viel Geld wie nie zuvor bekommen.

Die FuE-Mittel stammen aus Spezialprogrammen, mit denen z. B. die Entwicklung von Brennstoffzellen und Gasmotoren vorangetrieben werden sollen: „Insgesamt zielt dies auf einen emissionsarmen Antrieb“, erläuterte Marquardt. Bis umwelt- und klimafreundliche Systeme zur Normalität an Bord und damit zum verkaufsfähigen Produkt werden, dürften aber noch Jahren vergehen: „Das Problem ist ein international sehr langfristiger Bestandsschutz für alte Systeme“, sagte Marquardt.

Ausgerechnet im Schiffsneubau, wo FuE-Projekte nahezu unmittelbar zu Aufträgen und Umsätzen führten, vermissen die Werften jedoch ausreichende staatliche Unterstützung. Die Zeit drängt, mahnt der VSM. Langsam, aber sicher schmilzt der Auftragsbestand der Schiffbauer dahin. Ende 2009 hatten sie noch Verträge im Gesamtwert von 9,6 Mrd. € für 106 Neubauten Ende März 2010 waren es noch 101 Schiffe mit einem Volumen von 9,2 Mrd. €. Den letzten zehn abgelieferten Schiffen standen nur sechs Bestellungen gegenüber.

Zwar haben die Schiffbauer inzwischen Hoffnung, ab 2011/2012 ihre Betriebe besser auslasten zu können. Doch um die Lücke mit Einzelbauten und Spezialschiffen zu schließen, brauchen sie verstärkte Hilfe vom Staat, erklärte Marquardt in Hamburg. Seitdem die Werftenhilfe mit prozentualen Zuschüssen nach Auftragswert ausgelaufen ist, gibt es staatliche Hilfe nur noch als Beitrag zur Innovationsförderung.

Für besondere Konstruktionsaufgaben und vor allem für die Entwicklung neuer Konzepte können die Werften Zuschüsse beantragen. Etwa 28 Mio. € stehen laut Marquardt dafür derzeit jährlich im Programm „Schiffbau und Mittelstand im 21. Jahrhundert“ zur Verfügung: „Aber wir könnten ohne weiteres 35 Mio. € bis 40 Mio. € in sinnvollen Projekten unterbringen.“

Allein 2009 präsentierten die Werften 82 Anträge, die 42 Mio. € Fördermittel erfordert hätten, bewilligt wurde jedoch lediglich ein Volumen von gut 25 Mio. €: „Wir laufen hier mit zukunftsweisenden Projekten in einen Bewilligungsstau hinein“, warnte Marquardt.

Bei den Projekten geht es um Schiffe, die in den kommenden Jahren realisiert werden müssen – sonst droht ein weiterer Verlust von Arbeitsplätze. Seit Ende 2008 haben die Werften ihre Belegschaften um 3600 auf rund 20 000 Beschäftigte reduziert, mit Kurzarbeit könne dieses Niveau nur noch bis Ende 2010 gehalten werden, meinte Lundt: „Wir brauchen deshalb unbedingt die Unterstützung aus Berlin, um über die Durststrecke zu kommen.“   W. HEUMER/WOP

Von W. Heumer/Wolfgang Pester
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