Kraftstoff 14.12.2007, 19:32 Uhr

Kein freier Markt für Biokraftstoff  

Die USA belegen den Biosprit aus Brasilien mit mindestens 25 % Importzoll, die EU erhebt sogar Einfuhrabgaben von rund 50 %. Die Argumente der Agrarlobby für den Schutz der heimischen Biokraftstoffproduktion wirken ebenso wenig überzeugend wie die unterschiedlichen Begründungen für weitere Subventionen.

Unter dem Strich spart der in Europa teuer aus Rapsöl gewonnene Rapsmethylester (PME), umgangssprachlich Biodiesel, gegenüber Mineralölkraftstoff gerade 13 % an klimarelevanten Spurengasen. In den USA sieht die Bilanz auch nicht viel besser aus: Aus Mais gewonnener Ethanolkraftstoff emittiert nur 18 % weniger als herkömmliches Benzin. Die Emissionswerte gelten zudem je Liter und sind nicht nach Fahrleistung gemessen. Häufig liegen die Reichweiten von Biokraftstoffen wegen ihres geringeren Brennwertes deutlich unter denen aus Mineralöl.

Das in Genf angesiedelte International Institute for Sustainable Development (IISD) kommt in seinem jüngsten Report über globale Subventionspraktiken bei Bioenergie zu vernichtenden Ergebnissen. Danach habe die jährlich rund 15 Mrd. $, etwa 13 Mrd. € teure Förderung von Biokraftstoff in den Ländern der Organisation for Economic Cooperation and Development (OECD) noch nicht einmal 3 % ihres benötigten Kraftstoffs gesichert.

Um den Biokraftstoffanteil auf die von einigen Ländern angepeilten 30 % zu bringen, seien mindestens 150 Mrd. $ erforderlich. Die Höhe der in den einzelnen Ländern gezahlten Subventionen variiert laut IISD dabei erheblich. So liegen die Zuschüsse für Bioethanol in den USA zwischen 0,29 $/l und 0,36 $/l, in der EU bei 1 $/l. Bei Biodiesel reicht die Spanne der Subventionen je Liter von 0,20 $ in Kanada bis hin zu 1 $/l in der Schweiz.

Das Genfer Institut setzt zugleich mit den Argumenten der Biokraftstoff-Befürworter in fünf Punkten kritisch auseinander:

1. Finanzhilfen für Bioenergie reduzieren andere Agrarsubventionen nicht, sondern addieren sich vielmehr hinzu.

2. Kraftstoffpreise können durch die Konkurrenz von teurem Biosprit keineswegs unter Druck geraten.

3. Biokraftstoff erhöht die Versorgungssicherheit keineswegs, sondern hängt im Aufkommen vom Wetter ab und steht in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion.

4. Die Einsparung von Treibhausgasen kostet über Biosprit zwischen mindestens 150 $/t und in der Spitze bis zu 10 000 $/t – das lässt sich billiger über andere Wege erreichen.

5. Subventionen braucht Biokraftstoff nur für die nötige Infrastruktur – laut IISD ein Widerspruch in sich. Wenn sich Biokraftstoff ohne Subventionen rechnete, würden Investoren schon selbst dafür sorgen, dass er verstärkt auf den Markt kommt.

Ein Patentrezept bieten die Schweizer Analysten auch nicht. Sie sprechen aber klare Empfehlungen aus. Und die konzentrieren sich vor allem auf den Anbau und die Vermehrung von Pflanzen, die nicht in Konkurrenz zur Erzeugung von Nahrungsmitteln stehen und möglichst wenig Wasser brauchen, sprich auch andere natürliche Ressourcen zu schonen helfen.

Der Schweizer Syngenta-Konzern hat dafür die tropische Zuckerrübe entwickelt und sie im Großversuch bereits in Indien erprobt. Mindestens ebenso interessant erscheint Jathropha, eine bisher vor allem wild wachsende Buschpflanze, aus deren Früchten und Samenkörnern sich Öl für Biodiesel gewinnen lässt. Die Reste und andere Teile der Jathropha lassen sich vor Ort zur Stromerzeugung nutzen.

So erfolgreich die internationalen Versuche mit Jathropha auch ausfallen – bisher stößt Kraftstoff aus Jathropha, wie überhaupt aus Drittländern stammender Biokraftstoff – auf hohe Importbarrieren in der EU wie in den USA. Jetzt erst geben sich C. Boyden Gray, der EU-Botschafter der USA, und die EU-Kommission Mühe, einen zunächst bilateralen Abbau der Hemmnisse und bürokratischen Hürden zu erreichen.

Gray sieht zwar die Europäer noch nicht von ihrem Schwerpunkt Rapsöl bei der Produktion von Biodiesel abgehen und kennt andererseits die Bedenken gegen das in den USA bevorzugte – und subventionierte – Gemisch aus 99 % Sojaöl und 1 % Mineralöl. Aber er geht trotzdem davon aus, dass die beiden Blöcke eine Marktöffnung für Jathropa-Öl zustande bringen. Das wäre für die Genfer IISD endlich mal ein Erfolg in die Richtung einer wirklich nachhaltigen Energie-Politik.

PETER ODRICH

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