Kraftstoff 30.11.2007, 19:31 Uhr

Mehr Biomasse in den Tank  

VDI nachrichten, Berlin, 30. 11. 07, wop – Mehr Bio im Tank verspricht die in der vergangenen Woche verabschiedete „Roadmap Biokraftstoffe“. Bundesumwelt-, Landwirtschaftsministerium, Automobil- und Mineralölindustrie einigten sich auf ein Konzept.

Benzin und Diesel sollen bis 2020 20 % Biokraftstoffe beigemischt werden. Mit der Anhebung erhöht die Bundesregierung das Ziel der EU um 100 %. 2006 lag der Anteil in Deutschland noch bei 6,3 %. Doch bereits dieser Anteil habe zur einer Einsparung von 12,7 Mio. t CO2 geführt.

Die höhere Beimischungsquote soll in kleinen Schritten erfolgen. Die Steigerung auf 10 % für Ottomotoren sei unproblematisch, da dem Benzin mehr Ethanol zugefügt wird. Für Dieselautos wird dem Kraftstoff insgesamt 7 % Biodiesel und dem Erdöl bei der Dieselherstellung 3 % Pflanzenöle beigemischt. Diese Biokraftstoffe der 1. Generation sollen nicht für den großen Sprung auf die 20-%-Marke eingesetzt werden, da „setzen wir auf die Biokraftstoffe der 2. Generation“, sagte Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), vor der Presse in Berlin. Er hob die Leistung der Ingenieure und Entwickler seiner Branche hervor, die erst herausfinden mussten, was die Autos schadlos tanken können.

Das Zusammenspiel von Industrie und Politik funktionierte für diese Strategie hervorragend, hieß es bei den Beteiligten. Beschlossen wurde nicht nur die Steigerung des Anteils der Biokraftstoffe, sondern auch eine Netto-Berechnung. Für die Umweltbilanz wird deshalb der Anteil der CO2-Emissionen angerechnet, der bei der Herstellung und für den Transport benötigt wird.

Die ehrgeizige 20-%-Marke kann allerdings nur erreicht werden, wenn die Entwicklung der Biokraftstoffe der 2. Generation (Biomass-to-Liquid = BtL) erfolgreich ist. Die bislang erste Demonstrationsanlage der Firma Choren in sächsischen Freiberg soll noch dieses Jahr in Betrieb gehen. Mittlerweile beteiligen sich Daimler, Shell und VW an Choren, um möglichst zügig BtL-Kraftstoffe der 2. Generation auf den Markt zu bringen.

Der Bau einer Großanlage ist dennoch Zukunft. Die BtL-Produzenten erwarten Planungssicherheit von der Politik. Und in diesem Fall heißt Sicherheit, einen Ersatz zu finden für die auslaufende Steuerbegünstigung.

Die Roadmap-Strategen haben deshalb beschlossen, Investitionsanreize via Verordnung zu regeln. Wenn ab 2015 die derzeitige Steuerbegünstigung endet, greife die „Dekarbonisierungsstrategie“: Kraftstoff wird nach der Treibhausgasminderung bewertet und so könnten Biokraftstoffe mit einer entsprechend guten Bilanz einen höheren Anrechnungsfaktor erhalten.

Auch den Biokraftstoffgegnern soll die Roadmap keinen weiteren Anlass zur Kritik bieten. So soll eine geplante Einfuhrkontrolle künftig bei Biomasse-Importen auf deren umweltfreundlichen Anbau bzw. Erzeugung achten.

Die Lebensmittelproduktion werde nicht unter den neuen Quoten leiden, versicherte Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer. Denn nicht nur die Wälder und Moore sollen geschützt werden, es werden künftig auch nur solche BtL-Kraftstoffe steuerlich gefördert und angerechnet, wenn sie nicht konkurrierend zur Lebensmittelproduktion angebaut werden. Auch in Deutschland gibt es laut Seehofer ausreichend Fläche.

Der Landwirtschaftsminister würde außerdem gerne den Finanzminister davon überzeugen, die geplante Steuererhöhung für Biodiesel auszusetzen. Ab 2008 ist bis 2012 eine jährliche Erhöhung von 6 Ct./l für Biodiesel eingeplant. Der steuerliche Anreiz gegenüber herkömmlichen Kraftstoffen würde damit entfallen. B. BÖHRET/WOP

Einfuhrkontrollen sollen bei Biomasse-Importen auf deren umweltfreundliche Erzeugung achten

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