Kraftstoff 11.04.2008, 19:34 Uhr

Premium-Biodiesel aus Palmöl bedroht Regenwald  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 11. 4. 08, wop – Seit letztem Herbst produziert die finnische Neste Oil den Biokraftstoff „Next Generation Biomass-to-Liquid“ (NExBtL). Das Heidelberger Ifeu-Institut attestiert ihm eine gute Energie- und Klimabilanz – trotz der Verwendung von Palmöl. Im großen Stil produziert könnte sich NExBtL aber dennoch als Regenwaldkiller entpuppen.

Wesentlich stärker dürfte sich die Klimabilanz des eingesetzten Rohstoffs auf die Gesamtbilanz des Kraftstoffes auswirken. „Wenn tropische Tieflandregenwälder für Palmölplantagen gerodet werden, dauert es ca. 1500 Jahre, bis die in diesem Fall desaströse Klimabilanz wieder ausgeglichen ist“, verdeutlichte Reinhardt, „ganz zu schweigen vom Artenverlust, der mit dem Raubbau an solchen Urwäldern einher geht.“

Die weltweiten Expansionspläne der Finnen müssen vor diesem Hintergrund sehr stark hinterfragt werden. Laut einer aktuellen Studie des Bundesumweltministeriums werden Palmölplantagen vor allem auf gerodeten Regenwaldflächen eingerichtet, weil dabei zusätzliche Erlöse aus der Holzverwertung möglich sind.

Die globale Produktion hat sich seit 1995 wegen der zunehmenden energetischen Nutzung von Palmöl mehr als verdoppelt, wobei Malaysia und Indonesien mit einer Jahresproduktion von jeweils 15 Mio. t den Markt beherrschen – insgesamt erreicht die Produktion knapp 35 Mio. t/a.

Neste Oil legt Wert darauf, dass in Porvoo keinerlei Palmöl von kürzlich abgeholzten Regelwaldflächen verarbeitet wird. Reinhardt vom Ifeu-Institut rechtfertigt so auch die positive Bilanzierung in der Studie: „Bei Raps-Biodiesel rechnet schließlich auch niemand die Rodung hiesiger Urwälder im Mittelalter ein.“ Doch natürlich schaffe das NExBtL-Verfahren einen neuen Absatzmarkt für Palmöl, das mit Abstand das billigste Pflanzenöl ist.

Wenn dieser Markt Fahrt aufnehme, könne laut Reinhardt die positive Bilanz des Palmöl-Biokraftstoffs schnell ins Gegenteil umschlagen. Das gelte auch, wenn Palmöl aus bestehenden Plantagen statt zu Nahrungszwecken als Bioenergieträger genutzt werde. Denn dann würden eben Regenwälder für Speiseöl gerodet.

Ganz verdammen will Reinhardt Palmöl allerdings nicht. Denn neben artenreichen Regenwäldern gibt es in den Tropen große ausgelaugte Flächen, die sich nach vorübergehender landwirtschaftlicher Nutzung zu Brachen entwickelt haben. Hier ließen sich durchaus Palmölplantagen einrichten. Zwar wäre das teuerer, doch Palmöl, das auf solchen Flächen erzeugt werde, könne den Druck auf die Naturwälder senken. Auch lasse sich seine Energie- und Klimabilanz verbessern, indem Biogas, das sich im Abwasser der Ölmühlen bildet, und Pflanzenabfälle energetisch genutzt werden.

„Allerdings ist es viel effektiver, Palmöl stationär in Anlagen mit Kraft-Wärme-Kopplung zu nutzen, als Biokraftstoffe daraus zu erzeugen“, gab Reinhardt zu bedenken. Denn dann sei das Klimaschutzpotenzial um ein Mehrfaches höher.

R. GATERMANN/P. TRECHOW

Fachkongress zum Thema Biokraftstoffe: „Kraftstoffe der Zukunft 2008“ am 1./2. Dezember in Berlin veranstaltet von Bundesverband BioEnergie und Union zur Förderung von Oel- und Proteinpflanzen: www.kraftstoffe-der-zukunft.com

Produktionslinien mit jährlich 1 Mio. t NExBtL im Bau

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