Öl 25.03.2005, 18:37 Uhr

Niedrige Ölpreise bleiben ein Wunschtraum  

Für das ganze Jahr stellen sich Firmenchefs auf einen anhaltend hohen Ölpreis ein. Sie rechnen nicht mit einer nennenswerten Entspannung nach Ende der Heizperiode. Auch die von der Opec beschlossene höhere Fördergrenze ändert nichts daran.

Zahlreiche europäische Unternehmen stellen sich inzwischen auf einen anhaltend hohen Ölpreis für das volle Jahr 2005 ein. Dabei liegt die Spannweite der Erwartungen zwischen 45 $ und 55 $ je Barrel. Aus der deutschen Großchemie hat Anfang März die BASF ihre Erwartungen nach oben revidiert. Noch vor kurzem war der Vorstandsvorsitzende, Dr. Jürgen Hambrecht, von 35 $ je Barrel in diesem Jahr ausgegangen. Nun hat er die Erwartung deutlich nach oben revidiert.

Rod Eddington, Vorstandsvorsitzender von British Airways, geht inzwischen von einem Ölpreis von wenigstens 45 $ je Barrel aus. Und Joachim Hunold, geschäftsführender Gesellschafter der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft, Air Berlin, geht von einem ähnlichen Wert aus. Ganz überwiegend wird nach dem Ende der Heizperiode nicht mit einer nennenswerten Entspannung gerechnet, da die beiden großen jungen Verbraucherländer, China und Indien, Monat für Monat mehr Öl nachfragen.

Auf die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) kommt es bei der weiteren Preisentwicklung nur bedingt an, weil derzeit nicht so sehr das Rohöl knapp ist als vielmehr Weiterverabeitungsprodukte wie Benzin, Dieselöl, Chemiebenzin und Kerosin. Darauf hebt in ihrem jüngsten Bericht die Internationale Energie-Agentur, IEA, besonders ab. Das Angebot an Weiterverarbeitungsprodukten wird aber erst nachhaltig steigen können, wenn zusätzliche Raffineriekapazität zur Verfügung steht. In den zurückliegenden Jahren ist aber nicht viel in Raffinerien zur Kapazitätssteigerung investiert worden. Die irakischen Raffinerien arbeiten als Folge von Anschlägen nur mit einem Bruchteil ihrer Friedenskapazität. Und Iran scheint beim Export von Weiterverarbeitungsprodukten bewusst Zurückhaltung zu üben.

Die Opec hat bei ihrem Treffen in Isfahan am Mittwoch voriger Woche eine Erhöhung der Förderobergrenze um 500 000 Barrel pro Tag (bpd) ab dem 1. April beschlossen. Sollte es von den Märkten verlangt werden, ist der Präsident des Kartells ermächtigt, über eine neuerliche Ausweitung um weitere 500 000 bpd zu entscheiden. Die Ölpreise sanken nach der Entscheidung.

Mit der Anhebung der Förderobergrenze haben einmal mehr die Saudis ihre Führungsrolle in der Opec-Organisation dokumentiert, auf deren überraschende Initiative die Erhöhung der Förderobergrenze für das Öl zurückgeht. Zuvor waren Analysten noch von einer Bestätigung der seinerzeitigen Förderobergrenze von 27 Mio bpd ausgegangen. Zur Begründung ihrer Prognosen hatten sie darauf verwiesen, dass die Opec die Märkte zwar für überversorgt halte, sich angesichts des Rekordniveaus der Ölpreise allerdings wohl nicht zu einer Senkung der Förderobergrenze beim Öl durchringen werde.

Die Erhöhung der Opec-Fördergrenze um 2 % legitimiert nach Ansicht des algerischen Ölministers Chakib Khelil lediglich die Förderung, die über der offiziellen Höchstgrenze liegt. Dadurch werde kein zusätzliches Öl auf die Märkte gelangen, sagte Khelil. Ungeachtet der Entscheidung der Opec-Mitglieder haben Saudi-Arabien und Kuwait bereits mit einer Ausweitung ihrer Rohölförderung begonnen. Bis zum zweiten Quartal wollen die beiden einzigen Mitglieder des Rohstoffkartells, die noch über Reservekapazitäten verfügen, ihre Förderung angesichts der Erwartung einer im zweiten Halbjahr anziehenden Nachfrage um insgesamt mindestens 700 000 bpd erhöhen.

Mit einer Entspannung der Lage an den Ölmärkten rechnen Beobachter trotz der Erhöhung der Förderobergrenze allerdings nicht. „Selbst bei diesem Niveau ist der Markt vor dem Hintergrund möglicher Versorgungsprobleme und einem Anstieg der Nachfrage im weiteren Verlauf des Jahres potenziell verwundbar“, meint etwa Kevin Norrish von Barclays Capital. Skeptisch zeigen sich angesichts großer spekulativer Long-Positionen auch die Ölexperten der Commerzbank. Analyst Adam Sieminski von der Deutschen Bank sagte, die Produktionskapazitäten würden nur den Anstieg der Nachfrage bis zum vierten Quartal abdecken.

Zudem hat die Opec einen neuen Referenzpreis für ihr Erdöl beschlossen. Dabei solle der bislang aus den Preisen für sieben Ölsorten bestehende Korb durch ein Paket aus elf Qualitäten ersetzt werden, sagte Opec-Präsident Scheich Ahmed Fahad Al Sabah. Damit hat das Rohstoffkartell auf das Drängen einiger Mitglieder reagiert, die schwefelreichere und damit billigere Sorten stärker im Korb berücksichtigt sehen wollten. po/wd/mg

Der Ölmarkt

– Nicht so sehr das Rohöl ist knapp als vielmehr die daraus hergestellten Weiterverarbeitungsprodukte wie Benzin, Diesel und Kerosin.

– In die Raffinerien ist zur Kapazitätssteigerung wenig investiert worden. Die irakischen Anlagen arbeiten als Folge von Anschlägen nur eingeschränkt.

– Die Erhöhung der Opec-Fördergrenze um 2% legitimiert laut dem algerischen Ölministers Chakib Khelil nur die Förderung, die über der offiziellen Höchstgrenze liegt. So komme kein zusätzliches Öl auf den Markt.mg

Von Peter Odrich/Wd/Manfred Grotelüschen
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