Rohstoffe 10.10.2008, 19:37 Uhr

Geobranche fokussiert sich auf Systemintegration  

Geodaten sind zunehmend das zentrale Element komplexer Informationssysteme. Das hat die Leitmesse der Branche, die Intergeo, in Bremen gezeigt. Hilfreich dabei ist das Internet, mit dem sich die Daten auch für bislang uninteressierte Branchen nutzbringend einsetzen lassen.

Natürlich gibt es ihn noch, den Landvermesser alter Schule. Längst hat er jedoch den mechanischen Theodoliten eingemottet und zieht stattdessen mit dem digitalen Tachymeter durch Straßen, Feld und Flur.

Technologisch ist damit aber noch immer nicht das Ende der Messstange erreicht. Das hat der Branchentreff „Intergeo“ in der Messe Bremen letzte Woche mit 478 Fachausstellern aus 29 Nationen den rund 17 000 Fachbesuchern aus ganz Europa gezeigt.

Auf dem Autodach stehende oder am Hubschrauber hängende Laserscanner zur dreidimensionalen Erfassung von Straßenschluchten und Landschaftsbildern gehörten auf der Intergeo ebenso zum jüngsten Stand der Geodäsietechnologien wie Satellitenlupen, die per Radar aus 500 km Höhe 1 m2 große Flächen gestochen scharf abbilden können.

Von noch größerer Marktbedeutung als diese Hightechgeräte „ist die Systemintegration der mit ihrer Hilfe gewonnenen Daten“, heißt es bei einem der führenden Hardwarehersteller, dem US-Unternehmen Trimble aus dem kalifornischen Sunnyvale. Die Konsequenz des Branchenriesen und seiner Mitbewerber: Sie verlagern ihren Schwerpunkt zunehmend von der Hardwareherstellung auf die Softwareentwicklung für komplette Auswertungssysteme und Anwendungen.

„Geodaten sind inzwischen immer häufiger die Basis und das Zentrum für die Verknüpfung und Auswertung von Informationen aus den unterschiedlichsten Quellen“, sagt Hagen Graeff, Präsident der Gesellschaft für Geodäsie, Geoinformation und Landmanagement (DVW).

Nachdem die technologische Entwicklung der Geräte als weitgehend abgeschlossen gilt, rücken Anwendungsmöglichkeiten für die in Hülle und Fülle gewonnenen Daten in den Mittelpunkt des Interesses. Bei dem Bemühen, das etwas angestaubte Image der Vergangenheit endgültig abzulegen, kam der Branche der Zufall in Form von Internet-Marketingstrategien zur Hilfe: „Etwas besseres als Google Earth konnte uns gar nicht passieren, wir hätten es sonst selbst erfinden müssen“, meint Graeff.

Dass jedermann mithilfe des Internets an nahezu jeden Ort der Welt blicken und dies auch noch mit Karten- oder Bildinformationen verknüpfen kann, hat das Interesse an der Geodäsie rasant wachsen lassen. Während es Google und andere Anbieter noch recht leicht haben, Satellitenbilder von der Erde mit schlichten Basisinformationen und mit Landkarten zu verknüpfen, stehen die professionellen Anwender vor größeren Herausforderungen. Sie wollen Daten aus möglichst vielen Quellen miteinander verknüpfen.

Seit fünf Jahren bemüht sich die GIW-Kommission (Kommission für Geoinformationswirtschaft) des Bundeswirtschaftsministeriums darum, Geoinformationen für die Wirtschaft aufzuarbeiten. Zu den großen Projekten zählt ein Informationssystem, in dem sich Firmen über potenzielle Erweiterungsflächen oder neue Standorte informieren können. „Dafür müssen wir die Informationen aus den unterschiedlichsten Behörden von Bund, Ländern und Kommunen sowie anderen Institutionen wie den Industrie- und Handelskammern und den Wirtschaftsverbänden zusammenführen“, erläutert Projektleiter Jörg Reichling.

Satellitenbilder, Landkarten, Bebauungs- und Flächennutzungspläne, Wasser- und Naturschutzkarten, Informationen über Nutzungsbeschränkungen und viele weitere Basisdaten bis zu Infrastrukturinformationen und Angaben über „weiche“ Standortfaktoren bilden die Basis. Sie werden von allen relevanten Institutionen online für eine Internetanwendung zur Verfügung gestellt. In dieser werden die Informationen mit Geodaten gekoppelt und ergeben so ein komplexes Gesamtsystem auf Kartenbasis.

Während der Intergeo wurde eine weitere Anwendung bereits „scharf geschaltet“. Unternehmen können künftig im Internet auf ein Rohstoffkataster zurückgreifen, das nach Bundesländern geordnet genau darstellt, welcher Stoff wo zu finden ist und ob sowie unter welchen Voraussetzungen er gehoben werden kann.

Die Projekte der GIW-Kommission sind eng mit der Wirtschaft abgestimmt. Ergebnis der intensiven Diskussionen mit Verbänden und Institutionen der Wirtschaft ist eine Projektliste, die in den kommenden Jahren nach und nach umgesetzt werden soll.

Die Ergebnisse können sich für die Unternehmen in Euro und Cent auszahlen: Zu den Leitprojekten zählt ein Geoinformationssystem, das regional und lokal sehr gut eingrenzbar über Schadensrisiken, etwa durch Starkregen und Überschwemmungen, oder andere potenzielle Schäden bis hin zu Kriminalitäts- und Einbruchsraten informiert. „Auf dieser Basis können Versicherungen individuelle Policen für ihre Kunden exakt dem örtlichen Risiko entsprechend berechnen“, erläutert GIW-Projektleiter Reichling.

Ein weiteres Projekt der GIW-Kommission ist die Entwicklung dreidimensionaler Stadtmodelle. Der Spezialaspekt: Die Vektordaten der kommunalen Vermessungs- und Katasterämter sollen mit Daten aus Mediaanalysen verknüpft werden und so der Werbewirtschaft die Möglichkeit geben, Marketingmaßnahmen wirklichkeitsnah am Bildschirm zu visualisieren.

Allen Projekten und 3-D-Anwendungen, die auf der Intergeo präsentiert wurden, ist der Versuch gemeinsam, der Vorstellungskraft der Betrachter auf die Beine zu helfen. Beispielsweise könnten Politikern die Auswirkungen stadtplanerischer Beschlüsse bereits vor Augen geführt werden, bevor Abrissbagger und Baumaschinen anrücken.

Die neueste Technologie sei eigentlich gar nicht so neu, meint Hagen Graeff: „Über Jahrhunderte wurden Karten immer als räumliche Zeichnung angefertigt.“ Der Versuch, drei Dimensionen in eine zweidimensionale Karte zu pressen, sei immer ein Behelf. „Jetzt kehren wir gewissermaßen zu unseren Wurzeln zurück und bekommen endlich ein Instrument, das tatsächlich dem menschlichen Vorstellungsvermögen entspricht“, freut sich Graeff.

WOLFGANG HEUMER

Von Wolfgang Heumer

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