Rohstoffversorgung 28.01.2011, 19:51 Uhr

Seltene Erden wirbeln durch die Finanzwelt

Metalle der seltenen Erden sind für Hightechprodukte der Industrieländer wichtige Rohstoffe. In China, das mehr als 95 % der Weltproduktion der begehrten Metalle stellt, wächst selbst der Bedarf. Das heizt die Spekulation an.

Bis zu 30 % weniger Seltenerdmetalle könnte China in diesem Jahr exportieren, warnt Ulrich Grillo, Vorstandschef der Grillo-Werke, Duisburg, vor Auswirkungen auf deutsche Unternehmen. Er sieht die Gefahr, dass die Chinesen den Zugang zu Seltenerdmetallen nur noch gegen Investitionen in der Volksrepublik öffnen wollen. Westlichen Unternehmen droht so ein ungewollter Know-how-Transfer.

Tatsächlich kommen inzwischen mehr als 95 % der Weltproduktion an Lanthanoiden und Ceriterden, die weitere wichtige seltene Elemente enthalten, aus dem Reich der Mitte. Als größter Produzent könnte die Volksrepublik die Preise weiter in die Höhe treiben.

Das heizt inzwischen auch die Spekulation in der Finanzwelt an. Sechs Bergbaufirmen in Australien, Kanada und den USA, darunter die kanadische Quest Rare Minerals und die in New York notierte Rare Element Resources, haben z. B. derzeit einen Börsenwert von zusammen knapp 7 Mrd. $ – obwohl sie noch gar keines der Seltenerdmetalle gefördert haben. Das entspricht mehr als dem gesamten jährlichen Handelsvolumen mit Seltenerdmetallen von weltweit rund 2 Mrd. $.

Doch die Seifenblase der aufgeblähten Aktienkurse könnte schnell platzen. Denn längst nicht alle Seltenerdmetalle sind wirklich so rar wie der Name vorspiegelt. Ceriterden kommen in der Erdkruste fast so häufig vor wie Kupfer und mit rund 37 % der sicher wirtschaftlich gewinnbaren Reserven an den Seltenerdmetallen liegt China nicht so weit an der Spitze wie beim Marktanteil in der Produktion.

Das Rohstoffversorgungsproblem besteht darin, dass die Einsatzgebiete der Seltenerdmetalle schnell wachsen – von Elektroautos bis zum PC. China will aber nicht länger nur billiger Förderknecht für die Industrieländer bleiben, während diese wie die USA ihre eigene Produktion teils aus Kosten-, teils aus Umweltschutzgründen aufgegeben haben. So hatte z. B. die Seltenerdmetallmine Mountain Pass in der Mojave-Wüste im Osten Kaliforniens 2002 ihre Förderrechte verloren, weil mit Cadmium und Blei verschmutztes Wasser in die Wüste geflossen war.

Nach mehreren Eigentümerwechseln gehört Mountain Pass heute zum Rohstoffkonzern Molycorp, der mit einem Börsenwert von rund 2,6 Mrd. $ finanzkräftig genug ist, um die Förderung wieder aufzunehmen. Die Produktion soll laut den Unternehmensplänen Ende 2012 beginnen und dann jährlich 19 000 t Seltenerdmetallprodukte liefern. Das entspräche einem Sechstel der Weltproduktion und wäre mehr als der gesamte heutige Bedarf der USA.

Wie wirtschaftlich Mountain Pass arbeiten kann, hängt vor allem vom Erz- und Metallpreis ab. Cerium Oxid (Ceroxid), das z. B. als Katalysator bei der Benzinsynthese oder als Elektrode in modernen Brennstoffzellen eine Rolle spielt, kostete in den vergangenen drei Jahren im Durchschnitt 1,83 $/lb (1 lb = 0,453593 kg) und stieg im September plötzlich auf 16,33 $/lb. Bei so hohen Preisen steigen über kurz oder lang wieder mehr Produzenten ein, denn auch Australien, Brasilien, Indien und Kanada haben bisher weitgehend ungenutzte Reserven.

Bis dort die Produktion anläuft, will China über seine starke Stellung bei Seltenerdmetallen Investoren und vor allem technisches Wissen anlocken. Der Inlandspreis soll dabei unter dem Weltmarktpreis bleiben und Halbzeuge oder Fertigprodukte, die Seltenerdmetalle enthalten, unterliegen keiner Exportsteuer. Große westliche Unternehmen wie die französische Rhodia-Gruppe oder auch der japanische Konzern Daido Electronics sind längst mit eigenen Produktionswerken in China aktiv.

Aber auch durch Anleger, Banken und neue Finanzprodukte droht ein Versorgungsmangel bei den begehrten Metallen. Vor allem die Erfolge bei Goldanlagen verlocken Finanzinstitute dazu, mit an Börsen gehandelten, physisch unterlegten Produkten auch einige Basismetalle in das Milliardenspiel miteinzubeziehen.

Laut Investmentfondsmanager Black Rock stecken in Edelmetall-ETPs (Exchange Traded Products) weltweit schon 107,7 Mrd. $. Bei Gold spiele es für Industriebetriebe zwar nur eine geringe Rolle, wenn das Metall in Lagerhäusern verschwindet und der Preis steigt, anders sehe es aber schon bei der Gruppe der Platinmetalle aus und schlimmer noch bei Basismetallen wie Aluminium und Kupfer. Wenn Basismetall-ETPs durch die künstliche Rohstoffverknappung ähnlich erfolgreich zulegen wie bei den Edelmetallen, dann beeinflusst dies die Kosten nahezu aller Industriezweige.

Die ICSG (International Copper Study Group) erwartet 2011 bei Kupfer ein weltweites Produktionsdefizit von 435 000 t. Das hat den Kupferpreis bereits im Oktober an der London Metall Exchange (LME) auf über 8400 $/t getrieben. Im Januar stiegen die Kurse weiter auf über 9500 $/t. Auch bei Aluminium, dem mengenmäßig an der LME meistgehandelten Metall, mischen Finanzinvestoren mit: 75 % der rund 4,45 Mio. t Aluminium in den bei der Börse akkreditierten Lagerhäusern sind laut Daniel Brebner, Leiter Rohstoffresearch der Deutschen Bank, in Finanzgeschäften gebunden. KATHARINA OTZEN

Von Katharina Otzen

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