Auswirkungen des Ukraine-Kriegs 27.02.2022, 16:12 Uhr

Gas: Preise steigen, Aktien stürzen ab – doch es gibt einen Plan

Atkien gehen auf Talfahrt, Rohstoffpreise steigen – vor allem Gas wird teurer: Der Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine hat massive Auswirkungen. Was jetzt auf Verbraucher zukommt.

Deutschland will unabhängiger von fossilen Energieträgern aus Russland werden. Foto: Panthermedia.net/Yaymico

Deutschland will unabhängiger von fossilen Energieträgern aus Russland werden.

Foto: Panthermedia.net/Yaymico

Der Krieg Russlands gegen die Ukraine hat direkte Auswirkungen auch auf die hiesige Wirtschaft. Weltweit stürzten nach der russischen Invasion in die Ukraine Aktien ab. Die Preise vieler Rohstoffe stiegen rasant an – und die ohnehin schon grassierende Inflation könnte weiter angeheizt werden.
Die USA, die EU, Japan und weitere Staaten haben nach dem Angriff des russischen Militärs auf die Ukraine umfangreiche Sanktionen gegen Russland verhängt. US-Präsident Joe Biden etwa erklärte, große russische Banken international zu isolieren. Außerdem soll über Exportkontrollen der Zugang zu Technologien gesperrt werden.

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Die EU-Staaten haben sich unterdessen ebenfalls auf ein Sanktionspaket gegen Russland verständigt. Die Strafmaßnahmen betreffen den Energie-, Finanz- und Transportsektor, auch soll es Exportkontrollen geben. Bei Exportkontrollen geht es darum, dass die Lieferung von Waren oder Technologie in andere Länder genehmigungspflichtig wird. So kann ein Land von der Lieferung bestimmter Güter gezielt ausgeschlossen werden.

Was sind die Auswirkungen für Verbraucher in Deutschland?

Die Inflation in Deutschland und im Euroraum wird bereits seit geraumer Zeit von deutlich gestiegenen Energiepreisen im Zuge der weltweiten Konjunkturerholung angeheizt. Nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine stiegen die Rohstoffpreise weiter: Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete am Donnerstag erstmals seit 2014 wieder mehr als 100 Dollar. Auch andere Rohstoffe wie Weizen verteuerten sich auf dem Weltmarkt. Steigende Rohstoffpreise landen am Ende in der Regel beim Verbraucher, weil Produzenten höhere Einkaufspreise ganz oder teilweise weitergeben.
“Die Inflationsrate wird wohl zumindest kurzfristig noch weiter ansteigen, vor allem über eine weiter steigende Energierechnung für die Verbraucher”, sagte DZ-Bank-Chefvolkswirt Michael Holstein. “Das schwächt deren Kaufkraft und tendenziell die Nachfrage von Haushalten nach anderen Gütern und erhöht die Kosten auch für die Unternehmen.”

Rohstoffe und ihr Vorkommen im Überblick

Als Reaktion auf gestiegene Energiepreise hat die Regierungskoalition ein Entlastungspaket beschlossen. So sollen die Bürger ab Juli die Ökostrom-Umlage nicht mehr zahlen. Für Pendler ist ab dem 21. Kilometer eine höhere Pauschale von 38 Cent rückwirkend zum Jahresbeginn vorgesehen. Ob die Maßnahmen ausreichen, ist umstritten. Steigende Verbraucherpreise treffen einkommensschwächere Haushalte besonders hart.

Werden Gaspreise steigen?

Gas war schon vor der Ukraine-Krise teuer. Jetzt dürfte es noch einmal einen Preissprung geben. Das betrifft Verbraucher und vor allem energieintensive Branchen. Die deutsche Chemieindustrie etwa warnt angesichts der Kriegs in der Ukraine vor explodierenden Gaspreisen. Wolfgang Große Entrup, Hauptgeschäftsführer des Verbands der Chemischen Industrie (VCI), sagte: „Den Chemieunternehmen drohen in diesem Fall explodierende Preise für Erdgas bei einem ohnehin historisch extrem hohen Preisniveau.“ Die Branche leidet durch ihren hohen Energieverbrauch wie kaum eine andere unter den ohnehin hohen Rohstoffpreisen.

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Die Gasversorgung insgesamt sei aber gesichert, betonte der Branchenverband Zukunft Gas: „Wir beobachten sehr genau die aktuelle Versorgungslage und können zumindest kurzfristig sagen: Für Deutschland ist die Gasversorgung gesichert“, sagte Vorstand Timm Kehler.

Angesichts der Kriegsereignisse in der Ukraine und der latenten Abhängigkeit Deutschlands von russischen Energieträgern hat Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) jetzt ein Papier mit konkreten Maßnahmen vorgelegt, um Deutschland unabhängiger und krisenresilienter zu machen.

Unter anderem um diese Punkte geht es dabei:
  • Aufbau einer Gasreserve: In Deutschland gibt es eine strategische Ölreserve, die laut Papier Erdöl und Erdölerzeugnisse in Höhe der in einem Zeitraum von 90 Tagen nach Deutschland eingeführten Mengen vorhält. Mit Ottokraftstoff, Dieselkraftstoff, Heizöl und Flugturbinenkraftstoff werden demnach die wichtigsten energetisch genutzten Erdölerzeugnisse unmittelbar vorgehalten. Eine solche Reserve gibt es beim Gas nicht, das soll sich aber ändern – vor dem Hintergrund dieses Winters: Laut Papier hat Russland seit November nur noch Langfrist-Verträge bedient, dies habe zu etwa 30 Prozent geringeren Gasimporten aus Russland geführt. Die Folge seien hohe Preise beim Gas gewesen.
  • Aufbau einer Kohlereserve: Der Anteil der Kohle aus Russland liegt bei rund 50 Prozent, diese wird zur Verstromung in den Steinkohlekraftwerken eingesetzt. Auch bei der Kohle soll es nach den Plänen Habecks eine Diversifizierung der Lieferungen und Verringerung der Importabhängigkeit geben. Gemeinsam mit den Kraftwerksbetreibern soll nun die Beschaffung und Reservebildung bei Kohle vorangetrieben werden.
  • Aufbau eines LNG-Terminals: Zwar gibt es in der EU viele Terminals für Flüssigerdgas (LNG), das etwa aus den USA oder Katar kommt. Habeck will aber den Bau eines eigenen deutschen Terminals vorantreiben. Die Gasbranche kritisiert, bisher seien die Investitionsrahmenbedingungen schwierig. Im Papier des Ministerium heißt es, es sei eine finanzielle staatliche Unterstützung zu prüfen. Die Anlage, die LNG verflüssigt speichere und bei Bedarf in gasförmiges Erdgas umwandele, müsse so gebaut werden, dass sie «wasserstoffready» sei. Das bedeutet, dass die Anlage künftig auch genutzt werden kann, um klimafreundlichen Wasserstoff umzuschlagen. Allerdings: LNG ist teurer als russisches Erdgas.
  • Ausbau des Ökostroms: Es ist die zentrale Aufgabe – und die schwierigste: Dreh- und Angelpunkt bei den Bemühungen, unabhängiger zu werden von russischen Importen, ist der Ausbau des Ökostroms aus Wind und Sonne. Das aber dauert Jahre und es gibt viele Hemmnisse, die Habeck nun abbauen will. Claudia Kemfert, Energieexpertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, sagte: «Wir zahlen derzeit den Preis für die verschleppte Energiewende.» Deutschland könne viel weiter sein beim Ausbau der erneuerbaren Energien, die preissenkend wirkten.

Was bedeuten die Auswirkungen der Ukraine-Krise für Sparguthaben?

Für Sparer sind steigende Teuerungsraten bitter. Nach Berechnungen der zur Commerzbank gehörenden Comdirect verloren Sparer in Deutschland im vergangenen Jahr in Summe 80 Milliarden Euro wegen niedrig verzinster Einlagen. Allein im vierten Quartal 2021 lag der Realzins – also der Zins für Spareinlagen nach Abzug der Teuerungsrate – auf dem Rekordtief von minus 4,93 Prozent. Auf der Suche nach besser verzinsten Alternativen sollten sich Anleger allerdings nicht von außergewöhnlich hohen Gewinnversprechen blenden lassen. Oft stecke Betrug dahinter, warnt die Finanzaufsicht Bafin: “Das „sichere, schnelle Geld“ gibt es nicht”. Investments in Kryptowerte wie Bitcoin, Ether und Co. seien hoch spekulativ und ebenso riskant. Es drohe möglicherweise der Totalverlust des eingesetzten Geldes, warnt die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin).

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Wie wird die Europäische Zentralbank reagieren?

Andere große Notenbanken wie die US-Fed und die Bank of England haben nach Jahren des Flutens der Märkte mit billigem Zentralbankgeld bereits umgesteuert. Seit der Sitzung des EZB-Rates Anfang Februar herrscht auch unter Europas Währungshütern Einigkeit, dass man die hartnäckig hohe Inflation nicht aussitzen kann. Mit einer Anhebung der Zinsen könnte die Europäische Zentralbank (EZB) gegensteuern.

Allerdings haben sich Europas Währungshüter darauf festgelegt, vor einem Zinsschritt zunächst die milliardenschweren Netto-Anleihenkäufe einzustellen. Volkswirte erwarten, dass der EZB-Rat bei seiner nächsten geldpolitischen Sitzung am 10. März eine Entscheidung in Richtung Ausstieg aus dem ultralockeren Kurs treffen wird. Große Schritte sollten aber nicht erwartet werden – erst Recht nun nicht, wo die Zuspitzung des Konflikts um die Ukraine als weitere Belastung für die noch von der Pandemie gebremste Wirtschaft hinzukommt.

Wie sicher ist Gold in Krisenzeiten?

Das Edelmetall gilt vielen Anlegern als sicherer Hafen in turbulenten Zeiten. Es verliert trotz Preisschwankungen seinen Wert nie ganz. Der Nachteil: Für Gold gibt es weder Zinsen noch Dividenden. Die Rendite lässt sich letztlich nur aus einem steigenden Goldpreis erzielen.
Grundsätzlich lässt sich sagen: Russland spielt bei der Metallproduktion eine prominente Rolle. Der Wirtschaftszweig macht rund ein Zehntel der gesamten Wirtschaftsleistung des Landes aus.

Russland ist zudem der drittgrößte Goldproduzent der Welt, bei Platin rangiert das Land auf Platz Zwei, bei Silber auf dem vierten Rang. Außerdem spielt Russland eine herausragende Rolle bei der Nickelproduktion, bei Kupfer, Blei und auch Zink.

(mit dpa)

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