Energiegewinnung 29.06.2012, 11:00 Uhr

Weltwirtschaft nutzt immer mehr Steinkohle

Die Steinkohle blieb im Jahr 2011 erneut die am schnellsten wachsende fossile Primärenergiequelle der Welt, wie der Verein der Kohlenimporteure (VdKi) bei seinem Jahrestreffen in der letzten Woche in Duisburg berichtete. Sie deckte den weltweiten Energiebedarf zu rund 32 %.

Steinkohle: Die am schnellsten wachsende fossile Primärenergiequelle der Welt.

Steinkohle: Die am schnellsten wachsende fossile Primärenergiequelle der Welt.

Foto: Siemens AG

Deutschlands Energieverbrauch sank 2011 deutlich. Der Primärenergiebedarf von 456,4 Mio. t SKE (Steinkohleeinheiten) bedeutet einen Rückgang im Vergleich zum Vorjahr um rund 25 Mio. t SKE (5 %) der deutsche Primärenergiebedarf sank damit stärker als das Bruttoinlandsprodukt mit 3 %.

An Steinkohle benötigte Deutschland 2011 insgesamt 57,5 Mio. t SKE, 0,4 Mio. t SKE weniger, oder 0,7 % im Jahresvergleich. Dieser Bedarf wurde zu rund 76 % durch Importe und zu 24 % durch heimische Kohle gedeckt. Mit rund 48 Mio. t lag die Importmenge im Jahr 2011 um 3 Mio. t über dem Vorjahreswert.

Der Schwerpunkt des Steinkohleneinsatzes liegt bei den Kraftwerken und der Stahlindustrie; der Wärmemarkt spielt nur eine untergeordnete Rolle. Der Bedarf an Kraftwerkskohle wird im Wesentlichen aus Russland, Kolumbien und den USA gedeckt, wie der Vorstandsvorsitzende des VdKi, Wolfgang Cieslik, berichtet. Die Rolle Südafrikas sei dagegen stark rückläufig: „Kohle ist in Südafrika teurer als in Rotterdam.“

Russland, Kolumbien und USA sind die wichtigsten deutschen Steinkohle-Partner

Bei der Kokskohle konzentriert sich die Importstruktur unverändert auf Australien, Kanada und die USA. „Über alle Produkte – Kraftwerkskohle, Kokskohle und Koks – gesehen, sind Russland, Kolumbien und die USA die bedeutendsten Partner Deutschlands im Jahr 2011 gewesen“, so Cieslik, der auch Geschäftsführer der Steag GmbH, Essen, ist. Ein wichtiges Element im Kraftwerkskohlegeschäft sind die Preise für CO2-Zertifikate. Sie bewegen sich derzeit um 6 €/t CO2 bis 8 €/t CO2.

Für das Jahr 2012 erwartet der Verein stagnierende bis leicht fallende Steinkohlenimporte. Im ersten Quartal 2012 ist der Primärenergiebedarf gegenüber 2011 um rund 2 % zurückgegangen. Die Steinkohle legte aber leicht um 2 % zu.

„Die Importzahlen – vor allem von Kraftwerkskohle – könnten sich eventuell aber auch noch nach unten verändern“, befürchtet der VdKi-Vorsitzende. „Eine starke regenerative Stromerzeugung und massive Stromimporte von Kernenergiestrom aus Tschechien und Frankreich könnten hier noch Wirkung zeigen. Daher gehen wir insgesamt von einem leichten Rückgang der Kohlenimporte um 2 Mio. t bis 3 Mio. t aus.“

Bedarf an Steinkohle steigt weltweit um 200 Millionen Tonnen im Jahr 2011

Auf die Frage, wie der Energiehunger zu stillen sei, werden weltweit unterschiedliche Antworten gefunden: Während der Öl- und Gasverbrauch um 3,5 % bzw. 0,4 % zurückgingen, stieg der Steinkohlenbedarf global um 200 Mio. t SKE oder 2,1 % im Jahr 2011 an. Nur die Kernkraft hatte erstmals mit einem Zuwachs von 210 Mio. t SKE ein größeres Wachstum, was mit dem Kernenergie-

Ausbauprogramm Chinas zusammenhängen dürfte.

„Kohle ist und bleibt der Primärenergieträger Nr. 1 des 21. Jahrhunderts“, freut sich Cieslik. „Seit fast einem Jahrzehnt ist die Steinkohle die am schnellsten wachsende, fossile Primärenergie der Welt.“ Die weltweite Fördermenge erhöhte sich 2011 um 240 Mio. t auf knapp 7 Mrd. t. Sie gliedert sich auf in etwa 6,1 Mrd. t Kraftwerkskohle sowie 0,9 Mrd. t Kokskohle. China trug mehr oder weniger allein zu diesem Wachstum bei.

Der Welthandel mit Steinkohle überschritt im Jahr 2011 mit 1,042 Mrd. t zum zweiten Mal die Milliarden-Tonnen-Grenze, blieb aber um rund 1 % oder 11 Mio. t unter dem Vorjahreswert.

Australien fördert wegen heftiger Regenfälle weniger Steinkohle

Der Grund für den Rückgang liegt insbesondere im Rückgang der Steinkohlenförderung Australiens. Dort konnte wegen der heftigen Regenfälle und der nachfolgenden Überflutung Queenslands im Frühjahr 2011 für längere Zeit keine Kohle – insbesondere Kokskohle – gefördert und exportiert werden, wodurch eine Menge von 11 Mio. t ausfiel.

Die stabile Entwicklung des seewärtigen Weltkohlemarktes zeigt, dass mittlerweile die größten Importnationen alle im südasiatischen Raum zu finden sind. In erster Linie sind es wie im Vorjahr China und Indien, die ihre Bezüge an Kraftwerks- und Kokskohle vom Weltmarkt um fast 45 Mio. t erhöhten und damit 2011 die Nachfrage maßgeblich bestimmten.

Der Exportmarkt für Kraftwerkskohle gliedert sich weltweit weiter in den pazifischen und in den atlantischen Teilmarkt auf. Der atlantische Markt legte um weitere 46 Mio. t auf 218 Mio. t im Jahr 2011 zu,. Im gleichen Zeitraum nahm der pazifische Markt um 20 Mio. t auf 521 Mio. t ab.

Die Anbieterstruktur am seewärtigen Weltmarkt hat sich 2011 nicht wesentlich geändert. Der Marktanteil Australiens verringerte sich jedoch wegen des wetterbedingten Förderausfalls im Land auf 56 % (Vorjahr: 63 %). Dagegen konnten die USA den Marktanteil von 19 % auf 25 % steigern.

Für 2012 stellt der VdKi fest, dass Asien den weltweiten Strombedarf nach oben treiben werde. Da Kohle vor allem für die Stromerzeugung verwendet wird und diese wiederum eng mit dem Wirtschaftswachstum verbunden ist, geht die Internationale Energie-Agentur (IEA) davon aus, dass jegliche Veränderung im Wirtschaftswachstum sich unmittelbar auf den Kohlenverbrauch auswirkt (s. Kasten). 

Ein Beitrag von:

  • Eckart Pasche

    Freier Fachjournalist. Themenschwerpunkte: Energie, Kerntechnik, Rohstoffe, Bergbau, Tunnelbau, Technikgeschichte

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