Öl 27.08.2004, 18:32 Uhr

Förder-Länder stoßen an Limit

VDI nachrichten, Düsseldorf, 27. 8. 04 -War“s das? Hat der Ölpreis den Gipfel hinter sich? Immerhin lagen die Notierungen am Mittwoch wieder fast 4 $ unter den Höchstständen. Und auf der Ministerkonferenz am 15. September will die Opec Maßnahmen zur Dämpfung des Preisanstiegs beraten. Dennoch bleibt der Markt labil.

Als der Preis für ein Barrel (159 l) Rohöl vergangenen Freitag an der gefürchteten 50-$-Marke kratzte, waren vermeintliche Experten schnell mit der Forderung bei der Hand, die Bundesregierung oder die EU sollten gegensteuern. Doch der deutsche Wirtschaftsstaatssekretär Alfred Tacke winkte gleich ab: „Die Märkte sind zu dominant.“
„Es ist wirklich eng zurzeit“, meint auch Klaus Matthies, der beim Hamburgischen Welt-Wirtschafts-Archiv (HWWA) die Preisentwicklung auf den Rohstoffmärkten untersucht. „Die Nachfrage steigt seit zwei Jahren, unerwartet stark vor allem in Asien.“ Dabei treibt nicht nur die steigende Industrieproduktion den Ölpreis, sondern ebenso stark die zunehmende Motorisierung in den chinesischen Städten.

Das Problem: Während auf anderen Rohstoffmärkten höhere Preise schnell zu einem wachsenden Angebot führen, funktioniert dies beim Öl so nicht. Die Produktion zu erhöhen, scheint kurzfristig nicht möglich zu sein.
Die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) repräsentiert nach eigenen Angaben aktuell rund 40 % der täglichen Fördermenge von ca. 80,6 Mio. Barrel. Weitere wichtige Ölproduzenten sind die USA, Russland, China und Venezuela.
„Freie Kapazitäten haben am ehesten noch die Opec-Staaten, allen voran Saudi-Arabien“, erklärt Matthies. Zwar investierten fast alle Ölländer in die Ausweitung ihrer Produktion. Doch bis dann tatsächlich die Quellen üppiger sprudeln, würden noch Monate bis Jahre vergehen. „2005 will die Opec über 2 Mio. Barrel pro Tag mehr fördern können.“
Ein Tropfen auf den heißen Konjunkturmotor. Denn wenn sich die Erwartungen von Rodrigo Rato, Chef des Internationalen Währungsfonds, erfüllen, wächst die Weltwirtschaft in diesem und im nächsten Jahr mit Raten von je 4,6 %. Der Ölverbrauch wird zwar nicht in gleichem Maße zulegen, aber voraussichtlich doch mindestens so viel, wie zusätzliche Förderkapazitäten aufgebaut werden können.
Also doch kein Ende der Öl-Hausse abzusehen? Matthies: „Derzeit hält auch ein hohes Maß an Unsicherheit den Ölpreis auf diesem Niveau.“ Verstärkt wird der Preisauftrieb zusätzlich durch Finanzspekulationen, deren Einfluss sich aber nicht bemessen lasse.
Was die geopolitischen Faktoren betrifft, reagiert der Markt besonders empfindlich auf Meldungen über Sabotageakte und Anschläge im Irak. „Die Hoffnungen, nach dem Krieg die Ölförderung schnell wieder in Schwung bringen zu können, haben sich nicht erfüllt“, so der HWWA-Experte. So waren die Exporte mit rund 1 Mio. Barrel pro Tag nach dem jüngsten Pipeline-Anschlag nur noch halb so hoch, wie sie von den Kapazitäten her sein könnten. Mittlerweile sollen die Exporte wieder 2 Mio. Barrel pro Tag betragen.
Unklar ist auch, ob der russische Ölriese Yukos seine Produktion aufrecht erhalten kann. Die russische Regierung hat die Konten des Konzerns, der allein täglich fast 2 Mio. Barrel Rohöl produziert, wegen angeblicher Steuerschulden gesperrt. Doch gerade bei diesen hohen Rohstoffpreisen dürfte der Kreml scharf darauf sein, die Produktion bei Yukos nicht zu stören. Denn über die Steuern verdient der russische Staat an den Exporten kräftig mit, sobald der Fasspreis für die Ölsorte Ural Blend oberhalb von 25 $ liegt (Preis aktuell: ca. 43 $).
Indessen hinterlässt der Ölpreis-Anstieg erste Spuren in den deutschen Wirtschaftsdaten. Die Verbraucherpreise stiegen nach vorläufigen Berechnungen des Statistischen Bundesamtes von Juli auf August um 0,2 %, obwohl die Preise zu dieser Jahreszeit normalerweise etwas sinken. Die Inflationsrate legte deshalb auf 2,0 % von 1,8 % zu. Heizöl, Sprit, Pauschalreisen waren die hauptsächlichen Preistreiber. Inzwischen haben große Fluggesellschaften von Air France über Lufthansa bis Singapore Airlines Kerosinzuschläge auf ihre Tickets eingeführt oder angehoben. Im Gefolge des Ölpreises werden in den kommenden Monaten auch Strom und Gas teurer werden.
Dass der Ölpreis die Konjunktur regelrecht abwürgen könnte, erwarten dennoch nur wenige Volkswirte. Rohstoff-Experte Klaus Matthies erklärt, warum: „Unter Berücksichtigung der Kaufkraft war der Ölpreis 1981 sogar höher als jetzt. Vor allem aber sind wir heute weniger abhängig vom Öl. Für eine Einheit des Sozialproduktes müssen wir nur noch halb so viel Öl einsetzen wie etwa noch 1973.“ mav

Von Martin Volmer
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