Besatzungslose Hochseeschifffahrt 02.01.2014, 10:41 Uhr

In zehn Jahren überqueren die ersten Roboschiffe die Ozeane

Während es längst besatzungslose kleine Flugzeuge gibt, dauert es in der Seefahrt etwas länger bis zur Vollautomatisierung des Fahrbetriebs. Einer der großen Zulieferer der Werften in aller Welt, Rolls-Royce aus Großbritannien, rechnet damit, dass in zehn Jahren die ersten „Roboschiffe“ die Ozeane überqueren werden.

Schon heute läuft der Frachtschiffsverkehr hoch automatisiert und mit wenigen Besatzungsmitgliedern auf den Schiffen ab. Die Zukunft aber wird mit hoher Wahrscheinlichkeit dem besatzungslosen, voll automatisierten Frachter gehören. Dabei geht es auch um die Verbesserung der Sicherheit im Schiffsbetrieb, den man sich von dieser Automatisierung verspricht. 

Schon heute läuft der Frachtschiffsverkehr hoch automatisiert und mit wenigen Besatzungsmitgliedern auf den Schiffen ab. Die Zukunft aber wird mit hoher Wahrscheinlichkeit dem besatzungslosen, voll automatisierten Frachter gehören. Dabei geht es auch um die Verbesserung der Sicherheit im Schiffsbetrieb, den man sich von dieser Automatisierung verspricht. 

Foto: dpa/Christian Charisius

Die Technik für den besatzungslosen Betrieb von Frachtern aller Art, vom Tanker über Massengutschiffe bis hin zu den Container-Carriern, ist bereits weitestgehend entwickelt, betont Oskar Levander, der im Rolls-Royce-Konzern für die Weiterentwicklung der Schiffstechnik verantwortlich ist. Dabei ist daran gedacht, dass die Reedereien zentrale Schiffsbetriebszentren betreiben, in denen erfahrene, entsprechend lizensierte Kapitäne mit Hilfe der Breitbandtechnik über Satelliten sowie Radar die Schiffe auf See überwachen und gegebenenfalls auch direkt steuern können. Die eigentliche Arbeit allerdings leisten die Computer an Bord der Schiffe.

Hindernisse auf rechtlichem Gebiet

Rolls-Royce hat nicht den geringsten Zweifel, dass es in zehn Jahren schon zahlreiche besatzungslose Hochseeschiffe geben wird. In einigen Fällen wird das wohl schon früher der Fall sein. Das könnte für den Verkehr entlang der amerikanischen Atlantik- oder Pazifik-Küste der Fall sein, genauso aber in Europa auf den Seewegen zwischen den EU-Ländern. Das größte Hindernis für die schnelle Einführung der im Prinzip schon vorhandenen Technik sieht Rolls-Royce allerdings auf rechtlichem Gebiet. Für die internationale Schifffahrt auf allen Weltmeeren und in den jeweiligen Küstengewässern gibt es ein extrem umfangreiches Netz internationaler Vereinbarungen und Vorschriften. Das gilt ganz besonders für den Bereich der so genannten Kollisions-Vermeidung im Schiffsverkehr.

Bis der besatzungslose Schiffsbetrieb überall auf der Welt wirklich uneingeschränkt zulässig sein wird, kann es nach Einschätzung von Rolls-Royce allerdings durchaus noch Jahrzehnte dauern. Das ändert allerdings nicht daran, dass die Kostenvorteile des besatzungslosen Verkehrs so hoch sind, dass beispielsweise in den genannten Gewässern der vollautomatisierte Schiffsbetrieb schon in weniger als zehn Jahren eingeführt werden dürfte. Die Besatzungskosten schwanken je Reederei und Region sowie Schiffs- und Fahrttyp stark. Vielfach erreichen die Besatzungskosten aber 30 Prozent der Betriebskosten der Schiffe. Dieser Kostenblock fällt durch die Vollautomatisierung weg, während die zusätzlichen Investitionen zumindest bei Schiffsneubauten weitestgehend durch den Wegfall aller Einrichtungen auf den Schiffen für das Personal (vor allem für Wohnen, Beköstigung, Schiffsführung und Sicherheitseinrichtungen) abgedeckt werden.

Kostenvorteile und massive Verbesserung der Sicherheit

Die wirtschaftlichen Vorteile der Vollautomatisierung des Schiffsbetrieb sind aber nur ein wichtiger Punkt, der für den Übergang zu besatzungslosen Hochseeschiffen spricht. Kaum weniger wichtiger ist die Verbesserung der Sicherheit im Schiffsbetrieb, den man sich von dieser Automatisierung verspricht. Eine von der EU finanzierte Ausarbeitung, die so genannte Munin-Studie,  zu diesem Thema kommt zu dem Ergebnis, dass derzeit 75 Prozent aller Schiffsunfälle auf menschliche Fehler aller Art zurückgehen. Dabei stehen Übermüdung und mangelnde Wachsamkeit ganz oben auf der Liste der Ursachen von Unfällen.

Die Vollautomatisierung erlaubt allerdings zugleich auch einen wesentlich besseren Schutz gegen das zunehmende Übel der Hochsee-Piraterie, das vor allem die afrikanischen Küsten entlang die Schifffahrt beeinträchtigt. Dabei ist daran gedacht, das Schiffsinnere im Falle eines Piratenangriffs schlagartig mit einem Gas zu füllen, dass es den Piraten unmöglich macht, in die automatische Steuerung einzugreifen oder zu versuchen, Teile der Ladung zu entwenden.

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