Öl 17.08.2007, 19:29 Uhr

Engpass bei Bohrinseln  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 17. 8. 07, mg – Das Geschäft mit Bohrgeräten und Förderplattformen für Erdöl und Gas boomt. Dies bekommt die norwegische Aker-Kvaerner-Gruppe zu spüren. Sie will durch Zukäufe wachsen und hat sich an dem deutschen Bohrgeräte-Spezialisten Wirth beteiligt. In Norwegen entsteht mit StatoilHydro derzeit der größte Offshore-Öl- und Gasförderer der Welt, an dem der Staat die Mehrheit hält.

Die fieberhafte Forschung nach neuen Öl- und Gasquellen weit vor den Küsten in aller Welt bringt ebenso wie die Suche nach Lagerstätten von Erzen und metallischen Rohstoffen boomende Geschäfte für die Hersteller von Bohrgeräten und Förderplattformen. Das gilt besonders für die Aker-Kvaerner-Gruppe im norwegischen Lysaker. Der auf Offshore-Energietechnik spezialisierte skandinavische Konzern ist neben Keppel Industries in Singapur inzwischen einer der beiden Weltmarktführer bei Bohrinseln für Öl und Gas. Im ersten Halbjahr 2007 erreichte Aker Kvaerner das beste Ergebnis seiner noch relativ jungen Geschichte. Die Gruppe entstand erst im März 2002 durch die Fusion der Aker-Maritime-Aktivitäten mit dem auf Öl und Gas spezialisierten Engineering- und Konstruktionsgeschäft von Kvaerner.

Allein im zweiten Quartal 2007 verdiente Aker Kvaerner bei einem Umsatz von 14,7 Mrd. Norwegischen Kronen (NOK), umgerechnet rund 1,84 Mrd. €, netto 647 Mio. NOK (80,9 Mio. €) – ein Plus von über 40 % im Vergleich zum ohnehin schon guten ersten Quartal. Mit einer prall gefüllten Kriegskasse steuert Aker Kvaerner inzwischen auch auf Wachstum durch Zukäufe. Jüngstes Ziel: die deutsche Wirth Maschinen- und Bohrgeräte-Fabrik in Erkelenz. Mit zunächst 50 % hat sich Aker Kvaerner am 1. August an dem Spezialisten für Bohrgeräte beteiligt und hält die Option auf die zweite Kapitalhälfte.

Die Skandinavier kennen Wirth als Zulieferer schon gut. Die Arbeitsplätze der 480 Beschäftigten des 110 Jahre alten mittelständischen Unternehmens dürften durch den Einstieg von Aker Kvaerner bei Wirth eher gesichert als gefährdet werden. Auch an den Wirth-Töchtern und Joint-Venture-Partnern in USA, China, Italien und der Ukraine habe man durchaus Interesse, signalisiert Aker-Kvaerner-Manager Mads Andersen. Der Umsatz der Wirth-Gruppe lag 2006 bei 140 Mio. €. In das Jahr 2007 ging Wirth laut Aker Kvaerner mit einem dicken Auftragspolster.

Für weiteres Wachstum ist die Aker-Kvaerner-Gruppe nicht nur wegen ihrer Gewinne gut gerüstet – sie verfügt seit Juni 2007 auch über einen, nach eigener Aussage „langfristig strategisch interessierten“ Kreis von reichen Aktionären. Dazu zählt außer der berühmten schwedischen Investorenfamilie Wallenberg und SAAB auch mit 30 % der norwegische Staat. Im kleinen Norwegen entsteht nämlich gerade der größte Offshore-Öl- und Gasförderer der Welt: Die Öl- und Gassparte von Norsk Hydro, dem größten norwegischen Mischkonzern, wird mit der Statoil-Gruppe, die mit 81,72 % mehrheitlich dem norwegischen Staat gehört, mit Wirkung vom 1. Oktober 2007 zur StatoilHydro ASA verschmolzen.

Daran hält der norwegische Staat dann 62,8 %. Das bedeutet zugleich auch eine Wiederverstaatlichung der norwegischen Öl- und Gasindustrie. Der Anteil des Staats bei der alten Norsk Hydro lag nämlich nur noch bei 43,8 %, nachdem diese vor Jahren die kleinere, aber börsennotierte Saga Petroleum übernommen hatte.

Der stärkere Einfluss des norwegischen Staates dürfte auch dazu führen, dass die Stellung von Aker Kvaerner als Hoflieferant für die norwegische Öl- und Gasindustrie eher stärker als schwächer wird. Schon bisher hat Oslo stets darauf bestanden, dass in der norwegischen Nordsee immer mindestens 50 % der Ausrüstung und allen Geräts von Lieferanten aus Norwegen stammten – ganz gleich, wer da nach Öl und Gas bohren oder in norwegischen Gewässern Förderplattformen bauen und betreiben wollte.

Der wachsende Staatseinfluss ändere aber nichts an der Flexibilität der norwegischen Unternehmen, glaubt Eivind Reiten, der bisherige Vorstandschef von Norsk Hydro. Sein Credo: „Wir gehören einer kleinen Nation an, die immer nach neuen Lösungen, neuen Märkten und sogar neuen Siedlungsplätzen Ausschau halten musste.“ Mit Wirth hat Aker Kvaerner jetzt immerhin auch einen Siedlungsplatz in Deutschland. PETER ODRICH

Von Peter Odrich Tags: ,

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