Rohstoffe 06.06.2008, 19:35 Uhr

Erdbeben in China lässt Zink-Markt wackeln  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 6. 6. 08, Si – Zink, dessen ursprünglich deutscher Name sich weltweit durchgesetzt hat, zählt zu den besonders gebräuchlichen Metallen. Nur der Handel mit Stahl und Eisen, Aluminium und Kupfer bringt es auf höhere Tonnagen. Bei den Anwendungsfeldern lässt sich Zink freilich kaum überbieten. Die Palette reicht von Arznei- und Nahrungsmitteln über die Autoindustrie, Chemie und Energie bis hin zum Korrosionsschutz für Stahl.

Die Zeit der niedrigen Zinkpreise scheint vorerst vorbei. Zwar war nach Höhenflügen im vorigen Jahr der Preis für das so vielseitig einsetzbare Metall erst einmal kräftig gesunken, doch nun wirkt sich das schwere Erdbeben in China auch auf die Metallmärkte der Welt aus und treibt die Preise für Zink wieder nach oben.

Bis Mitte Mai lagen die Kurse für Zink an der London Metal Exchange (LME), der größten Metallbörse der Welt, fast nur noch halb so hoch wie im Frühjahr 2007. Für Zinkverbraucher kostete das Metall so relativ wenig, weil es mehr als genug an Vorräten gab. Noch im April schätzte die International Lead and Zinc Study Group (ILZSG) die Zinküberschüsse weltweit auf 200 000 t. Denn bei einer für 2008 erwarteten Bergwerksproduktion von 12,08 Mio. t Zink (10,4 % Wachstum gegenüber dem Vorjahr) und einer Steigerung der Hüttenproduktion um 6,4 % auf 12,06 Mio. t rechnete die ILZSG nur mit einer Zunahme des weltweiten Zinkverbrauchs um 5,2 % auf 11,84 Mio. t.

Solche Prognosen drückten die Zinkpreise und sorgten für höhere Bestände. Allein die bei der LME akkreditierten Lagerhäuser hatten bis Ende April Zinkvorräte von mehr als 130 000 t aufgebaut. Diese schwanden nach dem Erdbeben aber rapide dahin. Laut Antaike Information, dem offiziellen Nachrichtendienst in Beijing, sind von dem schweren Erdbeben in Sichuan und den chinesischen Nachbarprovinzen Zinkhütten mit einer Kapazität von 350 000 t betroffen.

Giles Lloyd, bei Commodity Research Unit (CRU), der auf NE-Metall und Stahl spezialisierten Londoner Analystengruppe für Zink zuständig, fürchtet, dass die Märkte nervös reagieren könnten. Denn Störfaktoren gebe es nicht nur in China.

In Namibia bestreiken beispielsweise Bergarbeiter, die zu dem Bergbauriesen Anglo American gehörende Skorpion Mine. Das in der Nähe zur südafrikanischen Grenze gelegene Zinkbergwerk ist das größte in Afrika. Es fördert jährlich rund 150 000 t – gut 1 % der Zinkproduktion weltweit. Addiert mit den voraussichtlich fehlenden chinesischen Produktionsmengen wäre damit bereits der Löwenanteil der von Lloyd mit 700 000 t für 2008 erwarteten Zinküberschüsse verschwunden.

Deutschland hängt bei dem vielseitigen Metall stark von Importen ab – der Zinkerzeugung von rund 337 000 t stand 2007 eine Verarbeitung von weit mehr als 650 000 t gegenüber.

Die Recyclingquote steigt zwar Jahr für Jahr (2007 um 5 % auf 104 000 t), liegt aber immer noch viel niedriger als bei anderen Metallen, etwa Aluminium. Denn vielfach fehlen Zinkschrotte. Dachrinnen oder andere Bleche aus dem Baubereich wandern zwar bei Abbruch der Häuser fast alle in die Recyclingöfen, aber sie halten zuvor sehr lange. Vielfach dauert es 80 Jahre und länger, bevor Zinkschrotte in den Werkstoffkreislauf zurückkehren.

Rainer Menge, Sprecher der Initiative Zink in der Wirtschaftsvereinigung Metalle, Düsseldorf, und Geschäftsführer der Xstrata Zinc (der einstigen Preussag-Zinkhütte in Nordenham), sieht als Hauptproblem, dass in Deutschland die Metallhütten keine wenigstens mittelfristig verlässlichen Stromverträge aushandeln könnten, die im Wettbewerb erträgliche Preise böten.

Nicht nur mit wenig wettbewerbsfähigen Strompreisen hinkt Deutschland manchem Nachbarstaat hinterher, sondern auch im klassischen Korrosionsschutz, der Oberflächenveredlung von Stahl, besteht eine Lücke. Mit nur 34 % des Zinks wird hier deutlich weniger eingesetzt als international – hier liegt die Quote bei 47 %.

Im Nutzfahrzeugbau ist aber das Feuerverzinken schon klar auf einem Siegeszug. Beispielsweise hat Schmitz Cargobull, Horstmar, der deutsche Marktführer im Bau von Anhängern und Aufliegern, für die Einführung des gebolzten feuerverzinkten Chassis den Innovationspreis der deutschen Zinkindustrie bekommen. Das Unternehmen lässt heute 90 % bis 95 % seiner Chassis für Sattelkipper und Sattelcontainerfahrzeuge zum Schutz vor Korrosion verzinken.

Auch beim Löten verzinkter Stahlbleche gibt es erhebliche technische Fortschritte. Ganz unabhängig von der Korrosionsschutz-Methode, sei es Feuerverzinken, elektrolytisches Verzinken, mechanisches Beschichten oder Sheradisieren (Stahlteile in Zinkpulver und Quarzsand in einem Drehofen erhitzen), verwendet die Branche zunehmend legiertes Metall statt Reinzink, bei der Rohrverzinkung zum Beispiel eine Verbindung mit Aluminium.

Für die Zinkindustrie in Deutschland spielen auch die Messing genannten Zink-Kupfer-Legierungen eine große Rolle. Bei der Erstverwendung von Zink fließt immerhin ein Anteil von 26 % in den Bereich Messing. International liegt die Quote nur bei 19 %.

Durch technische Fortschritte sinkt der Zinkeinsatz in den meisten klassischen Anwendungsfeldern. Immer leichtere Zink-Druckgussteile für die Automobilindustrie erreicht die Branche beispielsweise durch das Dünnwandgießen. Das spart Metall und damit Gewicht. Zugleich kommen für Zink aber auch ständig neue Anwendungsgebiete hinzu. Das gilt z. B. in der Solarenergiebranche bei Zinkdächern mit darin integrierter Photovoltaik oder Solarthermie.

Darüber hinaus wandelt Zinkoxid nicht nur in Sonnenschutzcremes ultraviolettes Licht in Wärme um, es lässt als weißes Farbpigment Oberflächen noch mehr strahlen.

Bei einem so breiten Anwendungsspektrum für das Metall ist es kein Wunder, dass viele Unternehmen der Branche qualifizierte neue Mitarbeiter suchen. Das gilt zwar weniger für die beiden verbliebenen Zinkhütten, die Ruhr-Zink in Datteln und Xstrata in Nordenham, aber für die Zink-Recyclingunternehmen und die Zinkprodukte herstellenden Betriebe, allen voran deren Marktführer, die Grillo Werke, Duisburg. Laut Sabina Grund, Sprecherin der Initiative Zink in der Wirtschaftsvereinigung Metalle, Düsseldorf, suchen die über ganz Deutschland weit verteilten rund 300 Betriebe im Bereich Feuerverzinken, Bandverzinken und Zinkdruckguss wegen ihrer hohen Auslastung dringend Facharbeiter und Ingenieure. K. OTZEN/Si

Zinkverarbeiter in Deutschland suchen Fachkräfte

Von Otzen/Jürgen Siebenlist

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