Entwicklung von Daewoo 21.08.2014, 11:32 Uhr

Größtes Schiff der Welt soll Ölplattformen auf den Rücken nehmen

Es ist 382 Meter lang, 124 Meter breit, verdrängt 900.000 Tonnen Wasser und kann Öl- und Gasplattformen Huckepack nehmen: das gigantische Doppelrumpfschiff Pieter Schelte, das die Daewoo-Werft derzeit für die Anrainerstaaten der Nordsee baut. Diese müssen bis 2040 einen Großteil der 600 Förderplattformen abbauen.

Pieter Schelte soll Ende des Jahres als Rohbau in Rotterdam eintreffen. Im Alexia-Hafenbecken wird das größte Schiff der Welt dann auf seine Aufgabe in der Nordsee vorbereitet.

Pieter Schelte soll Ende des Jahres als Rohbau in Rotterdam eintreffen. Im Alexia-Hafenbecken wird das größte Schiff der Welt dann auf seine Aufgabe in der Nordsee vorbereitet.

Foto: Allseas

In der Nordsee arbeiten derzeit mehr als 600 Förderplattformen für Öl und Gas. Doch sobald die Bohrungen versiegen, müssen die Anrainerstaaten die großen Plattformen allesamt abbauen. Das soll bis zum Jahre 2040 geschehen und bis zu 42 Milliarden Euro kosten.

Die Anrainerstaaten können sich allerdings auf Hilfe freuen: Gegen Ende dieses Jahres soll vom südkoreanischen Schiffbauer Daewoo das bislang größte Schiff der Welt als Rohbau nach Rotterdam kommen. Im Alexia Hafenbecken von Rotterdam wird das Riesenschiff namens Pieter Schelte dann für seine Aufgaben in der Nordsee ausgerüstet. Allein die äußeren Abmessungen des Schiffs muten schon gigantisch an. Die Länge beträgt 382 Meter und die Breite des Doppelrumpfschiffs 124 Meter. Der Tiefgang beträgt 30 Meter, die Wasserverdrängung nahezu 900.000 Tonnen.

Portalkräne an Bord der Pieter Schelte heben 48.000 Tonnen

Das Doppelrumpfschiff ist so konzipiert, dass die beiden parallelen Rumpfelemente unter die überstehenden Teile der Plattform fahren. Deren Verbindung zur Stahl- oder Betonbasis wird gelöst, vom Schiff aus wird der Oberbau der Plattform dann abgehoben. So genannte Portalkräne an Bord der Pieter Schelte vermögen Lasten bis zu 48.000 Tonnen zu heben und Lasten von bis zu 25.000 Tonnen zu stemmen. Das ermöglicht es, Unterbauten kleinere Plattformen gewissermaßen mit einem Griff aus dem Wasser zu haben und an Bord abzusetzen.

Den Oberbau einer Förderplattform kann das Schiff in die Zange nehmen und abtransportieren. Den Unterbau ziehen Kräne danach auf das Heck des Schiffes.

Den Oberbau einer Förderplattform kann das Schiff in die Zange nehmen und abtransportieren. Den Unterbau ziehen Kräne danach auf das Heck des Schiffes.

Quelle: Allseas

Die Pieter Schelte befördert diese Lasten in einige spezielle Häfen, wo die Anlagen entweder komplett demontiert oder für andere Verwendungszwecke umgebaut werden. Es gibt allerdings auch eine Vielzahl sehr großer Förderplattformen, die das Schiff nicht aus dem Wasser heben kann. Für sie wird derzeit in der gleichen koreanischen Werft ein weiteres Schiff gebaut, das noch um einiges größer als die Pieter Schelte sein soll. Letztere kann zwischen den Rückbauaufträgen übrigens auch als Pipelineverleger eingesetzt werden. Dabei kann sie mehr als 2000 Tonnen an Rohren an Bord nehmen und verlegen.

90 Prozent der Plattformen müssen abgebaut werden

Über 90 Prozent der Anlagen in der Nordsee müssen in den nächsten Jahrzehnten demontiert und an Land geschafft werden. Bei den restlichen 10 Prozent der Anlagen, die jeweils aus besonders großen Beton- oder Stahlelementen bestehen, ist nicht in allen Fällen klar, ob der Rückbau möglich und vor allem ohne Gefährdung von Mensch und Umwelt bewerkstelligt werden kann. All das schreiben die Lizenzverträge für die Fördergebiete vor.

Das größte Schiff der Welt, die Pieter Schelte, wird derzeit in einer Werft des südkoreanischen Schiffbauers Daewoo gebaut.

Das größte Schiff der Welt, die Pieter Schelte, wird derzeit in einer Werft des südkoreanischen Schiffbauers Daewoo gebaut.

Quelle: Allseas

Insgesamt geht es um über 600 Plattformen. Davon stehen 470 Plattformen in der britischen Nordsee, die übrigen in den Gewässern der anderen Nordseeanrainer. Begonnen hat die Förderung von Öl und Gas vor etwa 40 Jahren. Mehr und mehr der alten Anlagen nähern sich dem Ende ihrer Nutzbarkeit. Ähnliches gilt auch für Teile der mehr als 10.000 Kilometer Pipelines, die die Plattformen untereinander und mit dem Festland verbinden. Die heute fördernden Anlagen müssen überwiegend bis 2040 rückgebaut sein. Dabei entwickelt sich der Rückbau der Anlagen in der Nordsee inzwischen zu einer eigenständigen Industrie.

Portalkräne können Lasten bis zu 48.000 Tonnen heben und so den Unterbau einer Ölplattform an Bord nehmen.

Portalkräne können Lasten bis zu 48.000 Tonnen heben und so den Unterbau einer Ölplattform an Bord nehmen.

Quelle: Allseas

Die in der Schweiz ansässige Gesellschaft Allseas, die die beiden Mammutschiffe in Auftrag gegeben und später auch betreiben wird, spricht davon, dass mit ihnen der Rückbau von Offshore-Anlagen revolutioniert wird. Allseas verlegt bislang vor allem Unterwasser-Pipelines und beschäftigt dazu in aller Welt rund 2500 Mitarbeiter.

Ein Beitrag von:

  • Peter Odrich

    Peter Odrich studierte Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Verkehrsbetriebe. Nach 28 Jahren als Wirtschaftsredakteur einer deutschen überregionalen Tageszeitung mit langer Tätigkeit in Ostasien kehrte er ins heimatliche Grossbritannien zurück. Seitdem berichtet er freiberuflich für Zeitungen und Technische Informationsdienste in verschiedenen Ländern. Dabei stehen Verkehrsthemen, Metalle und ostasiatische Themen im Vordergrund.

Themen im Artikel

Stellenangebote im Bereich Fahrzeugtechnik

Knorr-Bremse Systeme für Nutzfahrzeuge GmbH Schwieberdingen-Firmenlogo
Knorr-Bremse Systeme für Nutzfahrzeuge GmbH Schwieberdingen Ingenieur für Systemtest und Fahrversuch (m/w/d) Schwieberdingen bei Stuttgart
Knorr-Bremse Systeme für Nutzfahrzeuge GmbH Schwieberdingen-Firmenlogo
Knorr-Bremse Systeme für Nutzfahrzeuge GmbH Schwieberdingen ADAS Engineer Sensorics (m/w/d) Schwieberdingen bei Stuttgart
Jungheinrich AG-Firmenlogo
Jungheinrich AG Systemingenieur (m/w/d) Fahrzeugelektrifizierung Region DACH
Bundespolizeiakademie-Firmenlogo
Bundespolizeiakademie Ingenieure (m/w/d) bzw. Hochschulabsolventen zur Verwendung als Polizeirätin/Polizeirat (m/w/d) deutschlandweit
Knorr-Bremse Systeme für Nutzfahrzeuge GmbH Schwieberdingen-Firmenlogo
Knorr-Bremse Systeme für Nutzfahrzeuge GmbH Schwieberdingen System and Requirements Engineer (m/w/d) Schwieberdingen bei Stuttgart
Knorr-Bremse Systeme für Nutzfahrzeuge GmbH Schwieberdingen-Firmenlogo
Knorr-Bremse Systeme für Nutzfahrzeuge GmbH Schwieberdingen System Engineer Bremssysteme für automatisiertes Fahren (m/w/d) Schwieberdingen bei Stuttgart
Dynamic Engineering GmbH-Firmenlogo
Dynamic Engineering GmbH Ingenieur / Techniker Versuch (m/w/d) – Automotive / Rail / Luft- und Raumfahrt München
XCMG European Research Center GmbH-Firmenlogo
XCMG European Research Center GmbH Ingenieur als Experte (m/w/d) für Integration neuer Technologien an Baggern Krefeld
A. KAYSER AUTOMOTIVE SYSTEMS GmbH-Firmenlogo
A. KAYSER AUTOMOTIVE SYSTEMS GmbH Produktentwickler (m/w/d) Ventile Einbeck
Stadtwerke München GmbH-Firmenlogo
Stadtwerke München GmbH Expert*in Brandschutz (m/w/d) München

Alle Fahrzeugtechnik Jobs

Top 5 Schiffbau

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.