Rohstoffe 11.03.2005, 18:37 Uhr

„Wir brauchen eine strategische Rohstoffpolitik“  

Grund für den Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), auf einem Kongress diese Herausforderung und Gegenstrategien zu diskutieren. Bundeskanzler Schröder ermunterte die Firmen, sich stärker mit Projekten der Rohstoffversorgung im Ausland zu engagieren. Der Staat will dies mit Bürgschaften unterstützen.

Bundeskanzler Schröder hat zu enger Abstimmung mit der Politik aufgerufen, um eine verlässliche und bezahlbare Rohstoffversorgung zu erreichen. „Wir haben versäumt, früh genug darüber zu reden, aber ich denke, es ist noch nicht zu spät“, sagte er zum Auftakt des BDI-Kongresses „Rohstoffsicherheit – Herausforderung für die Industrie“ am 8. März in Berlin.

Die Problemlage ist komplex; es geht nicht nur um China. Das aufstrebende Schwellenland saugt die Rohstoffmärkte leer, ist zweitgrößter Ölimporteur der Welt, produziert und importiert mehr Stahl als jedes andere Land der Welt und investiert viele Mrd. $ in Minen und Ölquellen rund um den Globus. Außerdem: Der Eisenerzhandel liege in den Händen von nur drei Gesellschaften, beschreibt BDI-Chef Jürgen R. Thumann eine Situation in der „jüngst gegenüber Japan 71 % Preiserhöhung durchgesetzt wurden.“ Gegen solchen Missbrauch von Marktmacht sei man machtlos. Doch wer trägt die Mehrkosten? Und wie lange?

Schröder möchte den langen Hebel ansetzen. Für eine verlässliche und bezahlbare Versorgung brauche es sichere, politisch stabile Lieferanten. „Eines unserer wichtigsten Ziele muss es deshalb sein, die Lage im Nahen Osten zu stabilisieren“, so der Kanzler. Es gelte auch die Reformbemühungen afrikanischer Staaten zu unterstützen. Zudem möchte er die deutsch-russische Energiepartnerschaft ausbauen und auf seiner Reise durch die arabischen Staaten habe er für faire Ölpreise geworben. Schröder scheint sich der Grenzen seines Handlungsspielraums bewusst. Versprechen konnte und wollte er in Berlin nichts.

Und so müssen es die Unternehmen untereinander ausfechten, wer welchen Anteil der Mehrbelastung trägt. Das führt zu Spannungen, die auf dem Berliner Kongress teils deutlich zu Tage traten. Thumann appellierte zwar, gemeinsame Wegen zu suchen, weil die Rohstoffversorgung in erster Linie eine Aufgabe der Industrie bleibe. Doch die Interessenlage innerhalb der Branchen ist heterogen.

Beispiel Autoindustrie: VDA-Präsident Bernd Gottschalk erinnerte an die letztjährige „Kaskade von Kostensteigerung von der ersten bis zur letzten Stufe der Wertschöpfungskette.“ Die unerwartete Entwicklung habe die Branche in einer angespannten Marktsituation kalt erwischt. Noch immer drohe die Gefahr von Produktionsausfällen, die man bisher, anders als in Japan, verhindern konnte.

„Dass die Lieferantenkette bisher gehalten hat, liegt auch an der Art des Umgangs miteinander“, so Gottschalk, der den Begriff „Partnerschaft“ für angebracht hält, um das Verhältnis von Zulieferern und Autokonzernen zu beschreiben. Derzeit komme es auf „pain-sharing“ an, auf eine gerechte Verteilung der Lasten.

Friedhelm Loh, Chef der Firmengruppe mit Ursprungssitz in Haiger im Dillkreis, sieht sich eher „im Schraubstock“ als in einer Partnerschaft. Von einer Seite drückten die hohen Preise der Stahllieferanten, von der anderen die Preisvorstellungen der Autohersteller.

Wie Loh warnten andere Mittelständler vor ernsten Schäden am Standort Deutschland. Viele kleine und mittlere Unternehmen seien mit den Preissteigerungen beim Materialeinkauf heillos überfordert und könnten sie kaum an ihre Kunden weiterleiten.

Laut Friedhelm Sträter, Geschäftsführer der Sträter Stanzerei GmbH, Solingen, verdoppelten sich die Stahlpreise für sein Unternehmen binnen zwei Jahren. Material mache etwa die Hälfte der Kosten aus. „Da drohen schnell Verluste, was wieder auf die Beurteilung der Banken durchschlägt, mit den bekannten Folgen für die Kredite“, so Sträler. Zugleich müssten die Unternehmen den Stahl vorfinanzieren. „Doch unsere Kunden gestehen uns, wenn überhaupt, nur Teile der nötigen Preiserhöhung zu.“

Sträter forderte die Autohersteller auf, die Mehrkosten an ihre Kunden weiterzuleiten. Schließlich würden auch die Spritpreise bei jeder Kleinkrise innerhalb von 24 h erhöht.

Auch Arndt G. Kirchhoff, Chef von Kirchhoff Automotive, Iserlohn, appellierte an Auto- und Stahlindustrie, dem Mittelstand eine Überlebenschance zu lassen. Sonst weite sich die Rohstofffrage zur Überlebensfrage für den Standort aus. Doch weder Jost A. Massenberg aus dem Vorstand des Vormateriallieferanten ThyssenKrupp Stahl, noch Harald Bölstler, Chefeinkäufer der Pkw-Sparte beim Endanwender Mercedes-Benz, mochten den Mittelständlern größere Zugeständnisse in Aussicht stellen.

Massenberg verwies darauf, dass man selbst ja höhere Rohstoffpreise zahle. Die werde man weiterhin weiterreichen. Und Bölstler stellte die Klagen der Zulieferer in Frage. Man habe letztes Jahr durchaus höhere Preise zugestanden, wenn Lieferanten gestiegene Materialkosten nachweisen konnten. Doch einige „Cleverle“ hätten versucht, aus der Situation Kapital zu schlagen. Teils hätten sie sogar mit Lieferstopp gedroht, um Preiserhöhungen durchzusetzen.

Trotz aller Differenzen, eines war in Berlin allen Beteiligten klar: Nach einer langen Ruhephase, in der sich die Rohstofffrage kaum stellte, tut nun „offensive strategische Rohstoffpolitik“ Not, wie sie Hans-Georg Hoffmann von der Norddeutschen Affinerie forderte.

Mit China und weiteren neuen Großverbrauchern verändert sich das Weltgefüge. Die Zeiten, in denen 20 % der Weltbevölkerung 80 % der Ressourcen verbrauchen, gehen laut Rudolf Adam, dem Leiter der Bundesakademie für Sicherheitspolitik, zu Ende. „Das wird zu Friktionen zwischen den Nachfragenden führen“, ist er sicher.

Wie geht es nun weiter an der Preisfront? Klaus Matthies, Rohstoffexperte des Wirtschaftsforschungsinstituts HWWA, Hamburg, weiß aus langjähriger Erfahrung: „Diese Rohstoffe sind generell nicht knapp, es dauert nur einige Zeit, ehe zusätzliche Kapazitäten zur Produktionsreife gelangen. Eine Umkehr der Preisbewegung sei daher kurzfristig nicht zu erwarten. Mittelfristig, mit Fertigstellung der in Angriff genommenen Erweiterungsprojekte wird sich laut HWWA die Lage an den Rohstoffmärkten entspannen, und die Preise können wieder sinken. „Ob sie schließlich auf das alte niedrige Niveau zurückfallen, scheint jedoch auch für Klaus Matthies ungewiss. „Bei Rohöl etwa streben die Förderländer der Opec inzwischen deutlich höhere Preise an als bisher, und wegen der anhaltend stark steigenden Nachfrage werden sie das vermutlich auch durchsetzen können.“ PETER TRECHOW/KÄM

Von Peter Trechow/Käm

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