Sorge vor dem Sturm 22.07.2014, 13:57 Uhr

Fahrt der Costa Concordia nach Genua um einen Tag verschoben

Immer wieder macht das Wetter der letzten Reise der Costa Concordia einen Strich durch die Rechnung. Starker Wind sorgte für eine Unterbrechung der Vorbereitungen auf die Schleppfahrt nach Genua, die für den heutigen Dienstag geplant war. Zu groß ist allen Beteiligten das Risiko des Scheiterns auf der Zielgeraden. 

Die Costa Concordia hell erleuchtet bei Nacht: Das Schiff wird von 30 mit Luft gefüllten Tanks stabilisiert, die links und rechts am Schiff befestigt sind. Bei der 385 Kilometer weiten Fahrt nach Genua braucht das Schiff trotzdem ruhige See.

Die Costa Concordia hell erleuchtet bei Nacht: Das Schiff wird von 30 mit Luft gefüllten Tanks stabilisiert, die links und rechts am Schiff befestigt sind. Bei der 385 Kilometer weiten Fahrt nach Genua braucht das Schiff trotzdem ruhige See.

Foto: dpa/Alessandro Di Meo

Wieder ein Tag warten: Die letzte Reise der Costa Concordia wird wohl erst am morgigen Mittwoch, den 23. Juli 2014 beginnen. Der eigentliche Zeitplan sah vor, heute mit der sensiblen Operation zu starten. Der Bürgermeister der Ferieninsel Giglio, Sergio Ortelli, zeigte sich entsprechend irritiert: „Die Costa Concordia macht uns bis zuletzt zu schaffen. Ich begreife die Schwierigkeiten einer einmaligen Bergung, doch die Sorge der Bürger auf Giglio bleibt groß. Wir hoffen, dass das Wrack sobald wie möglich weg kommt.“

Luft in 30 Wassertanks sorgen für Auftrieb

Es ist auch in der Tat eine in der internationalen Seeschifffahrt einzigartige Bergungsaktion: Vor gut einer Woche wurde das 290 Meter lange Wrack sanft und langsam von dem künstlichen Boden angehoben, auf dem es bis dahin ruhte. 30 Wassertanks wurden dafür von hunderten Ingenieuren und Technikern an beiden Flanken des etwa 50.000 Tonnen schweren Kreuzfahrtschiffes befestigt.

In diese Tanks pumpten sie im Verlauf mehrerer Tage komprimierte Luft und verschafften der Costa Concordia so einen Auftrieb, der sie etwa 14 Meter in die Höhe hob. Gleichzeitig stabilisieren diese Schwimmkörper das schwer beschädigte Schiff.

„Bei solchen Projekten macht Eile keinen Sinn“

Nun ist es das Wetter, welches den Bergungsplan der Reederei durcheinanderbringt. „Bei solchen Projekten macht Eile keinen Sinn“, sagte der Vorstandschef der Reederei, Michael Thimm. „Wir wollen umsichtig vorgehen, weil die Sicherheit ausschlaggebend ist.“

Blick auf die Costa Concordia vor der Insel Giglio: Wegen schlechten Wetters wird das Kreuzfahrtschiff erst am Mittwoch seine letzte Reise nach Genua antreten, wo das Schiff verschrottet wird.

Blick auf die Costa Concordia vor der Insel Giglio: Wegen schlechten Wetters wird das Kreuzfahrtschiff erst am Mittwoch seine letzte Reise nach Genua antreten, wo das Schiff verschrottet wird.

Foto: dpa/Claudio Giovannini

Starke Winde in der Nacht zuvor sorgten dafür, dass die Vorbereitungen für die letzte Reise der Costa Concordia für mehrere Stunden unterbrochen werden mussten. „In den kommenden Stunden wird das Schiff sich um weitere zweieinhalb Meter aus dem Wasser heben, dann gibt es eine finale Kontrolle“, erklärte Ingenieur Franco Porcellacchia.

Doppelter Tiefgang wie normal

Nach dem das letzte Wasser aus den 30 Wassertanks herausgepumpt ist, wird die Costa Concordia einen Tiefgang von 17 Metern haben. Das ist mehr als das Doppelte des gewöhnlichen Tiefgangs dieses Luxusliners. Mit knapp vier Kilometern pro Stunde wird sich das Wrack auf seine letzte Reise in den Hafen von Genua aufmachen, wo es zerlegt und verschrottet wird.

Diese letzte Reise ist genau 208 nautische Meilen lang, das sind etwa 385 Kilometer. Gut vier Tage wird diese letzte Reise des ehemals größten italienischen Kreuzfahrtschiffes dauern, wenn nicht Winde oder hohe Wellen den Transport ausbremsen. 2.6 Meter, höher dürfen die Brecher nicht sein, die gegen die verrostete Bordwand der Costa Concordia krachen.

Kapitän Hans Bosch leitet die Aktion

Es wird ein gigantischer Tross sein, der sich morgen von Giglio fortbewegt. Insgesamt begleiten die Costa Concordia 14 Schiffe. Zwei Schiffe werden den Kreuzfahrtriesen an 800 Meter langen Trossen ziehen.

Die Leitung der gesamten Operation übernimmt der niederländische Kapitän Hans Bosch, der an Bord des Schiffes Blizzard die Schleppaktion koordiniert. An Bord der Concordia befinden sich zwölf Personen, für die ein Evakuierungsplan erarbeitet worden ist, falls es Probleme gibt.

Quer durch das „Heiligtum der Wale“

Es mutet zum Teil bizarr an, mit welcher Sorgfalt bei dieser weltweit einmaligen Bergung eines havarierten Schiffes vorgegangen wird. So schippert vor dem Schlepptross mit der Costa Concordia ein Schiff mit Meeresbiologen an Bord, deren Aufgabe darin besteht, dafür zu sorgen, dass Delphine dem Abschleppkorso nicht zu nahe kommen.

Die von großen Tanks stabilisierte Costa Concordia wird während der Fahrt nach Genua von 14 Schiffen begleitet. Während der Vorbeifahrt an Korsika werden dort die französische Umweltministerin Segoléne Royal und Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian die Fahrt beobachten.

Die von großen Tanks stabilisierte Costa Concordia wird während der Fahrt nach Genua von 14 Schiffen begleitet. Während der Vorbeifahrt an Korsika werden dort die französische Umweltministerin Segoléne Royal und Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian die Fahrt beobachten.

Foto: dpa/Claudio Giovannini

Denn der Bergungstross wird auf seiner Route in Richtung Genua ein als „Heiligtum der Wale“ bezeichnetes multinationales Meeresschutzgebiet zwischen Sardinien und den Küsten der italienischen Regionen Ligurien und Toskana queren.

3-Meilen-Sperrzone um den Konvoi

Der Konvoi ist quasi Sperrzone: Küstenwache und Polizei werden streng darauf achten, dass sich in einem Umkreis von drei Seemeilen niemand unerlaubt nähert. Selbst der Luftraum über dem jeweiligen Aufenthaltsort der Costa Concordia wird gesperrt. So möchte die Reederei verhindern, dass aufdringliche Medienvertreter die Operation von Hubschraubern aus verfolgen.

Segoléne Royal persönlich überwacht Vorbeifahrt an Korsika

Die französische Umweltministerin Segoléne Royal wird die letzte Reise der Costa Concordia an Bord eines Militärschiffes vor der Insel Korsika verfolgen. Die streitbare Ministerin hatte vom italienischen Amtskollegen Gian Luca Galletti Garantien erhalten, dass bei der Vorbeifahrt der Concordia an Korsika keine Schadstoffe austreten.

Das Kreuzfahrtschiff passiert die französische Ferieninsel in nur 30 Kilometer Entfernung. An Bord des Schiffes Jason wird sich neben Royal und einem Expertenteam auch der Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian aufhalten. 

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