Schiffbau 18.05.2007, 19:28 Uhr

Endspurt für vier Hightech-Yachten  

Seit Montag dieser Woche werden auf den beiden Rennkursen vor Valencia die Halbfinal-Duelle um die begehrteste Trophäe des Segelsports beim America“s Cup ausgetragen. Weiterhin wird jede Nacht nach den Regatten an den Millionen teuren Renn-Yachten optimiert.

Sieben Teams mussten bereits beim America“s Cup, der traditionsreichsten Regatta der Welt, die Segel streichen. Seit Montag dieser Woche kämpfen nur noch vier Teams auf den beiden Regattastrecken vor Valencia. Es geht darum, wer den Schweizer Verteidiger Alinghi beim Kampf um den Auld Mug, die Trophäe aus Sterlingsilber, herausfordern darf. Im Halbfinale tritt Vorrundensieger Team New Zealand gegen die viertplatzierte Desafio Español an das US-Team BMW-Oracle-Racing steht der italienischen Luna Rossa gegenüber.

Zwei- bis dreistellige Millionenbeträge wurden bis dato für die Hightech-Yachten ausgegeben: 24 t, 24 m Länge, 33 m Masthöhe und 700 m2 Segelfläche – so lauten nur einige der superlativen Eckdaten der Yachten. Seit 1992 sind die Bauvorschriften für die Boote bis ins kleinste Detail durch das 58-seitige Regelwerk des Ausrichters festgelegt. Dieser eng gesteckte Spielraum fordert Yachtkonstrukteure, Techniker, Wissenschaftler, Informatiker, Segelmacher und Mastenbauer umso mehr heraus.

In den drei Jahren Vorbereitungszeit drehte sich alles bei Computersimulationen, Windkanal- und Wassertanktests um die Suche nach den besten Strömungseigenschaften des Schiffsrumpfes. Wie lassen sich Strömungs- und Reibungswiderstände minimieren und die Oberflächenbeschaffenheit optimieren?

Ist dann der eigentliche Bauprozess abgeschlossen, wird bis zuletzt auf dem Wasser getestet und in den riesigen Werkhallen der Teambasen optimiert. „Wir haben bis zum Halbfinale ausgetestet, welche der drei Finnen und Kielbomben wir bei welchem Wind gegen welchen Gegner einsetzen“, sagt Andy Claughton, Designchef beim Emirates Team New Zealand.

Wie bei den anderen Renn-Yachten wurde mit Tausenden von Sensoren an Bord während der Vorrennen gemessen, welche Lasten auf Wanten, Mast, Ruder und vieles andere wirken. Nach diesen Messungen wird entschieden, wo die Bootsstruktur mit Karbonfaserpflaster verstärkt werden muss und wo verschlankt werden kann. Denn als Faustregel gilt: Alles Gewicht, das im Boot gespart werden kann, geht in die Kielbombe. Je schwerer die ist, desto schneller kann das Boot segeln.

Viele Neuerungen an Bord der Hightech-Yachten wie die Elektronik für die verschlüsselte Kommunikation werden bereits erfolgreich am Markt in anderen Industrien eingesetzt, sind aber dennoch maßgeschneidert für die Teams. Andere Highlights wie die Keramiklager in den Winschen an Bord des US-Teams BMW-Oracle-Racing stammen aus dem Formel-1-Know-how von Sponsor BMW. Sie sind extrem reibungsarm und sollen zehnmal leichter als Stahllager laufen. Mit den Keramiklagern wird das Kurbeln für die Grinder, die Männer an den Winschen, die die Segel hochzuziehen, deutlich leichter und damit schneller.

Wer am Ende mit welchen Innovationen und seglerischem Können die Nase vorn hat, ist noch nicht abzusehen. Nur der Zeitplan steht fest. Am 1. Juni startet das Finale des Louis Vuitton Cups, dann treten die beiden Sieger der Halbfinalrennen gegeneinander an. Und am 23. Juni geht es dann um das Ganze: Der Gewinner des Louis Vuitton Cup trifft auf die Mannschaft der Schweizer Alinghi.

  • Nikola Wohllaib

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