Materialeinsparung 08.10.2010, 19:49 Uhr

Mit mehr Ressourceneffizienz könnte die Wirtschaft Mrd. € sparen

Rohstoffe werden knapper und teurer. Politiker in Berlin und Brüssel wollen die Ressourceneffizienz schnell erhöhen und setzen dabei auch auf deutsche Ingenieurskunst. Dass das rohstoffarme Europa von Einfuhren unabhängiger werden könnte, darin waren sich Politik und Wirtschaft auf einer Ressourceneffizienz-Konferenz am Dienstag in Berlin einig.

Deutschland soll die ressourceneffizienteste Volkswirtschaft weltweit werden. Dazu hat Bundesumweltminister Norbert Röttgen auf der Konferenz „Ressourceneffizienz – Motor für grünes Wachstum“ in Berlin vor rund 400 Teilnehmern aufgerufen. Ökologie und Ökonomie könnten dabei nur gewinnen. „Deutschland ist technologisch wie kein anderes Land darauf vorbereitet“, sagte der Minister.

Der deutsche Wohlstand basiere auf Ressourcenverbrauch, so Röttgen. Diesem Wachstumsmodell aber fehle die Perspektive: Übertragen auf alle Entwicklungs- und Schwellenländer stiege bis 2050 der Ressourcenverbrauch um das Fünf- bis Achtfache. „Das hätte massive Folgen für die Umwelt, das soziale Gefüge, die Wirtschaft und den Wohlstand – auch in Deutschland“, mahnte Röttgen.

Dennoch predigte der Minister keinen Verzicht: „Ein zukunftsgerechtes Wachstumsmodell verbindet Umweltschutz und Wirtschaftsentwicklung produktiv, intelligent und schonend miteinander.“ Die Deutsche Materialeffizienzagentur (demea) schätzt, dass sich in der deutschen Volkswirtschaft rund ein Fünftel aller Materialkosten von rund 500 Mrd. € pro Jahr durch effizientere Produktionsabläufe einsparen lassen. Das ist ein Einsparpotenzial von 100 Mrd. € jährlich.

Es geht um zwei Grundstrategien: Erstens sind knappe und umweltbelastende Ressourcen systematisch durch besser verfügbare zu ersetzen, zweitens müssen Wiederverwendung und Recycling Vorrang vor Rohstoffnutzung bekommen.

Vieles ist bereits möglich: 90 % eines Airbus können heute kostendeckend wiederverwendet werden, meint Karl Falkenberg, Generaldirektor der Umweltabteilung der EU-Kommission.

Deutsche Firmen sieht Röttgen gut aufgestellt. Dank kreativer Ingenieure seien sie Weltmarktführer bei grünen Technologien. „Deutschland ist in Sachen niedrigem Rohstoffverbrauch per Capita Spitze“, ergänzte Falkenberg.

BDI-Hauptgeschäftsführer Werner Schnappauf sieht Niedrigenergietechnologien als das neue Wachstumsfeld für die deutsche Wirtschaft. Auch sparsam mit Rohstoffen umzugehen, sei wichtig, aber ohne Ressourcen gehe es nicht, so Schnappauf. So wird für ein Windrad an Land etwa 50 t Stahl verbaut, für ein Windrad auf See schon 500 t.

Für ganz wichtig hält BDI-Chef Schnappauf den freien Zugang zu Rohstoffen. Dieser „ist aber nicht garantiert und die Hoffnung darauf birgt Risiken“, meinte EU-Vertreter Falkenberg. Auch wenn etwa China der Welthandelsorganisation (WTO) beigetreten ist, habe das Land letztlich die Hand auf den Rohstoffen im eigenen Land. „Wir müssen daher umdenken und Ressourceneffizienz vorantreiben“, so der EU-Vertreter. Dazu will Falkenberg externe Kosten internalisieren. Wenn es Unternehmen Geld kostet, die Umwelt zu belasten oder Rohstoffe zu verbrauchen, erhielten Ingenieure den Anreiz, saubere und rohstoffärmere Techniken zu entwickeln. Doch das müsse fair geschehen. Falkenberg: „Jedes Unternehmen weiß, es muss schwarze Zahlen schreiben.“

Das sind keine neuen Gedanken: Bereits 2002 hatte die damalige rot-grüne Bundesregierung in der Nachhaltigkeitsstrategie festgelegt, die Rohstoffproduktivität von 1994 bis 2020 zu verdoppeln und langfristig zu vervierfachen. „Die Verdoppelung bis 2020 werden wir nur mit äußerster Anstrengung erreichen“, so Katharina Reiche, parlamentarische Staatssekretärin im BMU.

Das Ministerium will Ressourceneffizienz zu einem Schwerpunktthema machen. Die Grundlagen dafür liefert das von BMU und Umweltbundesamt initiierte Projekt „Materialeffizienz und Ressourcenschonung“ (MaRess), dessen Ergebnisse auf der Konferenz diskutiert wurden.

Strittig bleibt, wie die Ressourceneffizienz erhöht werden kann. „So viel Markt und so wenig Staat wie möglich“, meint BDI-Chef Schnappauf. Er glaubt, die Weltwirtschaft habe die Zeichen der Zeit bereits erkannt, die Politik müsse nur stabile Rahmenbedingungen setzen.

Schnappauf sieht in den Empfehlungen des Projekts zur Materialeffizienz zu viele dirigistische Ansätze wie die Steuer auf Baurohstoffe – eine von 22 Empfehlungen. Das Projekt setzt außerdem auf mehr Beratung vor allem für kleine und mittelständische Unternehmen, bessere Ausbildung und Nachfragebündelung.

„Wir wollen die Produktivitätspotenziale wachrufen, um die Wettbewerbsfähigkeit sicherzustellen“, erläuterte Uwe Schneidewind, Präsident des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie, das das MaRess-Projekt geleitet hat.

Keine Frage: Effiziente Ressourcennutzung und Unabhängigkeit von Einfuhren sind gerade für das rohstoffarme Europa wichtig. Minister Röttgen, EU-Vertreter Falkenberg und BDI-Mann Schnappauf waren sich einig, dass sich die Ressourceneffizienz schnell genug steigern lasse.

Doch es gab nachdenklichen Widerspruch. „Es ist tollkühn zu glauben, es wird schon gutgehen“, sagte Meinhard Miegel, Vorstandsvorsitzender der Denkfabrik Zukunft. Er fragte, wie viel ressourcenverbrauchendes Wachstum die alternde europäische Gesellschaft wirklich brauche. Letztlich müssten auch die Menschen die kommenden Veränderungen akzeptieren. „Es geht um nichts anderes als um unsere Kultur“, so Miegel. RALPH AHRENS -Seite 4

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