Öl 07.05.2004, 18:30 Uhr

„Von den Produktionskosten her lässt sich ein Preisniveau von 20 $ je Barrel halten“

Kurt Döhmel, Chef der Deutschen Shell AG, rechnet mit Kosten für die GtL-Kraftstoffproduktion aus Erdgas von 4,00 $/Barrel.

VDI nachrichten: Herr Döhmel, Sie rechnen bei Shell bis 2030 mit einem deutlichen Rückgang des Kraftstoffkonsums in Deutschland. Wie sieht Ihre globale Prognose aus?

Kurt Döhmel: Global wird sich der Verbrauch in diesem Zeitraum verdoppeln bis verdreifachen, je nach Konjunktur und politischen Rahmenbedingungen. In Ländern wie China und Indien steigt der Bedarf rasant.

Führt dieser Mehrverbrauch an die Grenzen der Ölreserven?

Nein. In absehbarer Zeit rechnen wir noch nicht einmal mit einem Schrumpfen der Reserven. Denn noch entdecken wir jährlich mehr Öl als wir verbrauchen.

Aber die Förderung wird immer komplizierter – etwa wenn sie wie in Kanada Ölsände verarbeiten. Werden dadurch die Ölpreise steigen?

Die Fördertechnologie macht enorme Fortschritte, die Kosten steigen kaum. Wir schließen bis 2030 einen gravierenden Anstieg der Förderkosten aus.

Spielen synthetische Kraftstoffe auf Erdgasbasis bei der Entwicklung der Ölpreise eine Rolle?

Ja. Wir können nun das Erdgas, das in entlegenen Regionen gefunden wurde und als nicht wirtschaftlich für LNG, Liquified Natural Gas, eingestuft wird, für „Gas-to-Liquids“(GtL)- Kraftstoffe nutzen. In GtL-Großanlagen rechnen wir mit Produktionskosten von 4 $ je Barrel.

Heißt das, die Rohölpreise werden bis 2030 stabil bleiben?

Rein von den Produktionskosten her lässt sich bis dahin ein Preisniveau von 20 $ je Barrel, also je 159 l, halten. Damit ist natürlich nichts über politische Einflüsse auf die Ölpreise gesagt, die den Ölpreis derzeit auf 35 $ treiben.

Die Politik diskutiert auch die Klimaproblematik. Verträgt die Umwelt überhaupt die prognostizierte Verdreifachung des globalen Kraftstoffkonsums?

In Kürze starten wir mit diversen Partnern einen Großversuch zur Sequestrierung – dabei wird Kohlendioxid in ausgeförderte Erdgasfelder gepumpt, wo es nicht entweichen kann. Von Technologien wie dieser wird es abhängen, in welchem Maß der Kraftstoffkonsum künftig noch steigen kann. In unseren Betrachtungen gehen wir davon aus, dass die Volumen-Konzentration von CO2 in der Atmosphäre sich unterhalb von 500 ppm halten lässt.

Ein Beitrag von:

  • Peter Trechow

    Peter Trechow ist Journalist für Umwelt- und Technikthemen. Er schreibt für überregionale Medien unter anderem über neue Entwicklungen in Forschung und Lehre und Unternehmen in der Technikbranche.

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