Tauchanzug Exosuit 30.09.2014, 17:09 Uhr

U-Boot zum Anziehen bringt Archäologen zu geheimnisvollem Schiffswrack

Jetzt geht es los: Der amerikanische Archäologe Brendan P. Foley reist nach Griechenland und steigt in den eine Million Euro teuren Tauchanzug Exosuit. Mit diesem Unterseebot zum Anziehen taucht er zu einem antiken Wrack und entschlüsselt das Rätsel einer sagenumwobenen Maschine. 

Brendan Foley im Exosuit: Der Archäologe steuert den Tauchanzug mit 1,6-PS-Düsen. Im Inneren herrscht Atmosphärendruck.

Brendan Foley im Exosuit: Der Archäologe steuert den Tauchanzug mit 1,6-PS-Düsen. Im Inneren herrscht Atmosphärendruck.

Foto: Wood Hole

„Man fühlt sich wie in einer Ritterrüstung aus vielen Teilen“, sagte Brendan P. Foley, Chef-Archäologe des US-amerikanischen Meeresforschungsinstituts Woods Hole, der New York Times. Denn mit einem klassischen Tauchanzug hat Exosuit nichts zu tun: Das Unterseebot zum Anziehen besteht aus einer Aluminiumlegierung und wiegt stolze 240 Kilogramm. Viel zu schwer, um sich mit Muskelkraft zu bewegen. Deswegen gibt es 1,6-PS-Düsen für horizontale und vertikale Bewegungen, die Foley über ein Fußpedal steuert.

Foley: Ich kann nicht schlafen, weil ich so aufgeregt bin

Ein Strang aus Kabeln und Schläuchen führt an die Oberfläche und versorgt den Anzug: mit Energie für Antrieb, LED-Leuchten, Greifwerkzeugen und Kameras, mit einer Datenverbindung für Sprachkommunikation und Videoübertragung und natürlich genügend Sauerstoff, damit im Anzug Atmosphärendruck herrscht. Foley kann mit diesem eine Million Euro teuren Hightech-Gerät 50 Stunden lang in bis zu 300 Meter Tiefe tauchen – unmöglich für einen normalen Taucher.

Der 240 Kilogramm schwere Tauchanzug besteht aus einer robusten Aluminiumlegierung. Maximale Tauchtiefe: 300 Meter. Mit horizontalen und vertikalen Düsen steuert Foley den Anzug. Er kann maximal 50 Stunden lang tauchen.

Der 240 Kilogramm schwere Tauchanzug besteht aus einer robusten Aluminiumlegierung. Maximale Tauchtiefe: 300 Meter. Mit horizontalen und vertikalen Düsen steuert Foley den Anzug. Er kann maximal 50 Stunden lang tauchen.

Foto: Nuytco Research

„Ich kann nicht schlafen, weil ich so aufgeregt bin“, sagt Foley weiter. Dazu hat er auch allen Grund. Denn die Augen Hunderter Wissenschaftler sind auf seine Mission gerichtet. Foley wird an der Küste der griechischen Insel Antikythera zu einem Schiffswrack tauchen, das vor knapp 2100 Jahren gesunken ist –mit Schmuck, Bronzestatuen, Geld und einer rätselhaften Maschine an Bord, über deren genaue Funktion die Forscher seit seiner Entdeckung im Jahr 1900 rätseln.

Antikythera-Mechanismus scheint eine Art Ur-Computer zu sein

Die Maschine hört auf den Namen Antikythera-Mechanismus, besteht aus 30 Bronzezahnrädern, einem Holzrahmen und Teilen einer Abdeckplatte. Diese wurden im Jahr 1900 geborgen, allerdings gehen die Forscher davon aus, dass noch weitere Teile der Maschine auf dem Meeresboden verstreut liegen.

Das ist das Hauptfragment des Mechanismus von Antikythera im Archäologischen Museum in Athen. Die Maschine ist rund 2100 Jahre alt. Sie soll Kalenderdaten, Mondphasen und Sonnenfinsternisse modelliert haben und gilt deshalb als Ur-Computer. 

Das ist das Hauptfragment des Mechanismus von Antikythera im Archäologischen Museum in Athen. Die Maschine ist rund 2100 Jahre alt. Sie soll Kalenderdaten, Mondphasen und Sonnenfinsternisse modelliert haben und gilt deshalb als Ur-Computer. 

Foto: Wikimedia/Tilemahos Efthimiadis

Foley geht jetzt auf 120 Meter und hofft dort weitere Teile der Maschine zu finden, die eventuell den Hang hinuntergerutscht sind. Mit seinem robusten Exosuit kann er sich zudem in schwer zugängliche Wrackteile trauen.

In den 1970er Jahren begannen Wissenschaftler, den Antikythera-Mechanismus näher zu untersuchen. Sie durchleuchteten das Gerät mit Röntgen- und Gammastrahlen und erstellten eine Rekonstruktion des komplexen Geräts, das durch Korrosion bereits stark beschädigt ist. Sie vermuten, dass die Maschine Kalenderdaten, Mondphasen und Sonnenfinsternisse modelliert hat und somit eine Art Ur-Computer darstellt.

Weiteres Fragment des Mechanismus von Antikythera im Archäologischen Museum in Athen.

Weiteres Fragment des Mechanismus von Antikythera im Archäologischen Museum in Athen.

Foto: Wikimedia/Tilemahos Efthimiadis

Allerdings scheint etwas Entscheidendes zu fehlen, glauben die Forscher. Denn ein Fragment des Mechanismus passt nicht zu den restlichen Teilen. „Es gibt daher gute Anzeichen, dass sich noch weitere Objekte in dem Schiffswrack befinden“, sagt Angeliki Simosi, Leiterin des Direktoriums für Unterwasser-Altertümer in Athen, in einem Bericht der Zeit. 

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