Öl 11.01.2008, 19:32 Uhr

„Fossile Stoffe bleiben bis 2050 wichtigste Energiequelle“  

VDI nachrichten, Den Haag, 11. 1. 08, mav – Die Energie-Nachfrage weltweit wird sich bis zum Jahr 2050 verdoppeln, erwartet Peter Voser, Finanzvorstand von Royal Dutch Shell. Entsprechend will der niederländisch-britische Konzern die Öl- und Gasförderung steigern, aber auch verstärkt Bio-Treibstoffe produzieren. Wie, das erklärt Voser im folgenden Interview.

Voser: Alle Zeichen deuten darauf hin, dass die Nachfrage weiter steigen wird. Nach uns vorliegenden Untersuchungen dürfte sie sich bis zum Jahr 2050 verdoppeln. Wir haben momentan eine starke Nachfrage und ein Angebot an Rohstoffen, das hinterherhinkt. Es gibt aber auch politische und spekulative Faktoren, die die Preise für Energie in die Höhe treiben. Daher wird es wohl kurzfristig weiterhin hohe Öl- und Gaspreise geben.

VDI nachrichten: Welche Rolle spielt das unterschiedlich hohe politische Risiko in Ölförderländern für Investitionsentscheidungen von Shell? Sind Irak und Iran attraktive Förderziele?

Voser: Etwa 60 % bis 70 % unseres erwirtschafteten Cashflows befinden sich in Ländern mit einem niedrigen bis sehr niedrigen Risikoprofil – also Ländern mit niedrigen politischen und steuerlichen Risiken. Die wichtigsten Förderländer und Regionen sind für uns derzeit der Golf von Mexiko, Katar, Brasilien, Kanada, Norwegen, Russland, Australien und Nigeria. Was den Irak und den Iran betrifft, so dürften diese Länder erst in der Zukunft wieder attraktiver werden.

VDI nachrichten: Die Ölförderung ist rückläufig. Wie können Sie die verbrauchten Öl- und Gasreserven durch neue Quellen ersetzen?

Voser: Angesichts der massiven Investitionen, die wir derzeit tätigen, stehen wir zu unserer Wachstumsprognose. Das heißt, bis zum Ende dieser Dekade wollen wir die Öl- und Gasförderung jährlich um 1 % bis 2 % steigern. In der kommenden Dekade dann um 2 % bis 3 %. Möglich machen werden das die großen Projekte, wie das in Russland-Sachalin, der Abbau von Ölsand in Kanada, die erhöhte Förderung mittels zweier Projekte in Katar, Kasachstan sowie neue Aktivitäten in Brasilien und im Golf von Mexiko.

VDI nachrichten: Shell will auch in Alaska nach Öl bohren. Es gibt Widerstand von Umweltschützern dagegen. Zeichnet sich eine Lösung ab?

Voser: Ja, wir rechnen damit, in diesem Jahr grünes Licht zu erhalten. Wir sind am Alaska-Projekt sehr interessiert, weil wir große Vorkommen von Rohstoffen erwarten und die USA gleichzeitig der größte Absatzmarkt ist.

VDI nachrichten: Alternative Energien werden immer wichtiger. Gerade kündigte Shell ein Projekt in Hawaii an, bei dem Biodiesel aus Algen gewonnen werden soll. Welchen Stellenwert haben alternative Energiequellen wie Wind, Sonne, Biodiesel und Wasserstoff für Shell?

Voser: Was den Bio-Treibstoff betrifft, so kooperieren wir derzeit mit Choren in Deutschland und Iogen in Kanada. Neu hinzu kommt nun die erwähnte Herstellung von Diesel-Treibstoff aus Meeresalgen, die gerade anläuft. Diesen drei Projekten ist gemeinsam, dass sie nicht mit Nahrungsprodukten wie Mais und Soja konkurrieren. Wir sind führend in der Entwicklung von solchen Bio-Treibstoffen der nächsten Generation. Wir sind bereits heute einer der weltweit größten Vertreiber von konventionellen Bio-Treibstoffen.

VDI nachrichten: Wie sieht der Energie-Mix der Zukunft aus?

Voser: Bis zum Jahr 2025 werden wohl noch rund 80 % aus fossilen Energiequellen gewonnen werden. Im Jahr 2050 sind es nach unseren Schätzungen immer noch zwei Drittel an fossilen Brennstoffen, die uns mit Energie versorgen. Der Sektor der erneuerbaren Energiequellen wie Bio-Treibstoff, Sonne, Wind, Wasserstoff und anderen wird kräftig wachsen, aber er wird gegenüber den fossilen Brennstoffen auch in der mittelfristigen Zukunft eine Minderheitsposition haben.

VDI nachrichten: In Bali kam es gerade zu einem mühsamen Kompromiss, um den Klimaschutz auch nach 2012 weltweit aktiv zu betreiben. Welche Rolle können die Ölkonzerne und insbesondere Shell dabei spielen, um den C02-Austoß zu verringern?

Voser: Wir brauchen klare Rahmenbedingungen, die von der Politik gesetzt werden müssen. Nur wenn es solche klaren Rahmenbedingungen gibt, können wir unsere Energie-Strategie entsprechend ausrichten und mithelfen, den C02-Ausstoß zu reduzieren.

VDI nachrichten: Die von den US-Hypotheken ausgelöste weltweite Finanzkrise dauert an. Wird diese Krise auch die übrige Wirtschaft erfassen?

Voser: Ich fürchte ja, zumindest in Europa und den USA sehe ich dunkle Wolken aufziehen, weniger in Asien.

VDI nachrichten: Wird es eine Rezession geben?

Voser: Das glaube ich nicht. Das Wirtschaftswachstum wird sich etwas verlangsamen. Aber es wird voraussichtlich keine starke Abwärtsentwicklung geben. Insbesondere die Nachfrage nach Energie wird weiterhin hoch bleiben, nicht zuletzt durch den Bedarf von Ländern wie China und Indien.

VDI nachrichten: Für Shell heißt das dann, dass die Gewinne auch 2008 kräftig sprudeln werden. Wie sieht ihre Gewinnprognose mittelfristig aus?

Voser: Ich bin kein Hellseher und habe keine Kristallkugel. Aber die Energiepreise werden hoch bleiben. Unsere Sorge aber ist die Kostenentwicklung. Die Kosten für den Unterhalt unserer Förderanlagen, für deren Modernisierung steigen rasant. Diese Kosteninflation mindert die Gewinne. Sie betrug 2007 in unserer Branche 20 %, für Shell 10 %. Innerhalb der letzten vier Jahre sind die Kosten in der Erdöl- und Erdgas-Industrie nach Berechnungen der internationalen Organisation CERA um bis zu 80 % gestiegen.

HELMUT HETZEL

Von Helmut Hetzel Tags: ,

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