Kohle 21.03.2003, 18:24 Uhr

Hightech-Kokerei stärkt Stahlstandort Duisburg

Mit dem Drücken des ersten Kokses nach 25 h Garung ging vorige Woche eine umweltfreundliche Kokerei in Betrieb; sie ersetzt die ursprünglich aus 1897 stammende August-Thyssen-Kokerei, die ein Dauerbrenner in Duisburgs Umweltszene war. Die Anlage mit Wasserkühlung kostete 800 Mio. €. Trockenkühlung mit Stickstoff wird nicht verwendet, aber die Emissionswerte stimmen auch so.

Bärbel Höhn kam denn doch, und alles wurde endlich gut: „Die Inbetriebnahme sorgt für eine erhebliche Verringerung der Schadstoffbelastung“, betonte die Ministerin für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen, bei Inbetriebnahme der umweltfreundlichen Kokerei in Duisburg-Schwelgern. 1996 seien in der Umgebung der alten Kokerei hohe Immissionswerte festgestellt worden. Die hohe Belastung der Wohnnachbarschaft habe eine Einschränkung des Betriebs dieser alten Kokerei erforderlich gemacht.
„Ich werte es als wichtiges Zeichen, dass Ihr Unternehmen damals bereit war, von den insgesamt sechs Koksofenbatterien die drei ältesten stillzulegen“, ergänzte Höhn. Trotz dieses Schritts sei klar gewesen, dass die technischen Möglichkeiten der alten Kokerei ausgereizt waren und eine zufrieden stellende Lösung nur durch Neubau zu finden war. Dies habe sich auch deshalb angeboten, weil nur so die Umsetzung des modernsten Standes der Technik möglich wurde.
Die neue Anlage soll den Nachschub an hochwertigem Hüttenkoks für die beiden benachbarten Großhochöfen von ThyssenKrupp Stahl (TKS) in Schwelgern sicherstellen. „Duisburg profitiert in zweifacher Weise von der neuen Kokerei, und zwar ökonomisch wie ökologisch”, sagte TKS-Vorstandsvorsitzender Karl-Ulrich Köhler am 13. März bei der Einweihung der Kokerei. Damit, so Köhler, leiste sie einen wichtigen Beitrag zur Zukunftssicherung des bedeutendsten Stahlstandorts in Europa.
Die augenblicklich modernste und sauberste Kokerei der Welt wird pro Jahr 3,8 Mio. t Kokskohle verarbeiten und daraus 2,5 Mio. t Hüttenkoks erzeugen. Die Investition erhält rund 300 Langzeitarbeitsplätze.
Ein völliger Verzicht auf eine Kokerei und der Zukauf von fertigem Koks hätte erhebliche Nachteile für den Standort bedingt, da in dem integrierten Stahlwerk die Prozesse zur Eisen-, Stahl- und zur Kokserzeugung miteinander verzahnt sind: „Die Koksöfen in Schwelgern verbinden die Unterfeuerungsmöglichkeiten von Schwach- und Starkgas”, weiß Peter Liszio, Geschäftsführer der KBS Kokereibetriebsgesellschaft Schwelgern GmbH. Im normalen Betrieb werden sie mit einem Gasgemisch aus dem Gichtgas der Hochöfen und dem Konvertergas der Stahlwerke „unterfeuert“, können im Notfall aber auch mit dem selbst produzierten Koksgas betrieben werden. Das gereinigte Gas – pro Stunde immerhin 155 000 m3 – wird in das Leitungsnetz von TKS eingespeist und für die verschiedensten Prozesse genutzt.
„Alle Koksofenbedienungsmaschinen werden automatisch – nach Einfahrphase sogar mannlos – betrieben”, erläutert Liszio. Die Regelung der einzelnen Öfen läuft über ein BatControl-Modul mit Expertensystem, das nach Mengen, Betriebsbedingungen, Kohleeigenschaften und Heizgaszusammensetzung die benötigte Wärmemenge für die Einzelöfen berechnet.
GasControl ist ein Modellrechnersystem im Bereich der Gasbehandlungsanlagen für das Koksgas. Dieses lernfähige Expertensystem bildet rechnerintern sämtliche Gasbehandlungsprozesse auf Basis verfahrenstechnisch-mathematischer Beschreibungen ab. Somit läuft auf den Bildschirmen der Operators neben dem Realprozess stets ein virtueller „Best-Prozess“ ab. Der Operator kann so den Realprozess an diesen „Best-Prozess“ annähern.
„Der Schutz der Umwelt hat gerade im Bereich des Ofenbetriebs absoluten Vorrang“, betont Peter Liszio von der Betriebsgesellschaft. Höchsten Wert habe man dabei auf die Minimierung von Rohgasemissionen aus den Koksofenbatterien gelegt. Großer Aufwand wurde auch zur Vermeidung von staubförmigen Emissionen betrieben. Alle beim „Koksdrücken“ und Neubefüllen auftretenden staubförmigen Emissionen werden durch Entstaubungsanlagen erfasst.
Um staubförmige Emissionen beim Nasskühlen des glühenden Kokses mit zu minimieren, erhielten die Kühlturme Staubabscheider und Waschstufen. Der gekühlte Koks wird über abgedeckte Bandanlagen abtransportiert.
Bauherr und Eigentümer der neuen Kokerei ist nicht ThyssenKrupp Stahl, sondern die Carbonaria Beteiligungsgesellschaft sie hat die Kokerei auf 16 Jahre an die Pruna Betreibergesellschaft vermietet. Pruna sichert den Betrieb mit Hilfe der KBS Kokereibetriebsgesellschaft Schwelgern (eine 100 %ige Tochter der ThyssenKrupp Stahl AG) und vermarktet Kuppel- und Nebenprodukte wie Koksgas, Dampf, Benzol.
Gesellschafter von Carbonaria und Pruna sind indirekt die CommerzLeasing in Düsseldorf und die HannoverLeasing in München, wohinter wieder Banken stehen.
Entscheidende Aufgabe der Leasinggesellschaften zusammen mit den Banken war es, die Finanzierung sicher zu stellen und als konzernfremde Unternehmen Eigenkapital in Carbonaria und Pruna einzubringen. Insgesamt besteht das Bankenkonsortium aus der Commerzbank, der Hessischen Landesbank, der Bayerischen Landesbank, der Westdeutschen Landesbank und insbesondere der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW).
Ein Projekt dieser Größenordnung wäre selbst für ein Unternehmen wie ThyssenKrupp Stahl allein nicht zu stemmen gewesen. Die Schulden hätten das ohnehin kritische Rating des Stahlkonzerns verschlechtert. Hinzu kamen Risiken aufgrund des sehr schleppenden Genehmigungsverfahrens. Dies verursachte Verzögerungen sowie hohe Zusatzkosten.
„Vergleicht man allgemein die Kreditzusagepraxis der Banken heute und vor vier Jahren, so würde es heute sicherlich schwerer fallen, ein Projekt dieser Größenordnung finanziert zu bekommen“, formuliert sehr vorsichtig Carbonaria-Geschäftsführer Norbert Fath. KLAUS VOLLRATH/KÄM

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