Öl 10.10.2008, 19:37 Uhr

Palmöl-Boom in Malaysia  

VDI nachrichten, Kuala Lumpur, 10. 10. 08, swe – Früher exportierte Malaysia vor allem Elektronikprodukte. Inzwischen beliefert das südostasiatische Tropenland die Welt zunehmend mit Palmöl. Überall schießen neue Palmölplantagen aus dem Boden – trotz internationaler Kritik an der Monokultur. Denn für den Anbau werden auch Urwälder gerodet. Aber auch immer mehr Kautschukplantagen werden in eine Palmölkultur ungewandelt. Vom Boom profitieren auch deutsche Firmen.

Wenn man mit Bus oder Auto quer durch Malaysia fährt, sieht man am Straßenrand meist nur Palmen. Endlose Ölpalmen-Alleen, so weit das Auge reicht. Nirgendwo gibt es so viele Palmölplantagen wie auf Malaysia. Das südostasiatische Land zählt nach eigenen Angaben 50-mal mehr Ölpalmen als Einwohner.

Mit den steigenden Rohstoffpreisen hat der bis zu 30 m hohe Baum, aus dessen orangefarbigem Fruchtfleisch Palmöl gewonnen wird, zunehmend an Bedeutung gewonnen. Überall wo Naturflächen frei werden, werden Ölpalmen gepflanzt.

Mit inzwischen jährlich 16 Mio. t ist Malaysia größter Palmölhersteller der Welt, vor Indonesien. Rund 5 Mrd. € bringt allein Palmöl in die Exportstatistik des Landes ein. Und die Regierung will die Produktion weiter ausweiten. Nach den Plänen von Malaysias Rohstoffminister Peter Chin Fah Kui soll die Menge bis 2020 auf 20 Mio. t erhöht werden.

Palmöl gilt als besonders energieeffizient. Die Energieerträge pro Hektar sind laut Berechnungen rund fünfmal so hoch wie die eines Rapsfelds. Außerdem soll Palmfett beim Einsatz in Nahrungsmitteln gesünder sein als Konkurrenzprodukte.

Wegen des stark gestiegenen Ölpreises wird Palmöl zunehmend auch als Kraftstoff zur Stromerzeugung genutzt und exportiert. Deutschland ist mit schätzungsweise 800 000 t jährlich der weltweit fünftgrößte Importeur.

Doch die Exporte sind inzwischen heftig umstritten. Umweltorganisationen und Regierungen kritisieren, dass für neue Palmölplantagen großflächig Regenwald gerodet und so viel CO2 ausgestoßen wird. Die britische Regierung zum Beispiel behauptete, dass pro Jahr 0,7 % der Waldfläche Malaysias den Plantagen weichen müssten.

Solche Vorwürfe weisen die malaysischen Verantwortlichen zurück. Die als Schutzgebiete ausgewiesenen Regenwälder würden nicht zu Plantagen umgewandelt, betont Rohstoffminister Chin Fah Kui. Lediglich auf Wanderfeldbaugebieten im Nutzwald würden Plantagen aufgebaut. Experten zufolge würden vor allem Kautschuk- in Palmölkulturen umgewandelt.

Beim größten börsennotierten Palmölkonzern der Welt, Sime Darby, verweist man stolz auf den Schutz des Regenwalds. „Wenn wir neue Plantagen aufbauen, findet keine Brandrodung statt“, versichert Vizepräsident und Marktstratege Shariman Alwani.

Auf den bestehenden Plantagen gelten zudem die nachhaltigen Zero-Burning-Planting-Techniken. Sind die Ölpalmen nicht mehr wirtschaftlich genug, werden sie gefällt und zu Kleinschnitzeln verarbeitet, die dann biologisch verrotten.

Als Reaktion auf die Kritik arbeitet man an einem Zertifizierungssystem für Palmöl. Die vom Runden Tisch für Nachhaltiges Palmöl vorgeschlagenen Praktiken seien schon längst implementiert, versichert Sime-Darby-Manager Syed Mahdhar. Die Zertifizierungsregeln würden allerdings zu 10 % höheren Kosten führen. Im Frühjahr dieses Jahres habe Sime Darby 13 000 t zertifiziertes Palmöl nach Rotterdam an den Kunden Unilever geliefert.

Trotz Zertifizierungsoffensive kann man bei Sime Darby die Umweltdebatte um das Palmöl nicht so recht verstehen. Alwani: „Nur 5 % des Palmöls wird bisher für Biosprit genutzt.“ Das meiste Palmöl wird in Nahrungsmitteln wie Margarine oder Teigwaren sowie in Seifen, Kerzen und Pillen verarbeitet.

Vom malaysischen Palmöl-Boom profitieren auch deutsche Firmen. Vor allem deutsche Maschinenbauer und Zulieferer hätten in der Vergangenheit Aufträge erhalten, weiß Thomas Brandt, Geschäftsführer der deutsch-malaysischen Handelskammer in Kuala Lumpur. So seien in den rund 400 Palmölmühlen Separatoren von Westfalia Separator eingebaut worden. Auch Siemens sei mit Automatisierungstechnik zum Zug gekommen.

Für die Zukunft sieht Brandt noch weitere lukrative Nischensegmente für deutsche Firmen. Zum Beispiel die Verwertung der Palmschalen zur Energiegewinnung. „Das ist ein riesiges noch unentdecktes Potenzial.“ Deutsche Firmen verfügen in der Nutzung von Biomasse über ein exzellentes internationales Know-how.

NOTKER BLECHNER

Bis 2020 will Malaysia ein Viertel mehr Palmöl herstellen als heute

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