Öl 18.08.2006, 19:23 Uhr

Späte Betriebsamkeit an der Pipeline  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 18. 8. 06, ciu – Dass die Pipelines von Alaskas Prudhoe Bay zum großen Teil defekt sind, ist schon länger bekannt. Doch erst nach lautstarken Protesten von Arbeitern und Öl-Millionären im Ruhestand wurden endlich die erforderlichen Untersuchungen durchgeführt, die zum sofortigen Abschalten der gesamten Anlage führten.

Kurz aber brisant war die Meldung des Öl-Konzerns BP von Anfang August, dass man mit der „stufenweisen Außerbetriebnahme des Prudhoe-Bay-Ölfeldes nach der Entdeckung schwerer Korrosionsschäden“ begonnen habe. Bisher förderte BP in diesem Gebiet rund 400 000 Barrel täglich. Bezogen auf den US-Tagesbedarf von 20,7 Mio. Barrels ist es zwar eine geringe Menge, doch die psychologische Wirkung auf den Ölpreis war in den USA genauso spürbar wie die erneute Diskussion um alternative Energiequellen sowie ein generelles Förderverbot in der weitestgehend unter Naturschutz stehenden Region Alaskas.

Was für die Weltöffentlichkeit überraschend kam, wurde von der Fachwelt schon längst erwartet, denn Techniker, Gewerkschaften, Umweltschützer und selbst die US-Parlamentarier wissen schon länger um die technischen Probleme des nördlichsten Ölfeldes der USA. So brachen bereits im vergangenen März Rohre wegen Korrosionsschäden, wobei etwa 800 t Öl ausliefen. Zu diesem bislang größten Umweltschaden in Alaska ermittelt die US-Umweltschutzbehörde EPA noch heute, und die Staatsanwaltschaft erwägt sogar strafrechtliche Schritte gegen BP.

Die jetzt durchgeführte Untersuchung geht aber nicht auf dieses Ereignis zurück, sondern auf die Meldungen von Arbeitern die im Juli von undichten Ventilen und Rohren berichteten. BP hat inzwischen ein Leck eingestanden. Bei den darauf folgenden Überprüfungen wurden dann an elf Stellen 16 Probleme entdeckt. Teilweise sei die innere Stahlröhre bereits um bis zu 70 % korrodiert, heißt es in dem Untersuchungsbericht.

Korrosion ist ein normaler Vorgang in Pipelines, doch die Abschnitte direkt den Quellen an der Prudhoe Bay sind besonders gefährdet, denn bei einigen Quellen kommt im Gemisch außer Öl und Erdgas bis zu drei Viertel Wasser aus der Erde. Erst später werden Gas und Wasser abgeschieden, bevor das reine Erdöl dann über die 1300 km lange Transalaska-Pipeline nach Valdez an den Pazifik gepumpt wird.

Alle Pipelines in Alaska verlaufen oberirdisch. Wegen der extremen Klimaverhältnisse sind sie mit Schaumstoff und Edelstahl ummantelt. Die jährlich vorgeschriebenen Korrosionsuntersuchungen an der inneren Stahlröhre hat BP bisher von außen, mittels Ultraschall vorgenommen.

Nach der letzten Routine-Untersuchung im Juni sperrte BP wegen Korrosionsschäden einen Teilabschnitt von 3 km, was zu einem Förderausfall von 23 000 Barrel täglich führte. Aber erst nach dem Arbeiter von weiteren leckenden Ventilen und undichten Rohren berichteten, ordnete die US-Aufsichtsbehörde eine komplette innere Vermessung aller Rohre mit „Smart-Pigs“ an, die gewöhnlich zum Messen in Pipelines verwendet werden. Das sind kleine Sonden die durch die 30 Zoll großen Rohre fahren und dabei ein Profil der inneren Stahlröhre aufzeichnen.

Die Hightech-Sonden kosten bis zu 1 Mio. $ und erfordern weite Biegeradien der Pipeline. Doch die alte Anlage an der Prudhoe Bay hat viele enge Kurven. Bei der jetzigen Untersuchung mussten deshalb alle Teilabschnitte zwischen den engen Kurven separat untersucht werden – ein zeit- und kostenintensives Verfahren.

Die knapp 1000 Arbeiter im Prudhoe-Feld bekommen dabei Rückendeckung aus Washington. Der dort lebende 76-jährige Charles Hamel ist „freiwilliger Politaktivist“ in Sachen Öl-Sicherheit und Umweltschutz. Als mehrfacher Millionär und ehemaliger Öl-Makler kennt er sowohl alle Anlagen als auch alle einflussreichen Personen. So hat er unter anderem bereits im vorigen Jahr den Kongress und die Umweltschutzbehörde EPA über Mängel der Prudhoe-Einrichtungen informiert.

Hamel bezieht seine Informationen direkt von den Arbeitern vor Ort und ist wegen dieser Authentizität bei den Parlamentariern sehr geachtet. Er kennt das Ölfeld an der Prudhoe Bay schon seit dessen Entdeckung im Jahre 1968. „Wir wussten damals sofort, dass es riesig ist, aber viel zu teuer abzubauen“, erinnert er sich. Erst nach der weltweiten Ölkrise begann man 1977 mit der Förderung, die mit über 1,5 Mio. Barrel täglich ihren Höchststand erreichte.

Die Zukunft dieses Ölfeldes ist auch ohne die jüngsten Schadensfälle unklar. Umweltschützer wollen die Förderung in dem artenreichen Gebiet Alaskas ganz verbieten. Auch die Industrie ist nicht sicher wie man mit dem weitestgehend ausgeschöpften Feld umgehen soll. Alle hoffen darauf, dass die Regierung eine 20 Mrd. $ teure Erdgaspipeline nach Valdez genehmigt, denn Experten vermuten, dass die dortigen Erdgasvorräte ebenso ergiebig sind wie einst die Ölvorkommen.

Inzwischen hat BP wieder eine Teilproduktion von 140 000 Barrel aufgenommen. Auch die Aufträge für den Austausch von rund 25 km verrosteter Pipeline sind vergeben. H. WEISS

Von H. Weiss
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