Kraftstoff 01.02.2008, 19:32 Uhr

Getreide auf den Tisch, Stroh und Spreu in den Tank  

die CO2-Minderungspotenziale, die Nahrungsmittelkonkurrenz und der Raubbau am Regenwald zugunsten von Biokraftstoffen.

Wir sind gegen die systematische Einführung von Agrosprit“, erklärte Greenpeace-Waldexperte Martin Kaiser am 24. Januar auf dem „Shell Energie-Dialog“ in Berlin. Die massenhafte Erzeugung pflanzlicher Kraftstoffe habe ökologisch und sozial sehr negative Folgen, und im Sinne des Klimaschutzes sei es viel sinnvoller, Biomasse stationär zu nutzen.

Beim letzten Punkt mochte Kurt Döhmel, Geschäftsführungsvorsitzender Deutsche Shell Holding, nicht widersprechen: „Natürlich ist es aus Ingenieursicht das einzig Sinnvolle, Biomasse in Blockheizkraftwerken mit Kraft-Wärme-Kopplung einzusetzen“, stellte er klar. Doch die politische Realität lasse sich nicht ausblenden. Und die Politik schreibe der Mineralölwirtschaft heute in vielen Ländern feste Biokraftstoffquoten vor. „Allein Shell hat letztes Jahr 2,6 Mio. t Biokraftstoffe der 1. Generation verkauft, um lokale Gesetze zu erfüllen“, sagte Döhmel.

Verkehrte Welt? – Es gab zwar manche Übereinstimmung zwischen Shell und Greenpeace, so auch in der klaren Ablehnung des Handels mit Palmöl aus gerodeten Regenwäldern. Doch die Differenzen waren unüberhörbar. Als Manager eines Konzerns, der mittlerweile an fünf Unternehmen beteiligt ist, die Verfahren und Enzyme zur Herstellung von Biokraftstoffen der 2. Generation entwickeln, teilte Döhmel die generelle Absage an „Agrosprit“ natürlich nicht: „Angesichts des globalen Zuwachses an Kraftfahrzeugen und des drastisch steigenden Energiebedarfs brauchen wir diese Kraftstoffe“, betonte er.

Es dauere leider sicher noch ein Jahrzehnt, so Döhmel, bis Firmen wie die deutsche Choren Industries und die kanadische Iogen Corp. Kraftstoffe aus Holz, Stroh und anderen Pflanzenresten in großem Stil erzeugen könnten: „Wir brauchen noch Jahre, die in kleinem Maßstab funktionierenden Verfahren auf Industrieniveau zu bringen.“ Bis dahin seien Kraftstoffe der 1. Generation die einzige Alternative, und auch danach sei mit hartem Wettbewerb zwischen Generation Eins und Zwei zu rechnen.

Die 1. Generation nannte Prof. Thomas Straubhaar, Direktor des Hamburger Weltwirtschaftsinstituts (HWWI), „einen großen ökologischen und ökonomischen Unsinn“. Wenn etwa die Südzucker AG in Zeitz – im südlichsten Zipfel von Sachsen-Anhalt, zwischen Gera und Leipzig – Weizen mit Prozesswärme aus Braunkohle zu Bioethanol verarbeite, dann liege der CO2-Ausstoß um 30 % höher als bei fossilem Ottokraftstoff. Um „solchen Unsinn zu vermeiden“, schlug Straubhaar eine Zertifizierung unter Berücksichtigung sämtlicher Prozesse von Feld bis in den Tank vor. Eine Förderung solle sich nach einem Bonus-Malus-System am CO2-Minderungspotenzial orientieren, forderte Straubhaar. Die Zertifizierung dürfe es allerdings nicht zum Nulltarif geben, denn sie setze u. a. dauerhaftes Monitoring voraus.

Greenpeace-Vertreter Kaiser bewertete diesen Ansatz skeptisch. Um das EU-Ziel von 20 % biogenen Kraftstoffen bis 2020 zu erreichen, müsse Europa kurz- bis mittelfristig rund 60 % der Gesamtmenge importieren. „Doch tragfähige Zertifizierungs- und Monitoringsysteme sind nicht in Sicht“, meinte er. Dafür heize der globale Biokraftstoffboom den Raubbau an den Regenwäldern massiv an. Kaiser : „Um das zu stoppen, müssen die Beimischungsquoten sofort weg.“ Entwaldung sorge schließlich für ein Fünftel des globalen CO2-Austoßes und zerstöre unwiderruflich die Artenvielfalt der Regenwälder.

„Ich teile die Analyse, aber nicht die politische Schlussfolgerung“, erwiderte Josef Göppel, der für die CSU im Umweltausschuss des Deutschen Bundestages mitwirkt. Europa brauche Biomasse für Strom, Wärme und Mobilität und müsse sie auch importieren. Die Opec habe angekündigt, schon 2024 nicht mehr die Nachfrage nach Öl decken zu können. Die Politik müsse Strategien entwickeln, um soziale Verwerfungen und eine gesellschaftliche Spaltung zu verhindern. Göppels Vorschlag zum Schutz der Regenwälder: „Die EU sollte Schiffsladungen mit Palmöl aus Regenwäldern zurückweisen, um zu zeigen, dass wir es ernst meinen.“

PETER TRECHOW

Stellenangebote im Bereich Kunststofftechnik

Bavaria Medizin Technologie GmbH-Firmenlogo
Bavaria Medizin Technologie GmbH Projektingenieur Entwicklung (m/w/d) Weßling
Dyneon GmbH-Firmenlogo
Dyneon GmbH Application Engineer – Fluoroplastic Solutions (m/w/d) Burgkirchen, Gendorf
ACTEGA DS GmbH-Firmenlogo
ACTEGA DS GmbH Ingenieur (m/w/d) als Leitung – Verfahrenstechnik Bremen
Universität Innsbruck-Firmenlogo
Universität Innsbruck Universitätsprofessorin / Universitätsprofessor für Stahl- und Verbundbautechnologien Innsbruck (Österreich)

Alle Kunststofftechnik Jobs

Top 5 Rohstoffe