Öl 13.01.2006, 18:42 Uhr

Leck Ursache des Londoner Öl-Feuers  

Es war wohl ein Leck. Es entstand ein explosives Luft-Gas-Gemisch. Doch welches Ereignis der zündende Funke war, dürfte unbekannt bleiben.

Selbst in 50 km Entfernung war am 11. Dezember 2005 der Knall zu hören, als im riesigen Tanklager von Buncefield, nördlich von London, die erste Explosion stattfand. Die britische Polizei zögerte anfangs, überhaupt Ermittlungen über die Ursache des Großbrandes aufzunehmen. Aus ihrer Sicht war es klar ein Unfall, für den sich wohl kaum ein Verantwortlicher finden lassen würde.

Die britische Gewerbeaufsicht (Health & Safety) hatte erst kurz zuvor in Buncefield die örtlichen Vorkehrungen zur Bekämpfung von Großbränden überprüft. Dabei hatte sie keinerlei Anlass zur Kritik gesehen, wie der stellvertretende Vorstandschef von Health & Safety, Justin McCracken, bestätigte.

Mittlerweile hat die Behörde in Buncefield eine der größten Untersuchungen ihrer Geschichte eingeleitet. Dazu führte nicht zuletzt, dass es in Großbritannien noch weitere fünf riesige Tanklager gibt, die allesamt mehr oder weniger Buncefield ähneln. In die Untersuchungen ist auch die britische Umweltschutzbehörde eingeschaltet.

Stichwort Umweltschutz: Zu den Merkwürdigkeiten der Katastrophe von Buncefield zählt, dass der Schaden für die Umwelt tatsächlich vergleichsweise gering zu sein scheint. Dass er so gering ausfiel, wird vor allem auf die Großwetterlage zurückgeführt. Sie führte dazu, dass der Qualm nicht in Erdnähe blieb, sondern vergleichsweise schnell in größere Höhen abzog und dort von den dort herrschenden Winden in alle Richtungen verweht wurde.

In der technischen Untersuchung der Unglücksursache, die neben der britischen Gewerbeaufsicht auch andere Stellen – beispielsweise das Ingenieurbüro Octo und die Universität von Lochborough – einschließt, herrscht inzwischen Einigkeit darüber, dass sich ein Luft/Gas-Gemisch entwickelt hat, das dann entzündet wurde. Letzteres kann durch einen Funken oder eine Wärmequelle geschehen sein.

Als besonders nahe liegend gilt die Entzündung durch ein Mobiltelefon. Viel wichtiger als die ohnehin nicht mehr absolut sicher zu klärende Auslösung der Explosion ist die Untersuchung, wie sich das Luft/Gas-Gemisch bilden konnte.

Professor Trevor Kletz von der Universität Lochborough, der als Spezialist für Explosionsunglücke in der Industrie gilt, betont, dass Dämpfe von Ölprodukten zwar leicht brennen, aber kaum je im Freien explodieren. Damit es zu einer Explosion käme, müssten zehn bis 20 Einheiten Luft mit einer Einheit Ölprodukt-Dampf gleichmäßig gemischt sein. Wie sich eine solche gleichmäßige Mischung bilden könnte, ist bisher weitgehend ein Rätsel.

Denkbar wäre nur, dass ein Leck in einem der Tanks über Stunden die Bildung von wenigstens 10 t Ölprodukte-Gas erlaubt hat, das sich dabei in der richtigen Relation mit Luft vermischt hat. In der Nähe einer Wärmequelle wäre diese Mischung leicht bis zu 100 m in die Höhe gestiegen, statt wie normal auf den Boden zu sinken. In der Kombination mit starker Wärme wäre dann eine Explosion mit einer gewaltigen Schockwelle durchaus vorstellbar.

Helen Shannon, Vorstand des Ingenieurbüros Octo, stimmt dem zu. Sie betont allerdings, dass für die geschilderte Gasbildung erhebliche Mengen Öl ausgetreten sein müssten, so dass die Sensoren der Tanks und Leitungen eigentlich hätten Alarm geben müssen.

Da die Hauptprodukte des Tanklagers – Fahrbenzin, Diesel und Kerosin – allesamt nicht einfach explodieren, geht Shannon davon aus, dass durch eine Fehlbedienung irgendwo im Tanklager eine stark explosive Komponente hinzugekommen ist, die dann erst das volle Ausmaß der Katastrophe ermöglichte. Shannon tippt dabei auf Butan.

Der starke wirtschaftliche Schaden, der von der Katastrophe in Buncefield ausgeht, betrifft nicht nur den Hauptbetreiber Total, deren Partner Texaco und die Abnehmer von Kraftstoffen für den Automobilbetrieb. So ist der Flughafen Heathrow Leidtragender.

Von Buncefield aus wurde über zwei getrennte Produktleitungen London Heathrow, Europas größter Flughafen, versorgt. Durch den Leitungsausfall ist Heathrow nach Auskunft des Flughafenbetreibers BAA auf Monate hinaus gezwungen, die Treibstoffversorgung der Fluggesellschaften zu rationieren.

Je nach Flugstrecke erhalten die Luftfahrtgesellschaften bis auf weiteres nur zwischen 40 % und 84 % ihres normalen Treibstoffbedarfs. Mit dieser Begrenzung ist der Ausfall der Belieferung aus Buncefield ausgeglichen. Der übrige Treibstoff kommt zum großen Teil mit Kesselwagen per Bahn.

Bis neue Leitungen Buncefield ersetzen, wird es wohl Spätsommer oder Frühherbst werden. Die Treibstoffrationierung in Heathrow bedeutet nun, dass einzelne Luftverkehrsgesellschaften von Heathrow aus nicht mehr nonstop fliegen können, sondern woanders in Europa oder Großbritannien zum Auftanken zwischenlanden müssen. So gehen etwa die Maschinen von Cathay Pacific nach Hongkong vielfach in Amsterdam runter. PETER ODRICH

Von Peter Odrich
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