Rohstoffe 10.12.2010, 19:50 Uhr

Elektroschrott im Sonderabfallofen

Der Chemieparkbetreiber Currenta etabliert ein neues Geschäftsfeld. Er verbrennt Elektroschrott, um Metalle wie Gold und Kupfer fast vollständig zurückzugewinnen. Kunststoffteile liefern für den Prozess die Energie, giftige Abgase werden zerstört.

Currentas Drehtrommelofen im Chempark Uerdingen ist 4 m lang und 2 m hoch. Er ergänzt seit 2009 die dortige Sondermüllverbrennungsanlage. Im Drehtrommelofen verbrennt Currenta keine Sonderabfälle wie Pestizide, sondern nur Elektroschrott: ausgediente Platinen, metallbeschichtete Folien, Wischtücher aus der Edelmetallverarbeitung oder Getriebesteuerteile aus der Autoelektronik.

„Wir verbrennen den organischen Anteil am Elektroschrott, um an die Metalle heranzukommen“, sagte Wolfgang Calaminus, Betriebsleiter der Verbrennungsanlage in Uerdingen, den VDI nachrichten. Die reine Verbrennungszeit beträgt bis zu drei Stunden.

Die graue pulverförmige Asche enthält Kupfer, Gold, Silber und Palladium. Daneben fallen je nach Charge auch Aluminiumoxide, Stahllaschen oder Glasfasermatten an. Die metallhaltige Asche wird anschließend verpackt und dem Auftraggeber zurückgegeben.

Aus der Asche können dann in einem Verhüttungsprozess oder in modernen Scheideanstalten die einzelnen Metalle isoliert werden. „Das Verbrennen ist der erste Schritt in der Rückgewinnung der wertvollen Metalle“, erklärte Joachim Beyer, Leiter der Abfallverbrennung von Currenta.

Der Aufwand lohne sich, so Beyer. Während südafrikanisches Golderz etwa 5 g Gold/t Erz enthält, findet man in Elektroschrott – obwohl der nicht sehr wertvoll ist – schon 20 g Gold/t. Besonders ergiebiger Schrott enthalte sogar 500 g Gold/t.

Der neue Ansatz löse ein altes Problem auf einfache Weise, so Beyer: Denn bei der mechanischen Aufarbeitung elektrischer und elektronischer Abfällen geht oft ein Fünftel der wertvollen Metalle verloren. Manchmal liege der Verlust sogar bei 50 % oder 80 %. Currenta hat jahrelange Erfahrung mit der umweltverträglichen Entsorgung gefährlicher Abfälle. Die einzelnen Chargen werden bei über 1000 °C verbrannt, giftige Verbrennungsprodukte wie Dioxine in der Nachbrennkammer bei rund 1100 °C zerstört.

Wird Elektroschrott verbrannt, bestehe zusätzlich die Aufgabe, Metalle möglichst vollständig zurückzuhalten, so Beyer. Er ist mit den bisherigen Ergebnissen zufrieden. „Wir finden 90 %, teilweise sogar 99 % der Metalle wieder.“

Currenta hat auf das Verfahren bereits ein Patent angemeldet. Currentas Know-how liegt darin, je nach Elektroschrott Temperatur und Luftzuführung so zu regeln, dass sich möglichst viele wertvolle Metalle in der Asche wiederfinden. Calaminus gibt ein einfaches Beispiel: „Folien verbrennen schneller als Platinen.“

Ob Pestizide oder Platinen: Der Energiegehalt der Abfälle ist dabei so hoch, dass er die Verbrennung am Laufen halten kann, betonte Calaminus: „Mit der frei werdenden Energie stellen wir Prozessdampf für den Chempark her.“

Currentas Verfahren eignet sich vor allem für Elektroschrotte, bei denen sich Metalle mechanisch nur aufwendig von Kunststoffen trennen lassen. Ein Beispiel sind edelmetallhaltige Folien oder Platinen in Fahrzeugen, die mit Silikonmasse gegen Feuchtigkeit und Erschütterung versiegelt sind. Werden die Platinen mechanisch behandelt, bleibt die Elektronik teilweise an der klebrigen Silikonmasse hängen. „Die vorsichtige Verbrennung legt die Platine frei und die Metalle können zurückgewonnen werden“, so Calaminus.

Den Drehtrommelofen in Uerdingen nutzt Currenta für kleine Chargen. Größere Mengen verbrennt die Firma in einem kontinuierlichen Prozess im 12 m langen Drehrohrofen der Sondermüllverbrennungsanlage Leverkusen.

Dennoch: Das Entsorgen von Elektroschrott wird nicht Hauptaufgabe der Sondermüllverwertungsanlagen sein, sondern ein Nebenerwerb. Die Gesamtkapazität der drei Sondermüllverbrennungsöfen liegt bei 270 000 t jährlich. Zurzeit plant Currenta, die Jahresmenge an Elektroschrott jährlich schrittweise auf etwa 30 000 t Elektroschrott zu erhöhen. RALPH AHRENS

Ein Beitrag von:

  • Ralph H. Ahrens

    Chefredakteur des UmweltMagazins der VDI Fachmediengruppe. Der promovierte Chemiker arbeitete u.a. beim Freiburger Regionalradio. Er absolvierte eine Weiterbildung zum „Fachjournalisten für Umweltfragen“ und arbeitete bis 2019 freiberuflich für dieverse Printmedien, u.a. VDI nachrichten. Seine Themenschwerpunkte sind Chemikalien-, Industrie- und Klimapolitik auf deutscher, EU- und internationaler Ebene.

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