Kraftstoff 11.08.2006, 19:23 Uhr

„Wir wollen Verbio als Marke etablieren“  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 11. 8. 06, ps – Ein deutscher Biokraftstoffhersteller will auch in Europa in der ersten Liga mitspielen. Unter dem Dach der im Frühjahr 2006 gegründeten Verbio AG (Vereinigte BioEnergie) wurden fünf Einzelgesellschaften zusammengeführt, die Biodiesel und Bioethanol produzieren. Wie wird sich der Markt für Biokraftstoffe entwickeln? Fragen an Verbio-Gründer Claus Sauter.

Sauter: Die neue Konzernstruktur soll uns vor allem weiteres Wachstum ermöglichen. Wir wollen neue Produktionsanlagen bauen und unsere Technologien weiterentwickeln, zum Beispiel für Biokraftstoffe der zweiten Generation.

VDI nachrichten: Hoffen Sie auf Synergieeffekte?

Sauter: Ja, bisher hatten wir fünf parallel laufende Einheiten. Das ist aber ein Nebeneffekt. Vor allem wollen wir uns neu aufstellen, um weitere Marktanteile zu gewinnen.

VDI nachrichten: Ist die AG als reine Holding ausgelegt oder kommen ihr auch operative Aufgaben zu?

Sauter: Im Moment ist sie die Konzernmutter. In Zukunft wird sie aber auch übergeordnete Aufgaben übernehmen. Dazu gehören zum Beispiel das Controlling, die strategische Neuausrichtungen und die Finanzierung.

VDI nachrichten: Einige Ihrer Mitbewerber, wie EOP Biodiesel und Biopetrol Industries sind börsennotiert. Kommt ein Börsengang auch für Ihr Unternehmen in Frage?

Sauter: Wir gehören zu den wenigen rein mittelständisch geprägten Unternehmen in unserer Branche. Es gibt verschiedene, börsennotierte große Konzerne wie ADM oder Cargill, die Biokraftstoffe produzieren. Gegen die müssen wir antreten. Der Börsengang ist für uns eine Option, mit der neuen Konzernstruktur bieten sich aber verschiedene Finanzierungswege an. Man kann beispielsweise auch über eine Anleihe nachdenken.

VDI nachrichten: Sie wollen mit Verbio expandieren. Wo sehen Sie die attraktivsten Märkte?

Sauter: In den nächsten Jahren wollen wir unsere Kapazitäten verdoppeln. Unser erster Schritt gilt den bestehenden Anlagen, die wollen wir optimal auslasten. Dann planen wir Projekte im europäischen Ausland. Konkrete Vorhaben gibt es noch nicht, aber wir sehen in Ost- und Südosteuropa große Getreideüberschüsse. Die könnte man sehr gut zu Ethanol verarbeiten. In Südeuropa gibt es gute Chancen für Produktionskapazitäten im Bereich Biodiesel. Im Moment ist es aber noch zu früh für genauere Festlegungen.

Die EU hat per Richtlinie ein Marktanteilsziel von 5,75 % für die Biokraftstoffe festgeschrieben. Das ist für ganz Europa verbindlich. In den einzelnen Mitgliedstaaten sieht das sehr unterschiedlich aus. In einigen Ländern wurden noch gar nicht die Voraussetzungen dafür geschaffen, Biokraftstoff gegenüber mineralischem Kraftstoff rentabel zu machen.

VDI nachrichten: Haben deutsche Unternehmen bei Biokraftstoffen eine Vorreiterposition ähnlich wie in der Wind- und Solarbranche?

Sauter: Nein, das sehe ich nicht so. In Deutschland gab es zwar eine Mineralölsteuerbefreiung für Biokraftstoffe. Davon haben aber nicht nur deutsche Unternehmen profitiert. Auch Franzosen und Italiener haben beispielsweise geliefert. Frankreich und Italien sind aber „closed shops“. Dort werden Quoten vergeben und die sind zu 95 % in der Hand von einheimischen Unternehmen. Als deutscher Hersteller kann ich nicht nach Frankreich exportieren, andersherum geht es. Das ist in meinen Augen eine Riesensauerei!

Wir hatten in Deutschland eine sehr gute Ausgangsposition. Wir sind technologisch sehr weit und gut auf weiteres Wachstum vorbereitet. Nun brauchen wir gesetzliche Regelungen in den Mitgliedstaaten, damit wir loslegen können.

VDI nachrichten: Gibt es im europäischen Ausland Förderungen für die Biokraftstoffe wie in Deutschland?

Sauter: Das ist unterschiedlich: Spanien hat eine Mineralölsteuerbefreiung, in Großbritannien sind es nur 20 Pence, in Dänemark, Polen und Tschechien gibt es überhaupt keine Regelung. In Ungarn plant man derzeit die Steuerbefreiung für Ethanol und Biodiesel. Wir befinden uns jetzt am Anfang der Entwicklung, das Wachstumspotenzial ist riesig.

VDI nachrichten: Wollen Sie Verbio zu einer Biokraftstoffmarke ausbauen, nach dem Vorbild von Aral oder Shell im konventionellen Bereich?

Sauter: Das wäre natürlich schön. Im Vergleich zu den „Big Oils“ dieser Welt sind wir aber kleine Würstchen. Verbio als Marke zu etablieren, ist für uns ein Langfristziel. Wir wissen, dass das sehr viel Geld kostet.

VDI nachrichten: Wo erwarten Sie für die nächsten Jahre das größte Geschäft für Ihr Unternehmen: in der Beimischung von Biokraftstoffen oder beim Betrieb von Fahrzeugen mit Biosprit?

Sauter: Da kommen wir in den Bereich der Kaffeesatzleserei. Im Moment spielt die Beimischung eine große Rolle. Vor allem beim Ethanol machen wir den überwiegenden Umsatz mit der Mineralölwirtschaft. Auch der größte Teil des Biodiesels geht dorthin.

VDI nachrichten: Nach einer aktuellen Studie der Schweizer Bank Sarasin zur Nachhaltigkeit von Biokraftstoffen sind Biodiesel und Bioethanol nicht immer ökologisch und sozial verträglich. Kritisiert werden vor allem Rohstoffimporte aus Entwicklungs- und Schwellenländern. Lassen sich die Produktionsbedingungen dort kontrollieren?

Sauter: Bei Ethanol decken wir 100 % unseres Rohstoffbedarfs aus Europa, davon allein 90 % aus den neuen Bundesländern aus einem Umkreis von 100 km bis 150 km um unsere Anlagen. Biodiesel wird in Europa derzeit zu 90 % aus Rapsöl gewonnen. Dauerhaft wird das allerdings nicht möglich sein, denn die europäischen Anbauflächen für Raps sind beschränkt.

VDI nachrichten: Das heißt, man wird um Importe nicht herum kommen?

Sauter: Ja, aber ich finde es unfair, diese Diskussion auf Biokraftstoffe zu beschränken. Wir haben einen globalen Handel, der umfasst alle Getreidesorten, auch Hirse und Soja. Es gelangen zum Beispiel Unmengen von Sojaschrot als Viehfutter nach Europa. Es gibt auch schon Richtlinien für den Anbau dieser Produkte in Südamerika oder Südostasien.

VDI nachrichten: Für Sie ist das eine grundsätzliche Frage des Welthandels?

Sauter: Genau, die muss in einem globalen Konsens beantwortet werden, unabhängig davon, ob ein Nahrungsmittel als Tierfutter oder als Biokraftstoff Verwendung findet. Meiner Meinung nach ist es eher eine Katastrophe, dass die Nordamerikaner und die Europäer mit ihren heruntersubventionierten Agrarrohstoffen die Weltmärkte verunreinigen. Egal welcher Preis geboten wird, sie unterbieten ihn. Das ist kein Wettbewerb, das ist unfair.

Wenn es uns aber gelingt, mit Hilfe der Biokraftstoffe in Europa und Nordamerika unsere Agrarüberschüsse zu nutzen, dann wird es wieder eine faire Preisfindung an den Weltagrarmärkten geben. Daran werden vor allen Dingen die Entwicklungsländer partizipieren. Biokraftstoff ist nicht nur Energie-, sondern auch Entwicklungspolitik.

Biokraftstoffe sind die Lösung für ein Problem, an dem man in Europa seit 20 Jahren herumdoktert. Mit Stilllegungsflächen, mit Quoten- und Garantiepreissystemen. Das ist alles ein Riesenschmarrn. Ich prophezeie Ihnen: In fünf Jahren redet niemand mehr von Agrarsubventionen in Nordamerika und Europa.

VDI nachrichten: Biokraftstoffe wie Cellulose-Ethanol oder Biogas seien aus nachhaltiger Sicht allgemein besser, argumentiert die Bank Sarasin. Die Ausbeute pro Hektar sei größer und eine Vielzahl von Pflanzen könnten zur Produktion verwendet werden. Stimmen Sie dem zu?

Sauter: Da möchte ich widersprechen. Vor allem beim Ethanol haben wir heute hocheffiziente Anlagen. Wir sind inzwischen in der Lage, die so genannte Schlempe, die bei der alkoholischen Gärung entsteht, in einer Biogasanlage zu vergasen. Es entsteht Methan, das wird verstromt. Selbst die Abwärme der Blockheizkraftwerke in denen das geschieht, nutzen wir in unseren Prozessen. Damit erreichen wir insgesamt einen Wirkungsgrad von 85 % bis 95 %. Unsere Ethanolanlagen produzieren Biokraftstoffe der zweiten Generation. Wir nutzen 70 % der Energie des Getreides, das wir verarbeiten.

VDI nachrichten: Sie legen also Wert auf ökoeffiziente Abläufe in Ihrer Produktion?

Sauter: Ja, es kann ja nicht sein, dass wir mehr Primärenergie einsetzen, als später als Bioenergie wieder herauskommt. Da würde sich früher oder später doch jeder an den Kopf fassen! Es muss sich eine Eigengeneration aus dem Biokraftstoff ergeben.

VDI nachrichten: Halten die Bauern, mit denen Sie zusammen arbeiten, eine Fruchtfolge ein?

Sauter: Das geht gar nicht anders. Raps können Sie maximal in einer fünfjährigen Fruchtfolge anbauen, sonst gehen die Erträge so in die Knie, dass es keinen Spaß mehr macht. Ein vernünftiger Bauer wird sich daran halten. Beim Getreide, also auf der Ethanolseite, haben wir in unseren Anlagen eine große Rohstoffvariabilität. In unserer Region ist Roggen eine wichtige Getreidesorte. Neben Roggen verarbeiten wir aber auch Triticale und Weizen. Bis Mitte 2007 sind wir wahrscheinlich auch soweit, dass wir Mais verarbeiten können. C. LÜTZENKIRCHEN

Stellenangebote im Bereich Kunststofftechnik

FRAUNHOFER-INSTITUT FÜR ANGEWANDTE OPTIK UND FEINMECHANIK IOF-Firmenlogo
FRAUNHOFER-INSTITUT FÜR ANGEWANDTE OPTIK UND FEINMECHANIK IOF Wissenschaftliche Mitarbeiterin / Wissenschaftlicher Mitarbeiter Löttechnologien Jena
Völkl Sports GmbH-Firmenlogo
Völkl Sports GmbH Entwicklungsingenieur Ski (m/w/d) Straubing
RICHARD WOLF GmbH-Firmenlogo
RICHARD WOLF GmbH Systemingenieur (m/w/d) Produktion – Schwerpunkt Klebetechnik Knittlingen
Xenios AG-Firmenlogo
Xenios AG Projektleiter (m/w/d) in der Medizintechnik Heilbronn
Xenios AG-Firmenlogo
Xenios AG Systemingenieur (m/w/d) im Bereich Medizintechnik Heilbronn
PASS GmbH & Co. KG-Firmenlogo
PASS GmbH & Co. KG Qualitätsingenieur für die Qualitätsvorausplanung (m/w/d) Schwelm
ALBIS PLASTIC GmbH-Firmenlogo
ALBIS PLASTIC GmbH Business Development Manager (m/w/d) Technical Polymers Hamburg
Sanner GmbH-Firmenlogo
Sanner GmbH Entwicklungs-/Konstruktionsingenieur (m/w/d) Bensheim bei Darmstadt
Helmholtz-Institut Erlangen-Nürnberg für Erneuerbare Energien (HI ERN)-Firmenlogo
Helmholtz-Institut Erlangen-Nürnberg für Erneuerbare Energien (HI ERN) PhD Position – Investigation of Catalyst Layers Degradation in PEM Water Electrolysis (f/m/d) Erlangen
Helmholtz-Institute Erlangen-Nürnberg for Renewable Energies (HI ERN)-Firmenlogo
Helmholtz-Institute Erlangen-Nürnberg for Renewable Energies (HI ERN) PhD Position (f/m/d) High-Throughput (Photo)-Electrochemical Water Splitting Erlangen

Alle Kunststofftechnik Jobs

Top 5 Rohstoffe

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.