Öl 10.02.2006, 18:42 Uhr

„Wir geben das Solargeschäft nicht auf“  

VDI nachrichten, Hamburg, 10. 2. 06, ps – Der Streit um steigende Preise für Mineralöl, Erdgas und Strom sowie um die Zukunft regenerativer Energien hält die Öffentlichkeit in Atem. Die großen Mineralölunternehmen werden scharf kritisiert – zugleich erhofft man sich von ihnen Lösungen für eine sichere und nachhaltige Energieversorgung. Welchen Beitrag kann Shell dazu leisten? Fragen an Josef Waltl, Vorsitzender der Geschäftsführung Shell Deutschland Oil und Chef des europäischen Tankstellengeschäfts.

Waltl: Definitiv nicht. Wir haben bereits über 1 Mrd. € in den gesamten Komplex regenerative Energie investiert. Er umfasst bei uns neben dem Solargeschäft auch die Bereiche Biokraftstoffe, Wasserstoff und Windkraft. Bei Biokraftstoffen sind wir weltweit Spitze, sowohl was Absatz als auch Forschung und Entwicklung anbelangt.

VDI nachrichten: Wie ist denn dann der Verkauf zu verstehen?

Waltl: Wir werden uns nun fokussiert den Solar-Technologien der nächsten Generation zuwenden, da sie wahrscheinlich schneller im Strommarkt wettbewerbsfähig sein werden. Das ist in erster Linie die Dünnschicht-Technologie, die wir bereits seit vielen Jahren erforschen und mit der wir auch schon im Rahmen einer kleineren Produktionsanlage praktische Erfahrungen gesammelt haben. Für unsere neue Ausrichtung haben wir die renommierte Firma Saint Gobain als Partner gewonnen.

Wir geben das Solargeschäft also nicht auf. Wir haben lediglich die Produktion und den Vertrieb konventioneller Solarzellen und Solarmodule auf Siliziumbasis veräußert.

VDI nachrichten: Bei Biokraftstoffen ist Shell bereits Marktführer. Was ist hier für die Zukunft geplant?

Waltl: Bei der Entwicklung zukunftsfähiger Biokraftstoffe und der dafür notwendigen Produktionsverfahren beweisen wir in der Tat großen Pioniergeist. Shell ist an dem kanadischen Unternehmen Iogen Corporation beteiligt, das Zellulose-Ethanol aus landwirtschaftlichen Abfallprodukten herstellt. Mit Iogen und Volkswagen als drittem Partner führt Shell übrigens auch eine Machbarkeitsstudie für die Herstellung von Zellulose-Ethanol in Deutschland durch. Und synthetischen Biodiesel werden wir ab nächstem Jahr mit Choren Industries aus Freiberg in Sachsen herstellen.

VDI nachrichten: Was versprechen Sie sich davon?

Waltl: Wir denken langfristig. Deshalb verbessern wir fortlaufend unsere konventionellen Produkte und entwickeln neue Kraftstoffe. Das ist ein wichtiger Beitrag zur nachhaltigen Mobilität. Wir arbeiten dabei eng mit den großen Automobilfirmen zusammen. Shell ist ein gefragter Partner, da wir über spezielles Know-how verfügen. Unsere Gas-To-Liquids-Technologie, mit der wir bereits industriell synthetischen Diesel aus Erdgas herstellen, hat beispielsweise zu einer engen Kooperation mit Volkswagen und DaimlerChrysler geführt. Sie wurde dann auf synthetischen Biodiesel ausgedehnt.

VW und Shell sind im letzten Jahr mit dem sehr renommierten Porsche-Preis für die Arbeiten auf dem Gebiet synthetischer Kraftstoffe ausgezeichnet worden. Mit Volkswagen gehen wir nun auch noch das Thema Zellulose-Ethanol an. Was mich besonders bei den Aktivitäten überzeugt, ist, dass unsere Verfahren pflanzliche Abfälle verwenden und nicht die Pflanzenfrüchte. So gibt es keine Konkurrenz zur Lebensmittelwirtschaft.

VDI nachrichten: Das klingt nach vielen Hochzeiten zugleich.

Waltl: Shell hat das wohl breiteste Portfolio aller Mineralölunternehmen. Es ist in unserem ureigensten Interesse, in die Zukunft zu schauen und bereits heute die Weichen für übermorgen zu stellen. Ich könnte Ihnen auch noch zig weitere Projekte benennen, etwa unseren zügigen Ausbau der Windenergie oder das Engagement bei Wasserstoff. Aber wir kümmern uns auch darum, die fossilen Energien sauberer zu machen. Nur so können wir dazu beitragen, den weltweiten Energiebedarf auf verantwortliche Weise zu decken

VDI nachrichten: Damit sind wir beim leidigen Thema der steigenden Ölpreise. Wie macht sich der hohe Ölpreis bei Ihnen bemerkbar?

Waltl: Die Energiepreise, aber auch die Preise für viele andere Rohstoffe sind weltweit gestiegen. Im deutschen Mineralölmarkt beobachten wir einen Nachfragerückgang, der sicherlich zu einem guten Teil preisbedingt ist. Beispiel Benzin: Da ist der Markt im letzten Jahr um über 6 % geschrumpft. Der Konsumrückgang kann jedoch nicht mit Einsparung gleichgesetzt werden. Viele Autofahrer tanken wegen der hohen Mineralölsteuern nämlich im Ausland.

VDI nachrichten: Was bleibt bei Shell dann am Ende des Tages tatsächlich hängen? Schließlich sorgten die hohen Preise bei der Konkurrenz auch für Rekord-Gewinne.

Waltl: Unsere Muttergesellschaft, Royal Dutch Shell, hat in der Tat einen sehr hohen Gewinn erwirtschaftet. Er stammt aus vielen Aktivitäten in über 140 Ländern. Die Summe spiegelt zum einen das große Volumen an Kohlenwasserstoffen wider, das wir produzieren und verkaufen, und zum anderen die gestiegenen Energiepreise. Hier in Deutschland hat uns besonders das Raffineriegeschäft Freude bereitet. Mit unseren Tankstellen haben wir auch verdient. Dort bleiben bei uns nach Steuern rund 1 Cent je Liter hängen. Das ist nicht viel, wenn man den Aufwand berücksichtigt, den wir betreiben.

VDI nachrichten: Das bedeutet, dass Ihr Spielraum für die Preisgestaltung sehr eng ist?

Waltl: So ist es. Unsere Stellschrauben für den Preis haben wenig Spielraum. Der Markt in Deutschland ist sehr wettbewerbsintensiv. Daher sind die Nettopreise im europäischen Vergleich am unteren Ende. Für viele der deutschen Tankstellenbetreiber wird die Luft immer dünner. Es würde mich nicht wundern, wenn bald eine Reihe von denen aufhören muss.

VDI nachrichten: Trotz allem scheinen Sie doch sehr gut am Markt zu fahren?

Waltl: Wir sind gut aufgestellt und haben unsere Hausaufgaben zu einem großen Teil erledigt. Wir sind die Nummer Zwei im Tankstellenmarkt mit 2243 Stationen und gewinnen Marktanteile.

VDI nachrichten: Was macht sie so sicher, dass die Kunden Ihnen treu bleiben?

Waltl: Das hängt mit unserem guten Riecher zusammen. Als erstes Mineralölunternehmen haben wir Premium-Kraftstoffe auf den Markt gebracht – etwa Shell V-Power Diesel, der die erwähnte synthetische Komponente enthält, die wir aus Erdgas gewinnen. Sie haben sich innerhalb kürzester Zeit am Markt durchgesetzt und sind eine feste Größe in unserem Geschäft.

Auch beim Thema Service haben wir die Nase vorn: Erst kürzlich haben wir an ausgewählten Tankstellen den Tankwart eingeführt. Die Kunden sind begeistert. Insbesondere Frauen schätzen, dass ihr Wagen betankt wird, die Scheiben gesäubert oder der Luftdruck überprüft wird.

VDI nachrichten: Bei Shell entstehen in nächster Zeit also reichlich neue Arbeitsplätze?

Waltl: Ja, im Tankstellenservice. Aber wir sind auch beständig auf der Suche nach qualifiziertem Nachwuchs mit technisch-naturwissenschaftlicher sowie wirtschaftswissenschaftlicher Ausbildung. Für diese Zielgruppe haben wir spezielle Recruiting-Aktivitäten.

JÜRGEN HOFFMANN

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