Öl 28.11.2008, 19:38 Uhr

„Für die Ölversorgung steht die Ampel auf gelb“  

VDI nachrichten, Hannover, 28. 11. 08, mav – Sinkende Öl- und Benzinpreise haben die Verbraucherstimmung in Deutschland im November überraschend aufgehellt, stellt die Gesellschaft für Konsumforschung fest. Doch der Preisverfall bei den Energierohstoffen ist ausschließlich dem Abschwung der Weltwirtschaft zu verdanken. Sobald die Konjunktur drehe, sei es aus mit dem billigen Öl, prognostiziert die Bundesanstalt für Geowissenschaften in ihrem jährlichen Gutachten.

Der Ölpreis ist in der vergangenen Woche unter die Marke von 50 $ gesunken. Am Mittwoch kostete ein Fass (159 Liter) der Nordseesorte Brent in London zeitweise 48,54 $, so „wenig“ wie seit Mai 2005 nicht mehr. Nur wenige Monate zuvor, nämlich im Juli 2008 hatte der Preis die Marke von 147 $ nach oben durchstoßen, und Schreckensszenarien mit Ölpreisen von 200 $ und mehr verschreckten die Konsumenten.

Doch die Freude – insbesondere der Verbraucher – über den jetzt fallenden Ölpreis, dürfte nicht ewig währen: Der Preisverfall bei den Rohstoffen im Allgemeinen und beim Öl im Besonderen ist ausschließlich dem spürbaren Abschwung der Weltwirtschaft zu verdanken. Erstarkt die Konjunktur wieder, ist es aus mit dem billigen Öl, stellte Hilmar Rempel, Geologe an der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Hannover fest.

Rempel ist einer der Autoren der BGR-Studie „Reserven, Ressourcen und Verfügbarkeit von Energierohstoffen 2007“. Die Studie wird jährlich fortgeschrieben und dient der Beratung des Bundeswirtschaftsministeriums. Zwar sieht die BGR „bei moderatem Verbrauchsanstieg eine ausreichende Versorgung mit konventionellem Erdöl für die nächsten Jahre“ als gesichert an. Dann aber sei mit sinkender Förderung zu rechnen.

Schon etwa Ende der 20er Jahre wird nach der Studie der „Peak Oil“erreicht sein. Der Begriff bezeichnet den Zeitpunkt der maximalen Erdölförderung. Dann geht es mit den Ressourcen bergab, sind die Hannoverschen Rohstoffexperten überzeugt.

Für Joachim Kümpel, Präsident der BGR, „steht für Erdöl die Ampel zumindest auf gelb“. Erdöl werde der erste Rohstoff sein, bei dem eine echte Verknappung durch die Endlichkeit der Ressource spürbar werde. Dabei sei gerade Erdöl „erste Sahne“. Nach Kümpel speichert es viel Energie in kompakter Form, lässt sich gut transportieren, treibt Motoren an, heizt Gebäude und bildet den Grundstoff für so praktische Erfindungen wie den Kunststoff.

Zusätzliche Potenziale von Erdöl – mit einem Anteil von ca. 36 % nach wie vor wichtigster Energieträger – werden insbesondere noch in der Arktis, in den Tiefwasserbereichen der Ozeane entlang der Kontinentränder sowie durch eine effektivere Ausbeute der bekannten Lagerstätten erwartet.

Zwar ist der deutsche Erdölverbrauch nach der BGR seit 1997 von 196 Mio. t auf nur noch 160 Mio. t Steinkohleeinheiten (SKE) gesunken, dennoch ist die Entwicklung für die Bundesrepublik von besonderer Bedeutung. Denn Deutschland ist in starkem Maße von Ölimporten abhängig.

Sowohl beim Erdöl, aber auch bei anderen Energieträgern wie Erdgas und Steinkohle nimmt die inländische Produktion nach Kümpel immer mehr ab. Eine Ausnahme bildet die Steinkohle. „Heute stammt bei einem mit 50 l Benzin voll getankten Auto nur noch etwa 1 l aus der heimischen Erdölförderung – Tendenz abnehmend“, veranschaulichte der BGR-Chef die Situation. Zugekauft werde vor allem aus dem Nahen Osten – wo sich über 60 % der Welt-Erdölreserven befinden – und den GUS-Ländern,

Auf dem Weltmarkt insgesamt kam es 2007 zu einer wichtigen Entwicklung: „Erstmals seit 2003 konnte im vergangenen Jahr die Förderung von Erdöl weltweit nicht mehr gesteigert werden“, stellte Bernhard Cramer, weiterer Autor der BGR-Studie, fest. Hinzugekommen seien explodierende Preise für die wichtigsten Säulen der derzeitigen Energieversorgung: Erdöl, Erdgas, Kohle und Uran.

Für Rempel ist die Entwicklung der Fördermenge aber nicht auf zu knappe Lagerstättenkapazitäten zurückzuführen. Vielmehr hätten Markteffekte, wie etwa Förderkürzungen durch die OPEC und das kräftige Wirtschaftswachstum, vor allem in aufstrebenden Ländern wie China und Indien, die Entwicklungen beim Erdöl bewirkt.

Nach Ansicht der BGR wird der Anteil der Erdölförderung aus den OPEC-Ländern steigen, insbesondere aus der Golfregion. Die Geologen weisen dabei auf das besondere Konfliktpotenzial hin, das die Konzentration der konventionellen Erdöl- und der Erdgasreserven innerhalb der sogenannten „Strategischen Ellipse“ birgt, die sich vom Nahen Osten über den Kaspischen Raum bis in den Hohen Norden Russlands erstreckt. Die zunehmende Abhängigkeit der Welt vom OPEC-Öl und die technologischen Herausforderungen bei der Erschließung neuer, schwer zugänglicher Felder lassen laut BGR-Bericht zudem die Kosten für die Bereitstellung von Erdöl weiter steigen.

Während die Welt-Erdölreserven 2007 nach Angaben des Berichts leicht unter ihrem Vorjahreswert von 163,7 Gigatonnen (Gt) lagen, nimmt der globale Bedarf an Energie weiter zu. Die Internationale Energieagentur (IEA) in Paris prognostizierte jüngst einen zusätzlichen globalen Bedarf an Erdöl in Höhe von 1,3 % . Laut IEA werden 2030 weltweit 5,6 Gt Erdöl benötigt. Für Kümpel erscheint es fraglich, ob diese Menge zum angegebenen Zeitraum überhaupt noch zur Verfügung stehen wird.

Denkbar seien u.a. verstärkte Anstrengungen zur Förderung bisher unerschlossener Erdölressourcen. Zudem setzt der BGR-Chef auf Energiesparmaßnahmen sowie auf alternative Energien. Allerdings würden sich alle Maßnahmen erst langfristig rentieren. Selbst wenn schon jetzt entsprechende Projekte in der Industrie und bei staatlichen Ölgesellschaften in Angriff genommen würden, wird es nach Cramer 10 bis 15 Jahre dauern, bis sich diese Aktivitäten auswirken würden.

Deutlich entspannter als beim Erdöl stellt sich die Lage bei Erdgas, Kohle und Uran dar: Hier seien aus geologischer Sicht keine Engpässe absehbar. Erdgas, mit einem Anteil von 24 % nach Erdöl und Kohle drittwichtigster Primärenergierohstoff, werde den absehbaren Bedarf noch über Jahrzehnte decken können.

Das größte Potenzial hat nach Ansicht der Hannoverschen Wissenschaftler die Kohle. Sie könne den absehbaren Bedarf aus geologischer Sicht für Jahrhunderte decken. Allerdings werde es bei weiterem Einsatz dieses Energieträgers – aufgrund der hohen spezifischen CO2-Emissionen – darauf ankommen, die klimarelevanten Nachteile auszuräumen.

In ausreichenden Mengen sei auch der Kernbrennstoff Uran vorhanden. Hier seien die öffentliche Akzeptanz sowie die Endlagerung das Problem. DIETER W. HEUMANN

Kohle könnte den Energiebedarf der Welt noch auf Jahrhunderte decken

Von Dieter W. Heumann
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