Rohstoffe 17.09.2004, 18:33 Uhr

Verunsicherung des Tantalmarkts, aber keine Panik

Wenn jetzt die Tantalpreise steigen, dann aber nicht wegen Verknappung, sondern weil sich das Preisniveau normalisiert.

Offenbar schätzte die erst in den 80er Jahren gegründete Bergbaugesellschaft Sons of Gwalia (SoG) ihre Goldreserven völlig falsch ein und investierte obendrein in die falschen Felder. Als die im vorigen Jahr noch in der Bilanz stehenden Goldreserven von 3,27 Mio. Unzen (1 Unze = 28,35 g) nach genaueren geologischen Untersuchungen um „mehrere hunderttausend Unzen schrumpften“ – so der Insolvenzverwalter Ferrier Hodgson in Perth, verloren Aktionäre und Kreditgeber die Geduld.
Das Tantalgeschäft gerät damit ebenfalls in die Bredouille. SoG verkaufte im Geschäftsjahr 2003/04 (bis 31. März) 2,29 Mio. lbs. Ein angelsächsisches Pound (lb) hat 453 g im Gegensatz zum deutschen Pfund mit 500 g. Bei manchen Verarbeitern wächst jetzt die Furcht, dass es zu Engpässen bei der Erzversorgung kommt. Das könnte vor allem negative Auswirkungen auf die Produzenten elektronischer Bauelemente haben, die Tantal verwenden.
Die Branche denkt heute noch mit Schrecken an die exorbitanten Tantalpreissteigerungen durch die Internet- und UMTS-Euphorie. Die Notierungen gingen bis 1000 $/kg. Dann brach der Markt zusammen. Wenn auch heutige Preise von 200 $/kg für bestimmte Anwendungen eindeutig höher liegen gegenüber den 150 $ noch vor einem halben Jahr, so handelt es sich dabei nur um eine Normalisierung. Panik ist also nicht angesagt.
Aber immerhin, Gwalia deckt bisher 60 % der Nachfrage am Weltmarkt und stand bis vor kurzem für 75 % der bekannten Tantalreserven. Dieser Wert hat sich verringert, weil wegen der hohen Tantalpreise 2000/2001 neue Minen angelegt wurden.
Die H. C. Starck GmbH, Tochtergesellschaft des Leverkusener Bayer-Konzerns, wiegelt daher ab: „Infolge jüngster Meldungen bezüglich der finanziellen Lage des wichtigen Tantalrohstoff-Lieferanten Sons of Gwalia geben wir bekannt, dass das Unternehmen keine Unterbrechung in der Versorgung erwartet.“ Man habe eine durch die Administratoren und den Geschäftsführer John Leevers unterzeichnete Erklärung erhalten, die deren Absicht bestätige, die Aktivitäten fortzusetzen und die vertraglich festgelegten Verpflichtungen gegenüber H. C. Starck zu erfüllen.
Die Versorgung von Starck basiert nicht nur auf Erz. Es werden auch aufbereitete Tantalschrotte und tantalhaltige Schlacke als Rohstoffquellen verwendet. „Wir haben ausreichende Vorräte von strategischer Bedeutung, um etwaige Schwankungen im Markt auszugleichen“, erklärt Starck-Sprecher Manfred Bütefisch.
H. C. Starck gehört weltweit zu den wichtigsten Produzenten von Tantal als reinem Metall, als Tantalpulver und -Oxid und hatte sich gerade mit einen Liefervertrag bis 2008 bei Gwalia für die Versorgung mit dem Erz abgesichert. Denn für die Produktion von Kondensatoren, Hartmetallen und Spezial-Legierungen gehört Tantal zu den wichtigsten Materialien.
Tantalkondensatoren zum Beispiel zeichnen sich durch hohe Zuverlässigkeit, geringe Verlustströme, große Kapazität bei geringem Platzbedarf und hohe Temperaturstabilität aus. Typische Werte sind z.B. Spannungen im Bereich 4 V bis 50 V. Rund 60 % der gesamten Tantalproduktion von 1500 t im Jahr geht in Anwendungen der Elektronik. Vor allem Mobiltelefone benötigen die kleinen Kraftpakete, weil sie nur geringen Raum beanspruchen und bei verringerter Batterieleistung eine Pufferfunktion erfüllen. Auch in Laptops sind Tantalkondensatoren eingebaut. Und viele Automobile mit Elektronik kommen ohne sie nicht mehr aus.
Die Chemie nutzt noch eine andere Eigenschaft des Tantal: Da es in vielen korrodierenden Flüssigkeiten unlöslich ist, eignet es sich bestens für den Apparatebau. Außer Glas, emailliertem Stahl oder Siliziumguss eignen sich praktisch nur Kohlenstoff (bzw. Graphit) und Tantal für manche pharmazeutische Produktionsprozesse mit hochkorrosiven Medien.
H. C. Starck mit 3400 Mitarbeitern an 14 Standorten in Europa, Asien und Nordamerika profitiert deshalb von der anziehenden Chemiekonjunktur und hohen Nachfrage nach Tantal. Nach einem eher schwachen Jahr 2003 stieg im 1. Hj. 2004 der Umsatz der Gruppe um 17 % auf 331 Mio. €. Um so schlimmer schlügen Unterbrechungen der Erzversorgung zu Buche.
Australische Analysten vermuten schon, die Bayer-Tochter könnte sich bei Gwalia einkaufen, um die Tantalreserven zu sichern. Dies hat, so wörtlich „H. C. Starck nicht kommentiert“. Einige größere Aktionäre der SoG könnten sich durchaus einen Verkauf vorstellen, sahen sie doch den Aktienkurs von Gwalia schrumpfen – von 9,97 Aus. Dollar im Elektronik-Boom auf Ende August, kurz vor dem Vergleichsantrag, nur noch ein Siebtel. Zu den Gwalia-Eigentümern zählt neben Teck Cominco Ltd. und dem Investmentuntenehmen Franklin Templeton, aber auch die Cabot Corp. – ein Hersteller von Tantalmetall wie H. C. Starck. Cabot würde den Einfluss auf seine Rohstoffquelle sicher nicht so gerne abgeben.
John Leevers, erst 2004 als neuer Vorstandschef installiert, weil die Gwalia-Gründer in Pension gingen, sieht den Verkauf der Goldminen samt ihrer Reserven als rettende Lösung an. Damit könnte SoG die Tantalit-Förderung refinanzieren. Dagegen spricht, dass niemand weiß, was bei Gwalia wirklich noch Gold ist. Anderseits gab es vor drei Jahren schon einmal mit Pasminco eine spektakuläre Metallpleite in Australien. Aber das Unternehmen ging, gerettet durch Banken und unter dem neuen Namen Zinifex erfolgreich weiter produzierend, wieder an die Börse. Zumindest dieses Beispiel könnte H. C. Starck und die anderen internationalen Weiterverarbeiter beruhigen: Eine reiche Mine bleibt.P. ODRICH/KÄM

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