Öl 03.11.2006, 19:24 Uhr

Was drückt den Ölpreis?  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 3. 11. 06, ps – Innerhalb weniger Wochen ist der Preis für das Barrel Öl von über 70 $ auf unter 60 $ gesunken. Und das trotz wachsender weltpolitischer Spannungen. Marktbeobachter machen für die Entwicklung nicht zuletzt die schwache US-Konjunktur verantwortlich.

Lawrence Eagles gibt zu, dass die weitere Talfahrt des Ölpreises nach dem Atomtest in Nordkorea nicht übermäßig logisch ausschaut. Wie die OECD gibt die Internationale Energie Agentur (IEA) in Paris, deren Ölmarktabteilung er managt, seit Jahren die Erklärung heraus, dass große weltpolitische Konflikte und Spannungen Öl tendenziell verteuern. Regelmäßig weisen deshalb auch die Berichte der Energie-Agentur auf geopolitische Risiken hin.

Warum also ist der Ölpreis weiter gefallen, obwohl in Asien ein atomarer Rüstungswettlauf droht und die Opec Mitte Oktober in Doha angekündigt hat, die Produktion zu drosseln? „Nordkorea befindet sich nicht im Mittleren Osten“, antwortet Eagles. „Zudem ist es für die Akteure an den Rohstoffmärkten nicht einfach, die möglichen Folgen der aktuellen Zuspitzung abzuschätzen.“

Michael Spencer, Chefanalyst Asien der Deutschen Bank in Hongkong, stimmt zu: „Auch an den Finanzmärkten erleben wir vorerst eine abwartende Haltung. Das Spektrum der möglichen Entwicklungen reicht von der Eindämmung des Schadens bis zur Katastrophe. Das lädt nicht dazu ein, rasch Positionen zu beziehen.“

Spencer hat eine weitere Erklärung für die schwächeren Ölpreise. „Die Manager der Hedgefonds schauen auf das amerikanische Konjunkturklima, auf die prognostizierten niedrigeren Wachstumsraten und korrigieren ihr Engagement an den Rohstoffmärkten. Sehr wahrscheinlich sagt uns gegenwärtig die Stimmung der amerikanischen Konsumenten, wie sich der Ölpreis entwickelt.“

Doch Entwarnung wäre verfrüht. Natürlich würde ein Rüstungswettlauf in Asien, mit all seinen wirtschaftlichen Folgen für die Region, auch auf die Energiemärkte abfärben. Aber im Augenblick ist es für Analysten wie Spencer vor allem die schwächelnde amerikanische Konjunktur, die die Preise an den Tankstellen purzeln lässt.

In den kommenden Tagen wird das Wirtschaftsministerium in Washington die Wachstumsrate des dritten Quartals bekannt geben. Beobachter erwarten einen Zuwachs von nur noch 2 %. Das wäre der niedrigste Wert seit Ende 2005, als der Hurrikan Katrina die amerikanische Wirtschaft scharf herunterbremste.

Eine stattliche Zahl amerikanischer Wähler, die Anfang November zu den Urnen gebeten werden, ist ebenfalls nicht davon überzeugt, dass Angebot und Nachfrage die alleinigen Kräfte sind, die dieser Tage den Ölpreis bestimmen.

Mehr als 40 % sind sich sicher, dass Präsident George Bush irgendwie hinter dem Preisrutsch steht. „Wenn dem so wäre, warum hätten wir dann zuvor den Preis ansteigen lassen sollen?“, amüsiert sich Tony Snow, der Sprecher des Weißen Hauses. Dennoch bleibt die Tatsache, dass die niedrigeren Benzinpreise die Chancen der Republikanischen Partei, ihre Mehrheiten im Senat und im Repräsentantenhaus zu verteidigen, deutlich verbessern.

Einige Analysten wie Kenji Kobayashi, der bei der Internationalen Energie Agentur für das Krisenmanagement zuständig ist, fühlen sich ein wenig an Erfahrungen in den Siebzigerjahren erinnert. Damals war nach einem plötzlichen Preisauftrieb auf den Ölmärkten ebenfalls viel über die Notwendigkeit debattiert worden, nach Alternativen zum Öl Ausschau zu halten.

Anschließend fiel jedoch der Ölpreis wieder und die guten Absichten gerieten weitgehend in Vergessenheit. Mit einer interessanten Ausnahme: In Brasilien machte sich die damals regierende Militär-Junta dafür stark, statt Benzin vermehrt Ethanol aus Zuckerrohr als Treibstoff zu verwenden. Heute zahlt sich der energiewirtschaftliche Befehl für das Land aus.

Aber Brasilien war ein Einzelfall. Anderswo wanderten alternative Energiepläne in die Schublade und niemand aus dem Kreis der Ölproduzenten ärgerte sich darüber. Schließlich passen Alternativen zum Öl nicht sonderlich gut zu ihrem Interessenbild.

Heute sieht die Lage jedoch anders aus. Der immer noch relativ hohe Ölpreis macht die Suche nach Alternativen attraktiv – und die Ölförderländer haben kaum eine Möglichkeit, diesen Trend zu kippen.

„Die Märkte bleiben eng, wir werden in absehbarer Zeit keine Preise in der Nähe von 30 $ sehen“, winkt der Krisenmanager der IEA, Kenji Kobayashi, ab. Auf einen Preis zwischen 45 $ und 50 $ setzen mehrheitlich die Analysten. Kobayashi: „Damit bleibt die Mehrheit der heute erwogenen Alternativen durchaus interessant.“

Der amerikanische Senator Richard Lugar, der für eine energiepolitische Autonomie seines Landes streitet, traut dieser Prognose dennoch nicht über den Weg. Er brachte im Senat den Entwurf eines Gesetzes ein, das einen Steueraufschlag vorsieht, wenn der Ölpreis zu weit abrutscht. Ein interessanter Vorstoß? Deutsch-Banker Spencer: „Auf jeden Fall sollten auch die Europäer über diese Idee einmal nachdenken.“ JAN HÖHN

Steueraufschlag damit die Ölpreise hoch bleiben

Von Jan Höhn Tags:

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