Segeln ohne Besatzung 17.08.2015, 15:01 Uhr

Autonomes Segelschiff Mayflower soll den Atlantik überqueren

Die Universität Plymouth will ein Segelschiff bauen, das ohne Besatzung den Atlantik überquert. Mit GPS, faltbaren Segeln und Solarenergie soll der Trimaran 2020 in See stechen – auf den Spuren des legendären Pilgerschiffs Mayflower, das vor 400 Jahren von England nach Amerika aufbrach.

An einem Trimaran – ein Boot mit drei parallel angeordneten, schmalen Rümpfen –, das autonom segeln kann, arbeiten Wissenschaftler der Universität Plymouth und die Yacht-Design-Firma Shuttleworth. Das spacige Aussehen entspricht dem Projektnamen Mars, kurz für „Mayflower Autonomous Research Ship“.

An einem Trimaran – ein Boot mit drei parallel angeordneten, schmalen Rümpfen –, das autonom segeln kann, arbeiten Wissenschaftler der Universität Plymouth und die Yacht-Design-Firma Shuttleworth. Das spacige Aussehen entspricht dem Projektnamen Mars, kurz für „Mayflower Autonomous Research Ship“.

Foto: Shuttleworth

Ein Schiff, das weder Crew noch Kapitän an Bord hat, selbstständig den Atlantik von England nach Amerika überquert und dabei noch Forschungsaufgaben erfüllt – die Wissenschaftler der Universität Plymouth haben eine ehrgeiziges Ziel. Ihr autonomes Segelschiff soll 2020 von der Südwestküste Englands ablegen und sich wie die legendäre Mayflower 400 Jahre zuvor auf den Weg nach Amerika machen. 1620 brachen 102 Passagiere und 31 Mann Besatzung zu der abenteuerlichen Reise auf – 2020 wird niemand an Bord sein.

Dreiteiliger Rumpf bietet wenig Wind- und Wellenwiderstand

Für ihr Projekt „Mayflower Autonomous Research Ship“, abgekürzt Mars, haben sich die Wissenschaftler der Universität Plymouth mit der Yacht-Design-Firma Shuttleworth zusammengetan. Gemeinsam wollen sie einen Trimaran entwickeln, der völlig autonom unterwegs ist und seine Energieversorgung selbst übernimmt. Auch rein äußerlich hat die moderne Mayflower nichts mit ihrem historischen Vorbild zu tun. Mars ist 32,5 m lang und nicht für den Transport von Passagieren konstruiert, sondern auf Effektivität und stabile Wasserlage ausgelegt.

Die Konstruktion besteht aus drei Rumpfteilen, die wenig Wind- und Wellenwiderstand bieten. Hinzu kommen ein flacher Aufbau und zwei Segel. Mit einer speziellen Faltmechanik können die Segel schnell eingeholt und platzsparend verstaut werden. Mit vollen Segeln könnte das Schiff Spitzengeschwindigkeiten von 20 Knoten, etwa 32 km/h, erreichen.

2020 soll Mars in See stechen – von England nach Amerika. Ohne Besatzung und mit eigener Energieversorgung. 

2020 soll Mars in See stechen – von England nach Amerika. Ohne Besatzung und mit eigener Energieversorgung. 

Foto: Shuttleworth

Falls das Segeln nicht möglich ist, springt der Elektromotor an Bord ein. Er bezieht seine Energie aus Solarzellen, die zum Teil auf ausfahrbaren Faltflügeln untergebracht sind, wodurch die Fläche um 40 % vergrößert werden kann. Hinzu kommt die Strömung, aus der ebenfalls Energie bezogen wird. Alles in allem, so ist es geplant, kann sich Mars theoretisch unendlich lange mit Energie versorgen und auf See unterwegs sein. Für die Orientierung soll Mars GPS nutzen, aber auch neue Navigationssoftware testen.

Moderne Mayflower soll auch Forschungsplattform sein

Die futuristisch anmutende Mayflower wird aber nicht nur zum Selbstzweck über den Atlantik segeln, sondern auch als Forschungsplattform dienen. Sie könnte auf ihrer Reise Wasserproben entnehmen und testen, sowie kleine Bojen und Drohnen aussetzen, die dann weitere Daten sammeln. „Wenn wir es schaffen, auf dem Mars einen Rover auszusetzen, der dort autonom forscht, dann können wir auch ein unbemanntes Schiff über den Atlantik und später vielleicht um die ganze Welt schicken“, sagt Professor Kevin Jones, der die ingenieurwissenschaftliche Fakultät der Universität Plymouth leitet.

Mit einer speziellen Faltmechanik können die Segel des autonomen Forschungsschiffes Mayflower schnell eingeholt und platzsparend verstaut werden. Mit vollen Segeln könnte es Spitzengeschwindigkeiten von 20 Knoten, etwa 32 km/h, erreichen. 

Mit einer speziellen Faltmechanik können die Segel des autonomen Forschungsschiffes Mayflower schnell eingeholt und platzsparend verstaut werden. Mit vollen Segeln könnte es Spitzengeschwindigkeiten von 20 Knoten, etwa 32 km/h, erreichen. 

Foto: Shuttleworth

Für das Projekt sind aber nicht nur wissenschaftliche Hürden zu meistern. Um die Entwicklungskosten in Millionenhöhe aufzutreiben, hat die Universität eine große Fundraising-Kampagne gestartet. Außerdem finden derzeit Gespräche mit Institutionen wie dem DNV GL statt, die als Klassifikations- und Beratungsgesellschaft für die maritime Industrie tätig ist. „Mit diesem Projekt werden die gegenwärtig geltenden Regulierungen bezüglich autonomer Schiffe  in Frage gestellt“, sagt Brett Phaneuf, der als Direktor des Unternehmens MSubs aus Plymouth ebenfalls am Projekt beteiligt ist. MSubs ist für den Bau von Mars verantwortlich.

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