Rohstoffe 22.01.1999, 17:20 Uhr

Metalle und Energie weltweit im Preis-Tief

Viele Rohstoffe sind jetzt so preiswert zu haben wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Metalle und Energieträger als Einsatzgut der Industrie kosten wenig, weil Nachfrage und Produktion nicht im Gleichgewicht sind. Hans-Dieter Karl vom Wirtschaftsforschungsinstituts Ifo, analysiert die aktuelle Situation und gibt seine Prognose für 1999.

Direkte negative Rückwirkungen auf die Konjunktur der Industrieländer sind von den Preisen für Metalle und Energierohstoffe nicht zu erwarten. Allerdings können sich spürbare indirekte Effekte daraus ergeben, daß zahlreiche Rohstoffländer wegen ihrer teilweise dramatisch gesunkenen Einnahmen die Anschaffungen von Industriegütern stark reduzieren.
Die Wirkungskette läuft ja gerade umgekehrt: Die wirtschaftliche Krise in wichtigen ostasiatischen Ländern und die Abschwächung des Wachstums in großen Industrieländern haben zu einem verringerten Rohstoffbedarf geführt. Gleichzeitig sind das Rohstoffangebot und zum Teil auch die Lagerbestände unvermindert hoch. Diese Situation ist zwar typisch für einen bevorstehenden konjunkturellen Abschwung, doch kommen muß der nicht. Auf jeden Fall aber werden die Weltrohstoffpreise – Notierungen im allgemeinen in US-Dollar – in einem wesentlichen Umfang von den weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen beeinflußt. Und hier ist zu erwarten, daß 1999 das reale Bruttosozialprodukt in den OECD-Ländern ebenso wie der Welthandel schwächer wachsen werden als im vorigen Jahr.
Das Münchener Wirtschaftsforschungsinstitut Ifo rechnet nach seiner Mitte Dezember 1998 veröffentlichten Prognose mit folgender Entwicklung: Die Wirtschaft der USA, die in diesem Jahr mit rund 3 % stärker gewachsen sein dürfte als der Durchschnitt der OECD-Länder wird 1999 nur noch mit 2 % expandieren. Das reale Bruttosozialprodukt Japans wird nach -3 % im letzten Jahr auch noch 1999 schrumpfen (-1 %). Die Perspektiven der aufgrund von Währungskrisen und Börsenturbulenzen eingetrübten Wachstumsaussichten in südostasiatischen Ländern sind weiter ungünstig ihre Wirtschaftsleistung wird 1999 zusammengenommen um etwa 1 % geringer ausfallen. Für Westeuropa wird erwartet, daß das Wirtschaftswachstum von 2,7 % im vergangenen auf 1,9 % im laufenden Jahr zurückgehen wird die deutsche Wirtschaft dürfte 1999 nur noch um 1,7 % wachsen.
Das alles zusammengerechnet: Die Nachfrage der Verarbeiter nach Metallen wird 1999, bei einem deutlich verringerten Wachstum der Industrieproduktion in den OECD-Ländern, nur leicht steigen. Besonders stark haben sich die NE-Metalle verbilligt im Dezember 1998 notierten sie um fast 17 % unter dem Niveau vom Jahresbeginn. 1999 werden sie im Durchschnitt um etwa 4 % niedriger sein als 1998. Die schwächere Nachfrage der ostasiatischen Länder wirkt enorm auf die Preisbildung: Vom weltweiten Anstieg des Bedarfs an NE-Metallen zwischen 1991 und 1996 entfiel nämlich rund die Hälfte auf Ostasien (ohne Japan).
Die Lage in Ostasien veränderte auch die Nachfrage nach Nickel für nichtrostende Stähle (vor allem in Japan). Nach einem Anstieg um nahezu 3 % in 1998 ist auch für das laufende Jahr nur mit einem geringen Zuwachs zu rechnen. Auf der anderen Seite nimmt das Angebot zu, da Minen in Kanada und Australien, die zu niedrigen Kosten fördern können, ihre Produktion ausdehnen. Außerdem könnte es aufgrund der Abwertung des Rubel lohnend sein, Nickelschrott aus Rußland zu beziehen. Vor diesem Hintergrund erreichte der Nickelpreis im Dezember 1998 ein Jahrestief und zugleich den niedrigsten Stand seit zwölf Jahren.
Asien bestimmt auch die Preise beim Kupfer. Schon im zweiten Halbjahr 1997 waren sie stark gefallen; sie gingen 1998 weiter zurück. Denn während die Nachfrage in Europa besonders hoch und in Nordamerika recht stabil war, ging sie in Asien zurück. 1998 wurde die Kupferproduktion in der westlichen Welt auch deshalb mit 3 % weniger stark erhöht als 1997, weil mehrere arbeitsintensiv und zu hohen Kosten produzierende Erzeuger in Afrika den Betrieb ganz oder zeitweilig eingestellten. Die Kupferpreise dürften im Durchschnitt kaum höher sein als 1998.
Auch beim Leichtmetall Aluminium ist kein Höhenflug zu erwarten. Gegenwärtig notiert Aluminium in der Nähe der Jahrestiefststände, und aufgrund hohen Lagerbestände sind keine Anzeichen für eine Trendwende zu erkennen. Die Aluminiumproduktion in den westlichen Industrieländern, die 1998 wenig gestiegen ist, wird voraussichtlich im laufenden Jahr wieder stärker ausgeweitet das drückt auf die Preise. Die Aluminiumnotierungen werden 1999 im Durchschnitt um etwa 5 % niedriger sein als 1998.
Besonders stark ergriffen von den Produktions- und Preiszyklen wird stets die Stahlindustrie. Das beginnt schon mit dem Eisenerz: Die Kontraktpreise liegen derzeit um 10 % unter dem 1991 erreichten Preishoch. Impulse für einen Anstieg der Eisenerzpreise kann auch der Stahlmarkt nicht liefern. Denn die japanischen Produzenten befinden sich in einer tiefen Krise und versuchen vor allem niedrige Preise auszuhandeln.
Die Lage in Europa und den USA ist zwar besser, aber der starke Rückgang der Stahlschrottpreise zieht die Erzpreise mit sich. Zudem hat der technische Fortschritt dazu geführt, daß Stahlschrott auf Kosten von Eisenerz eingesetzt wird. Vor diesem Hintergrund wird für 1999 ein um 5 % geringerer Preis für Eisenerz erwartet.
Im Wettlauf zwischen Erz und Schrott sank der Preis für Stahlschrott im dritten Quartal 1998 auf den niedrigsten Stand seit 1992. Es ist zu erwarten, daß die Notierungen für Stahlschrott nach dem Rückgang im vergangenen Jahr auch 1999 um etwa 15 % bis 20 % fallen werden.
Bei den Energieträgern machen sich die asiatischen Turbulenzen nicht in dem Maße bemerkbar wie bei den Metallen. Der starke Rückgang der Preise von Energierohstoffen in 1998 ist zwar vorwiegend auf die Entwicklung beim Rohöl zurückzuführen, aber zu der länger als ursprünglich erwartet dauernden wirtschaftlichen Krise in Südostasien und Japan kommt noch das schwächere Wirtschaftswachstum in den Industrieländern – sowie hier noch dazu ein vergleichsweise milde Winter in der nördlichen Hemisphäre.
Die beträchtliche Ausweitung der Förderung zur Jahreswende 1997/98 hatte bei einer schwächeren Nachfrage zu einem massiven Verfall der Rohölpreise geführt. Da sich die Förderdisziplin der Opec-Mitglieder verschlechterte, rutschten die Ölpreise in den Bereich von 10 Dollar pro Barrel (1 Barrel = 159 l) ab. Im Dezember 1998 notierte das Rohöl somit um 40 % niedriger als vor einem Jahr. Aufgrund der jüngsten Entwicklungen – Luftangriffe auf den Irak und Wintereinbruch in den USA – tendierte der Rohölpreis Anfang Januar 1999 aber wieder fester.
Ein Preisanstieg setzt voraus, daß sich die Opec-Mitglieder an niedrigere Förderquoten halten. Aber auch dann wird der durchschnittliche Rohölpreis 1999 nicht die durchschnittlichen Notierungen von 1998 in Höhe von rund 13,5 Dollar pro Barrel erreichen.
HANS-DIETER KARL / KÄM

Von Hans-Dieter Karl/Käm

Stellenangebote im Bereich Kunststofftechnik

MED-EL Medical Electronics-Firmenlogo
MED-EL Medical Electronics Mechanical Design Engineer (m/f) Innsbruck (Österreich)
CABKA GmbH & Co. KG-Firmenlogo
CABKA GmbH & Co. KG Leiter Instandhaltung (m/w/d) Weira bei Pößneck
Bundeswehr-Firmenlogo
Bundeswehr Ingenieurin / Ingenieur (m/w/d) im gehobenen Technischen Dienst – Trainee – deutschlandweit
Bundeswehr-Firmenlogo
Bundeswehr Leitende Ingenieurin / Leitender Ingenieur (m/w/d) im höheren Technischen Dienst – Trainee – deutschlandweit
Bundeswehr-Firmenlogo
Bundeswehr Technische Projektmanagerin / Technischer Projektmanager (m/w/d) in der Bundeswehrverwaltung deutschlandweit
Sensocab Kabelproduktion GmbH-Firmenlogo
Sensocab Kabelproduktion GmbH Entwicklungs-/Prozessingenieur (m/w/d) Nagold
ITW Industrie-Technik Werth GmbH-Firmenlogo
ITW Industrie-Technik Werth GmbH Ingenieur / Techniker Konstruktion (m/w/d) Birstein
Hochschule Aalen - Technik und Wirtschaft-Firmenlogo
Hochschule Aalen - Technik und Wirtschaft W2 Professur Nachhaltige Werkstoffe in der Kunststofftechnik Aalen
Hochschule Merseburg / Fraunhofer-Institut für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen IMWS-Firmenlogo
Hochschule Merseburg / Fraunhofer-Institut für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen IMWS Professur (W2) Kunststoffverarbeitung / Leitung des Geschäftsfeldes "Polymeranwendunge" des Fraunhofer IMWS Merseburg

Alle Kunststofftechnik Jobs

Top 5 Rohstoffe

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.