Rohstoffe 14.07.2006, 19:22 Uhr

„Müllhalde“ wird zur Rohstoffquelle  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 14. 7. 06, ciu – Jährlich spart die deutsche Volkswirtschaft nach einer neuen Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft fast 4 Mrd. € durch den Einsatz von Sekundärrohstoffen. Deren Sammlung und Verwertung sichert hierzulande 60 000 Arbeitsplätze.

Deutschland ist zwar nicht reich an Bodenschätzen, arm an Rohstoffen ist das Land aber trotzdem nicht. Auf deutschen Straßen sind fast 50 Mio. Autos unterwegs, jährlich fallen weit über 10 Mio. t Verpackungen an, es werden 3 Mio. t Glas verarbeitet und jeder Deutsche verbraucht täglich 640 g Papier. All das wird irgendwann unbrauchbar und muss entsorgt werden. Dazu fallen noch Bauschutt, Industrieabfall, Elektronikschrott und viele andere Reststoffe an.

Direkt vor unseren Augen befindet sich somit eine Art urbane Mine, die jede Menge „Rohstoffe“ enthält, aus denen nach dem Gebrauch u. a. Stahl, Metalle, Energie, Glas oder Papier gewonnen werden kann.

In Deutschland werden verbrauchte Produkte vielfach wieder in den Werkstoffkreislauf integriert, indem die als Rohstoffe nutzbaren Elemente extrahiert und in den Produktionsprozess zurückgeführt werden. Mit diesen so genannten Sekundärrohstoffen spart die deutsche Volkswirtschaft jährlich rund 3,7 Mrd. € für Importe von Rohstoffen und Energieträgern. Diese Zahlen gehen aus einer am 3. Juli veröffentlichten Studie des Instituts für deutsche Wirtschaft (IW) hervor.

Die Weltmarktpreise für Rohstoffe sind in den letzten Jahren stark angestiegen und werden mittel- und langfristig weiter steigen. Begründen lässt sich dieser Anstieg mit der nicht abreißenden Nachfrage durch das Wachstum in China, Indien und anderen Schwellenländern. Beim Aufbereitungsprozess kommt es dahingegen aufgrund des technischen Fortschritts immer wieder zu Preissenkungen bei der Sekundärrohstoffherstellung. Für die deutsche Wirtschaft haben die Sekundärrohstoffe den Vorteil, dass sie direkt im Inland hergestellt werden können.

Insgesamt geht die Reststoffentsorgung somit mittlerweile weit über ihre traditionelle Funktion (Umweltschutz und Abfallentsorgung) hinaus und die deutsche Entsorgungsindustrie ist ein Rohstoffanbieter geworden, der auch auf dem internationalen Markt mithalten kann. „Die deutschen Entsorger sind heute weltweit führend, was ihre Kompetenz und ihre Wirtschaftlichkeit anbelangt,“ lobt Stephan Harmening, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Entsorgungswirtschaft (BDE), die heimischen Sekundärrohstoffproduzenten. Diese sorgen im Inland immerhin schon für einen direkten Beschäftigungseffekt von 60 000 Personen bei Recycling und Verwertung.

Für den größten Teil dieser Wertschöpfung sind die Elektrostahl- (2,3 Mrd. €) und Aluminiumverwerter (700 Mio. €) verantwortlich, die in dem vielen Abfall eine ertragsreiche inländische Mine entdeckt haben. Die Wertschöpfung entsteht dabei zu einem Teil durch die nicht benötigten Rohstoffe wie Eisenerz oder Bauxit. Für die Menge des aus Sekundärrohstoffen produzierten Stahls hätte man den aktuellen Weltmarktpreisen zugrunde liegend Erze für über 1,35 Mrd. € importieren müssen.

Ein noch größerer Wert entsteht in diesem Fall aber durch die eingesparte Energie beim Einsatz der Sekundärrohstoffe, die mit einem kleineren Energieverbrauch zu Metallen verarbeitet werden können als Erze. Der Import von Energierohstoffen kann dadurch insgesamt jährlich um 1,6 Mrd. € reduziert werden. Ebenfalls zur Wertschöpfung tragen u. a. das Recycling von Kunststoffen und die Verwertung von Reststoffen und Verpackungen als energiesparende Ersatzbrennstoffe bei.

Bei der Papierherstellung wird in Deutschland zu über 60 % Altpapier und bei der Glasherstellung sogar über 90 % Altglas eingesetzt. Dem Altpapier muss technisch bedingt zur Qualitätssicherung allerdings immer eine bestimmte Menge an frischen Hölzern und Zellstoffen beigemischt werden. Glas kann hingegen ohne einen nennenswerten Qualitätsverlust fast vollständig aus Altglas hergestellt werden. Aufgrund seiner Eigenschaften könnte die Herstellung von z. B. Stahl und Aluminium größtenteils durch Sekundärrohstoffe erfolgen.

Gesamtwirtschaftlich stellt sich somit die Frage, inwieweit sich Importe von Primärrohstoffen durch Sekundärrohstoffe aus inländischer Herstellung ersetzen lassen. Bei weiter steigenden Rohstoffpreisen und sinkenden Kosten bei der Sekundärrohstoffherstellung lässt sich die inländische Wertschöpfung durch „Urban Mining“ in Zukunft sicherlich noch weiter steigern. „Wie weit sich diese Alternative noch ausbauen lässt, ist je nach Material unterschiedlich,“ gibt Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln, zu bedenken. Wichtig sei jedoch, „dass der Einsatz von Sekundärrohstoffen marktgetrieben erfolgt.“ Versiegen sollte die inländische Mine jedenfalls nicht, da sie ja ganz im Sinne der Kreislaufwirtschaft immer mit neuen Autos, Verpackungen, Gläsern und Papieren angereichert wird. CAESAR SASSE

Von Caesar Sasse

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