Schiffbau 21.01.2000, 17:24 Uhr

Der Kurs heißt Hoffnung

Jahrelang herrschte Flaute in den rund 2500 deutschen Wassersport-Unternehmen. Ob der erhoffte Rückenwind einsetzt, wird sich während der „boot 2000“ in Düsseldorf zeigen – dem Eldorado kauflustiger Segler, Motorbootfahrer, Taucher und Surfer.

Im Zweifelsfall ist die Politik schuld. Wie lange der bei den Messen in Friedrichshafen (interboot) und Hamburg (hanseboot) beobachtete Trend zu wachsenden Umsätzen anhält, sei auch eine Frage der politischen Rahmenbedingungen, meint Jürgen Tracht. Für den Sprecher des Bundesverbandes der deutschen Wassersportwirtschaft (BWVS) könnte das zarte Pflänzchen des Aufschwungs in seiner Branche schnell einer neuen Rentendiskussion zum Opfer fallen: „Die angekündigten Einschnitte in die Altersversorgung haben die Sparquote wieder ansteigen lassen“, meint Tracht. Und wer spart, kann keine Boote kaufen.
Doch nicht jedes Unternehmen mag im Vorfeld der weltgrößten Bootsmesse dem Kurs des Verbandssprechers folgen, im Gegenteil: 67 % der Firmen glauben laut einer BWVS-Umfrage an eine konjunkturelle Verbesserung in den kommenden zwei bis drei Jahren. Dabei hat die Branche in ihrer Gesamtheit ohnehin kaum Grund zur Klage: Mit einem Gesamtjahresumsatz von 3,13 Mrd. DM bewegt sie sich auf einem stabilen Niveau, wenn auch nennenswerte Zuwächse in den vergangenen Jahren ausgeblieben waren. Und die Zahl der potenziellen Kunden wächst langsam, aber stetig: Allein in der Bundesrepublik betreiben rund 5 Mio. Menschen regelmäßig Wassersport: 1,2 Mio. Motorbootfahrer, je 1 Mio. Segler, Surfer und Taucher sowie jeweils 300 000 Kanu- und Wasserski-Fahrer. Dass dagegen lediglich 300 000 größere Boote in Deutschland betrieben werden, verdeutlicht das Marktpotenzial.
Wie immer, wenn es um Glanzlichter geht, liegen Licht und Schatten dicht beieinander – so auch im Wassersport. „Wenn sich neue Boote gut verkaufen lassen, klagen die Zubehörlieferanten und -hersteller“, sagt Tracht. Und genau diese Situation scheint derzeit eingetreten zu sein. Egal, ob mit Motor oder unter Segeln: Größer, schneller und luxuriöser lautet die Devise. Schiffe mit einer Länge von mehr als zwölf Metern und Stückpreisen von teilweise deutlich über 400 000 DM verkaufen sich so gut wie schon lange nicht mehr. Was preislich darunter liegt, hat hand- und landfesten Wettbewerb bekommen: Immer häufiger entscheiden sich Deutsche nach Ansicht des BWVS anstelle des kleineren Bootskaufes für eine Immobilie im sonnigen Süden. Bei den teureren Schiffen scheint die Wahl allerdings eindeutig: Insbesondere Segelboote liegen voll im Trend, teilweise berichten Hersteller von Lieferzeiten bis weit ins Jahr 2000 hinein. Wer nicht schon in Hamburg oder Friedrichshafen bestellt hat, könnte Gefahr laufen, sein Boot erst in der nächsten Saison ins Wasser zu bekommen. Trotz dieser immensen Nachfrage zeigen die deutschen Unternehmen Zurückhaltung: Produktionskapazitäten würden nur vorsichtig erhöht, heißt es beim BWVS. Die gesamte Branche navigiert ohnehin sehr vorsichtig: Nur 22,6 % der Unternehmen planen Investitionen für die nahe Zukunft, lediglich 19,1 % wollen Personal aufstocken.
Während die deutschen Segelboot-Werften kräftig von den Schwächen des Euro profitieren und entsprechende Umsätze im Exportgeschäft melden, klagen die Motorboot-Importeure über die dunkle Seite der europäischen Einheitswährung. Schon lange ist das Geschäft mit Motoryachten vom Import geprägt – neun von zehn motorisierten Booten, die in Deutschland verkauft werden, stammen aus dem Ausland, davon wiederum die Hälfte aus den USA und Großbritannien. Insbesondere Importeure britischer Produkte bekamen das finanzielle Gewicht des Pfundes bereits zu spüren: Das Vereinigte Königreich stürzte in der Rangliste der Herkunftsländer von Rang zwei auf Platz neun. BWVS-Sprecher Tracht: „Das erhöhte Preisniveau kann auf dem deutschen Markt kaum durchgesetzt werden.“
Das Geschäft mit neuen Booten (Jahresumsatz 360 Mio. DM) macht allerdings nur knapp 12 % des gesamten deutschen Wassersportmarktes aus – der wachsende Handel mit Gebrauchtbooten (650 Mio. DM) hat da mit steigender Tendenz einen ganz anderen Stellenwert. Den Löwenanteil im Geschäft hält aber mit rund 1 Mrd. DM der Bereich Ausrüstung, Zubehör und Dienstleistungen – wobei das meiste die Ölkonzerne abschöpfen: Rund 450 Mio. DM geben die deutschen Wassersportler allein für Treib- und Schmierstoffe aus. Dass sie dennoch rund 300 Mio. DM fürs Zubehör abzweigen, empfindet die Wassersportwirtschaft nur bedingt als Segen. Dabei sind es nicht einmal stagnierende Umsätze, die den Unternehmen Sorgen bereiten: Vielmehr haben sich offenbar die Gewinnaussichten deutlich verschlechtert. Hintergrund ist nicht nur der heftige Konkurrenzkampf beispielsweise beim elektronischen Zubehör. Den traditionellen Yachtausrüstern am Wasser erwächst immer mehr Wettbewerb auf der grünen Wiese: Selbst in Baumärkten ist inzwischen Schiffszubehör zu bekommen. Und immer häufiger können Wassersportler auf Schnäppchenjagd erfolgreich durchs Internet surfen.
Im Motorenhandel macht sich dazu Politik tatsächlich bemerkbar: Angesichts der Ökosteuer steigen immer mehr Bootsbesitzer von den spritfressenden Benzinmotoren auf die wesentlich sparsameren Dieselmotoren um, deren Leistungsniveau inzwischen längst das der Otto-Brüder angenommen hat. WOLFGANG HEUMER
Leinen los: Mit der Düsseldorfer Messe boot 2000 hofft die Wassersportbranche, wieder in ruhige Fahrwasser zu gelangen.

Von Wolfgang Heumer

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