Kohle 10.08.2007, 19:29 Uhr

Wie Donnerhall im Eichenwald  

Bauernhöfe, Pferde, Wasserschlösser. Die Idylle trügt. Die Vorbereitungen für die Umweltverträglichkeitsprüfung des Abbaugebiets mit dem Namen „Donar“ versetzte die Menschen hier in hellen Aufruhr.

Pferde suchen Schutz unter alten Obstbäumen, es riecht nach Holz und Sommer, die Sonne brennt, im Wald Schonungen mit Eichen – Vorsorge für die nächsten Generationen.

Es ist Ende Juli und Bauer Benedikt Selhorst hat dieses Jahr Glück gehabt. „Trotz des nassen Sommers hält sich der Einbruch beim Futterweizen in Grenzen.“ Glück auch im Winter: „Wir haben noch rechtzeitig vor Kyrill eingeschlagen.“ Sonst hätte der Orkan im Januar von dreihundert Fichten wohl nur noch Bruchholz hinterlassen.

Selhorst ist Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Ortsverbands Herbern, Glück ist sein Stichwort: „Wenn wir Pech haben, dann steht hier in der Nähe in 15 Jahren kein Wald mehr, sondern auf zwei Hektar ein riesiger Abwetterschacht.“ Und der könnte jede Menge Lärm machen.

„Donar 2“ heißt dieser Schacht in den „Planerischen Mitteilungen über die Errichtung und den Betrieb des Bergwerkes Donar“ der Deutschen Steinkohle AG, kurz DSK. Denn sie plant auf den Gebieten der Gemeinden Ascheberg-Herbern, Drensteinfurt, Werne und Hamm ein neues Steinkohlebergwerk.

Bei der DSK ist Donar ein wichtiges Zukunftsprojekt für die Zeit nach dem Ende des subventionierten Bergbaus (s. Kasten). Die DSK will nämlich das Bergwerk nicht mehr selbst betreiben. Ein Investor soll rund 800 Mio. € in die Hand nehmen und die Lagerstätten zwischen 2015 und 2035 ausbeuten.

„Es ist sicherlich für einen Investor attraktiver, wenn die genehmigungsrechtlichen Voraussetzungen vorliegen. Wir wollen daher das Planungsrecht erwirken und glauben, dass sich der Kokskohleabbau nachhaltig lohnt, wenn die Kokspreise bei rund 200 $/t und mehr liegen“, sagte Volker Staege, Leiter Raumplanung im Zentralbereich der DSK und mit Donar befasst.

Die DSK wettet also auf die Zukunft und darauf, dass der Ressourcenhunger aufstrebender Wirtschaftsnationen wie Brasilien, Indien und China auch in acht Jahren noch nicht erloschen ist.

In der Öffentlichkeit würden der Preise für den Koks und der Preis für die Kokskohle, die im Bergwerk „Donar“ gefördert werden soll, mitunter in einen Topf geschmissen, beklagt Klaus Matthies, Energie- und Rohstoffexperte beim Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut (HWWI).

Matthies mag nicht an die Zukunftswette auf steigende Kokskohlepreise glauben: „Ich schätze, dass die Kokskohlepreise im kommenden Jahr sinken, um rund 10 % gegenüber dem heutigen Preis von 118 $/t.“ Chinesischer Koks, der vor Jahren mal auf über 400 $/t gestiegen war, habe im Juni 2006 bei 140 $/t gelegen.

Wirklich neu ist Donar nicht. „Der Vorstoß der Kohleförderung vom Bergwerk Ost nach Norden ist ja nicht grundsätzlich neu“, sagt Andreas Nörthen, Pressesprecher der Bezirksregierung Arnsberg, die zuständig ist für das Genehmigungsverfahren zu Donar. „Dies entspricht in Teilen der Wiederaufnahme des Nordwanderungsplans der stillgelegten Zeche Radbod. In dem Feld Donar steht der bereits damals abgeteufte Schacht Radbod 6 (neu Donar 1) seit über 20 Jahren.“

„Die Nordwanderung der Steinkohle bringt für die Landwirtschaft und ihre Betriebe eine ganz neue Situation“, sagt Selhorst. In der Bauerngemeinde Herbern hat Donar daher 2006 eingeschlagen wie Donnerhall. Geschlossen hatte der Gemeinderat gegen einen Steinkohlebergbau gestimmt. Sogar die SPD vor Ort war mit von der Partie.

„Ich sehe die Chancen, aber auch die Risiken“ sagt Herberns Bürgermeister Dieter Emthaus. Sein Problem ist das Betreibermodell der DSK. „Solange ich nicht weiß, wer als Betreiber oder als Haftender hinter Donar steht, möchte ich gerne auf die Politik einwirken, dass das Haftungsrecht, das Bergrecht, in diesem Punkt geändert wird.“ Emthaus und die Herberner Bauern fürchten, sonst langfristig auf den Ewigkeitslasten sitzen zu bleiben.

Was alles mit Donar wirklich auf die Bewohner zukommt, ist noch nicht ausgemacht. Die „Planerische Mitteilung“ gibt ihnen einen Vorgeschmack. Zurzeit läuft das Umweltverträglichkeitsgutachten.

„Als mögliche Umweltauswirkungen treten Senkungen bei den einzelnen Schutzgütern, wie Oberflächengewässer und Grundwasser, auf“, so DSK-Fachmann Staege.

„Jetzt ist die Stunde der Gutachter“. erklärt Andreas Nörthen, „Das dauert mindestens anderthalb Jahre, mit ersten Ergebnissen wäre demnach Anfang 2008 zu rechnen.“

Dann wird in Herbern wieder die Diskussion über das Für und Wider von Donar losgehen. Immerhin verspricht die DSK rund 2500 neue Arbeitsplätze. Bürgermeister Dieter Emthaus sieht jedoch nur einen begrenzten Effekt: „Ich vermute, durch die vielen Bergwerksschließungen wird eine ganze Menge Leute, die das Handwerk gelernt haben, einpendeln. Wir rechnen also nicht mit einem riesigen Zuzug oder einem Bauboom.“

Ob Donar kommt? „Ich persönlich bin der Meinung, es kommt nicht“, sagt Emthaus. „Im Hinblick auf die bundes- und landespolitischen Beschlüsse zur Steinkohle kann ich mir das nur schwer vorstellen. STEPHAN W. EDER

Von Stephan W. Eder Tags:

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