Öl 11.11.2005, 18:41 Uhr

Ölmultis halten sich bei Investitionen zurück  

VDI nachrichten, Paris, 11. 11. 05 – Die Internationale Energieagentur in Paris macht in ihrem soeben erschienenen Jahresbericht die Mineralölkonzerne für die hohen Ölpreise mitverantwortlich. Die Konzerne würden trotz voller Kassen zu wenig in die Exploration und den Bau neuer Raffinerien investieren. Als Folgen präsentierte die Energieagentur unterschiedliche Szenarien. Erneuerbare Energien spielen darin nur eine bescheidene Rolle.

Die französische Total schwimmt im Geld, wie die anderen Mineralölkonzerne dieser Tage, aufgrund des Höhenflugs der Öl- und Gaspreise. Aber die viertgrößte Ölgesellschaft weltweit mobilisiert keinesfalls diese Mittel, um die Suche nach neuen Vorräten zu beschleunigen oder die angespannten Raffineriekapazitäten zu erweitern.

Aktiengeschenke an die Management-Equipe von CEO Thierry Desmarest, Aktienrückkäufe und Prämien an verdiente Mitarbeiter – wie freundliche fürstliche Gaben von ehedem – haben Vorrang. Mischen die Multis auf diese und ähnliche Weise bei dem Preisauftrieb in der Energiebranche ein wenig mit? Er hoffe, dass es bei den schön hohen Preisen noch eine Weile bleibe, äußerte selbst der Vorstandschef der chinesischen CNOOC, Fu Chengyu, vor einigen Wochen ganz unverblümt.

„Auf jeden Fall gibt es ein Investitionsproblem, bei der Exploration wie auch den Raffinerien“, konstatiert William Ramsay, der stellvertretende Direktor der Internationalen Energieagentur (IEA) in Paris. Claude Mandil, der Direktor der Organisation, sieht es nicht anders. Er macht ebenfalls unzureichende Investitionen „für die außerordentlich angespannte Situation auf den Ölmärkten“ der letzten Monate mitverantwortlich.

In ihrem soeben veröffentlichten Jahresbericht schildert die IEA die Lage. Wird bei den Investitionen weiter gebremst, ist der Preisauftrieb im Vergleich zu einem Referenzszenario normaler, konstanter Bedingungen deutlich höher. Die Preise erreichen in 25 Jahren 52 $ pro Barrel Rohöl (basierend auf dem Dollarkurs des Jahres 2004), das wären 20 % mehr als im Referenzszenario. Auf die Nachfrage und auf das wirtschaftliche Wachstum hätte das einen dämpfenden Effekt. Jährlich würde der Energiebedarf mittelfristig um 1,3 % zunehmen (Referenz-Szenario: 1,6 %). Die mittelfristige jährliche Wachstumseinbuße wird auf 0,23 % geschätzt. Die Öl produzierenden Länder im Mittleren Osten und Nordafrika schnitten unter dem Strich finanziell schlechter ab als bei angemessenen Investitionen. Die höheren Preise würden nach den Analysten der IEA den Einnahmeverlust wegen geringerer exportierter Mengen nicht ausgleichen.

Die IEA präsentiert auch ein vernünftiges Szenario, nämlich das einer Energiepolitik, die sich an den umweltfreundlichen und effizienzorientierten Empfehlungen des G8-Gipfeltreffens im Juli dieses Jahres im schottischen Gleneagles orientiert. Um 1,2 % würde dann die jährliche Energienachfrage bis 2030 zunehmen. Mit Ausnahme von China und Indien wäre dann vor allem die Kohle-Nachfrage rückläufig.

Die CO2-Emissionen lägen in 25 Jahren um 16 % hinter denen des Referenzszenarios zurück, sie wären allerdings immer noch um 37 % höher als dieser Tage. Die erneuerbaren Energien punkten, aber auch in 25 Jahren decken sie nur einen bescheidenen Anteil des weltweiten Energiebedarfs ab.

Was passiert, wenn die energiepolitischen Entscheidungsträger die Hände in den Schoß legen? Die Analysten der Internationalen Energieagentur haben die Folgen durchgerechnet. Der weltweite Energiebedarf in den kommenden 25 Jahren stiege bis 2030 um rund 50 %. Der Investitionsbedarf läge bei beträchtlichen 17 000 Mrd. $. Die Abhängigkeit der westlichen Industrieländer von den Produzenten im Mittleren Osten und Nordafrika würde deutlich zunehmen. Gleiches gelte für zunehmend rasant wirtschaftlich expandierende Länder wie Indien und China. Die CO2-Bilanz sollte zu denken geben. Die CO2-Emissionen wären im Jahr 2030 um nicht weniger als 52 % höher als heute. Mandil: „Dieser Trend ist mit Blick auf die stabile Energieversorgung und umweltbedingte Folgen einfach nicht durchhaltbar. Wir müssen den Planeten auf einen stabilen Energie- pfad bringen.“

Der Mittlere Osten und Nordafrika werden weltweit noch wichtigere Energielieferanten. Um nicht weniger als 75 % wird die dortige Ölproduktion in den kommenden 25 Jahren sehr wahrscheinlich zunehmen. Die Gasproduktion wird im gleichen Zeitraum verdreifacht und der Topabnehmer ist Europa. Derzeit bringen Länder in Nordafrika und dem Mittleren Osten weltweit 35 % der Öl- und Gasproduktion auf die Waage. In den vor uns liegenden 25 Jahren wächst der Anteil diese Länder auf nicht weniger als 44 %. Vorausgesetzt, die Investitionen folgen dem Nachfragetrend harmonisch.

Irak, mit den viertgrößten Ölreserven weltweit, wird nach den Erwartungen der IEA in fünf Jahren 3,2 Mrd. Barrel pro Tag an den Markt bringen. Derzeit sind es um die 2 Mio. Barrel. Wenn die politische Demokratisierung weitergeht, wären es im Jahr 2020 um die 5,4 Mrd. und 7,9 Mrd. Barrel in zehn Jahren danach. Ramsay: „Für die gesamte Weltwirtschaft ist es schlicht und einfach die beste Option, dass wir dort schnellstens zu zivilisierten Verhältnissen kommen.“ JAN HÖHN

Von Jan Höhn
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