Schiffbau 28.05.2004, 18:30 Uhr

„Die Deutschen müssen Serien bauen“

VDI nachrichten, Bremen, 28. 5. 04 -Chinas Wirtschaft boomt. Entsprechend groß ist deshalb die weltweite Nachfrage des Landes nach Schiffen und Tonnagen. Warum deutsche Werften trotzdem außen vor bleiben, erklärt im folgenden Gespräch der Verkehrswissen-schaftler Prof. Dr. Manfred Zachcial, der sich mit der Entwicklung der maritimen Wirtschaft befasst.

VDI nachrichten: Herr Prof. Zachcial, die Preise für Schiffsneubauten haben seit Mitte 2003 kräftig angezogen. Woran liegt das?
Zachcial: Das liegt am sehr starken Bedarf der Chinesen an Eisenerz und Stahlprodukten sowie an der guten Auslastung der Werften weltweit.
VDI nachrichten: Aber auch die Kapazitäten haben zugenommen, vor allem in China und Fernost. Trotzdem sind die Werften so gut ausgelastet?
Zachcial: Ja. Denn zum einen belebt sich das Tankergeschäft, weil die alten Einhüllentanker jetzt nach und nach durch Doppelhüllentanker ersetzt werden müssen. Insofern ist die Grundauslastung der Werften vor allem durch Tanker gesichert.
Zum anderen ist die Nachfrage nach Containerschiffen hoch. Derzeit stehen rund 120 Schiffe der größten Bauart mit je 8000 TEU, also mit einer Stellfläche für maximal 8000 Standardcontainer, in den Orderbüchern.
Auch der Markt für Bulker, mit denen Massengüter transportiert werden, hat angezogen. Daran zeigt sich, dass China in fast allen Marktsegmenten zurzeit die dominierende Rolle einnimmt.
VDI nachrichten: Doch nun will die chinesische Regierung die heiß laufende Konjunktur bremsen. Droht der Weltschifffahrt eine neue Talfahrt?
Zachcial: Käme es tatsächlich zu einem starken, jedoch nicht zu erwartenden Einbruch der chinesischen Konjunktur, dann würde dies negative Auswirkungen haben.
VDI nachrichten: Könnte so eine Krise durch andere aufstrebende Wirtschaftsregionen wie Indien ausgeglichen werden?
Zachcial: Von der Marktgröße her wären Länder wie Indien, Russland und Brasilien dazu in der Lage. Andererseits steckt zum Beispiel in Indien nicht die Power wie in dem zwischen Kapitalismus und Sozialismus stehenden China.
VDI nachrichten: Blenden wir das Szenario einer Chinakrise aus: Wie lange hält dann der Tonnagemangel noch weiter an?
Zachcial: Wir hatten in den vergangenen zehn Jahren ein durchschnittliches Nachfrage-Wachstum von 10 % pro Jahr im Containerbereich. Nach unseren Erhebungen gab es 2003 sogar ein Wachstum von 14 % beim weltweiten Containerumschlag.
Wenn man die bestehenden Aufträge in die Ablieferungen der kommenden 24 Monate umrechnet, liegen diese Bestellungen noch unter dem von uns erwarteten Mengenwachstum von 10 % jährlich während der nächsten drei, vier Jahre. Langfristig gehen wir relativ vorsichtig von 7 % Wachstum weltweit pro Jahr aus.
VDI nachrichten: Wie sieht die Entwicklung bei Tankern und Bulkern aus, die den größeren Anteil an der weltweit angebotenen Tonnage darstellen?
Zachcial: In vergangenen Jahren betrug die Ladungsmenge im Weltseehandel 6,2 Mrd. t. Davon entfielen rund 1 Mrd. t auf Containerladung. Auf Grund des starken Wachstums bestimmt der Containerverkehr die Dynamik der Weltschifffahrtsmärkte insgesamt.
Bei Tankern lag das jährliche Wachstum in den letzten Jahren bei unter 2 %. Im Bulkbereich war es lange unter 2 %, ist aber jetzt überraschend auf über 4 % angestiegen. Da greift der China-Effekt.
VDI nachrichten: Warum profitieren Deutschland und Europa nicht stärker vom Nachfrageboom?
Zachcial: Die deutschen Werften sind wegen der hohen Lohn- und Lohnnebenkosten sowie des Preisdumpings koreanischer Anbieter kaum noch wettbewerbsfähig. Bei uns wird sicherlich nie wieder ein Riesentanker oder Bulk-Carrier gebaut. In diesen Marktsegmenten werden hier allenfalls kleinere Hochtechnologieschiffe mit besonderen Anforderungen gebaut werden können. Die Haupt-Akteure sind heute Korea, Japan und China.
Was die Deutschen schaffen müssen: Sie müssen Serien bauen. Das ist das große Erfolgsrezept der Koreaner und früher der Japaner gewesen. Die haben nie ein einzelnes Schiff gebaut, sondern immer Serien. Nur so kann man Skaleneffekte ausnutzen.
VDI nachrichten: Im Marineschiffbau plant man eine Art maritimer EADS. Könnte solch ein europäischer Zusammenschluss ein Vorbild auch für den Handelsschiffbau sein?
Zachcial: Vielleicht könnte man mit den Finnen, Italienern, Spaniern und einigen EU-Beitrittsländern gemeinsame Projekte realisieren. Allerdings sind ja kaum noch leistungsfähige Schiffbauunternehmen in Europa übrig geblieben. Man hätte in der Welthandelsorganisation eigentlich viel härter gegen die Beihilfepolitik der Koreaner vorgehen müssen. Oder man hätte selbst die Beihilfequoten für eine Übergangszeit hochsetzen müssen. Aber das hat man eben nicht getan. Das gesamte Ausmaß der Subventionen des koreanischen Schiffbaus ist nicht vollständig bekannt. Es gibt Schätzungen in der Größenordnung von 10 % bis 15 % des Baupreises von Containerschiffen.
VDI nachrichten: Anfang 2005 soll die WTO ja über die Subventionspolitik der Koreaner entscheiden. Was erwarten Sie davon?
Zachcial: Nicht viel. Das Geschäft wird möglicherweise weiter nach China verlagert. Für uns kämen aus dem Produktprogramm der Koreaner ohnehin nur Containerschiffe und Kreuzfahrtschiffe in Betracht.
VDI nachrichten: Wie bewerten Sie die Bedeutung des Schiffbaus als Technologieträger für Europa?
Zachcial: Der Schiffbau ist es wert, auch weiter technologisch gefördert zu werden. Im Seeverkehr geht es ja nicht nur um den Transport irgendwelcher Massen. Da hängen ganze Logistikkonzepte dran. Dazu gehört auch die gesamte Zulieferindustrie – die übrigens auch in Binnenländern, wie Bayern und Baden-Württemberg, stark vertreten ist. Wir müssen – wie in allen Wirtschaftsbereichen – auf zu neuen Ufern. Wir müssen neue Dinge machen. Deshalb sollten allerdings speziell im Schiffbau mehr neue Technologie-Konzepte gefördert und weniger Erhaltungssubventionen gezahlt werden.mav

Von Martin Volmer

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