Kohle 25.05.2007, 19:28 Uhr

Diskussion um Steinkohlenbergbau basiert oft auf Dogmen statt auf Daten  

VDI nachrichten, Essen, 25. 5. 07, rus – Bemerkbar weniger C02 wird durch einen möglichen Steinkohle-Ausstieg nicht ausgestoßen und auch die Frage nach der Versorgungssicherheit bleibt ungeklärt, so Franz-Josef Wodopia vom Gesamtverband Steinkohle. Der wehrt sich gegen die „wissenschaftlichen Argumente“ zum Ausstieg. 2012 soll der Bundestag noch einmal entscheiden, ob 2018 wirklich „Schicht im Schacht“ sein soll.

Tatsache ist, dass der deutsche Steinkohlenbergbau seine gesamten Treibhausgasemissionen – CO2 und Methan, das aus Grubengas stammt – seit 1990 um mehr als 70 % reduziert hat.

Insbesondere hat der Steinkohlenbergbau sein für 2012 gestecktes Ziel einer Methanemissionsminderung um 70 % gegenüber 1990 bereits im Jahr 2005 erreicht. Dies ist auf die steigende energetische Verwertung von Methan zurückzuführen. Die verbliebenen Methanemissionen machen in Deutschland noch 11 % der Gesamtmethanemissionen und 0,6 % der deutschen Treibhausgasemissionen aus. Dieses positive Ergebnis im Rahmen der Selbstverpflichtungserklärung der deutschen Wirtschaft zur Klimavereinbarung wird leider allzu gerne übersehen, weil überwiegend nur CO2 thematisiert wird, oder es wird bewusst ausgeklammert. Ganz zu schweigen von der Spitzenposition, die Deutschland bei der energetischen Nutzung von Grubengas einnimmt.

Ungereimtheiten bei den

Argumenten über

Treibhausgasminderung

Bleibt die Frage, wie der Beitrag der heimischen Steinkohle zur Elektrizitätsversorgung nach einem Auslaufen der Förderung ersetzt würde. Nach einhelliger Auffassung qualifizierter Gutachter wird sich der Steinkohleanteil an der Verstromung dadurch nicht wesentlich ändern, lediglich die Herkunft der Kohlen. Würde die heimische Steinkohle gänzlich durch Importkohle ersetzt, hätte dies folgende Auswirkungen auf die Treibhausgasemissionen: Die CO2-Emissionen blieben zwangsläufig auf demselben Niveau. Die Methanemissionen hängen dagegen entscheidend von der Provenienz der Importkohlen ab.

Im Gegensatz zu Kohle aus Tagebauen fällt im Tiefbau Grubengas an. Nun wird häufig behauptet, die deutschen Kohleimporte stammten alle aus Tagebauen. Da jedoch z. B. die polnische Steinkohlenförderung gänzlich unter Tage erfolgt und auch andere Lieferanten Tiefbaukohle fördern, ist die Behauptung nicht richtig, unsere Importe stammten alle aus Tagebauen. Somit ist auch die Behauptung falsch, man könne auf einen Schlag durch Stilllegung des heimischen Steinkohlenbergbaus dessen Methanemissionen und damit 0,6 % der deutschen Treibhausgasemissionen einsparen.

Geradezu absurd ist allerdings die Behauptung, es könne so fast ein Drittel oder ein Viertel des gesamten Einsparvolumens erbracht werden, „zu dem die EU-Kommission die deutsche Industrie verpflichtet hat“. Mancher spricht sogar konkret davon, „was die EU-Kommission Deutschland für die zweite Emissionshandelsperiode 2008 bis 2012 abverlangt“. Jeder Experte weiß, dass Methan vom Emissionshandel überhaupt nicht erfasst wird und deshalb auch nichts zum genannten Einsparvolumen beitragen kann.

Im Übrigen macht es auch noch aus anderen Gründen Sinn, sich etwas näher mit der Herkunft der europäischen Steinkohleneinfuhren zu befassen.

Kommt die Import-Kohle aus

politisch „bedenklichen“ Ländern?

Es ist richtig, dass es in vielen Regionen dieser Welt Steinkohlenvorkommen gibt. Es ist aber völlig falsch zu glauben, dass diese dann auch deutschen Verbrauchern zur Verfügung ständen. Dagegen sprechen schon allein die vielen Qualitäts- und Standortprobleme. Dagegen sprechen aber noch mehr die in den Kohleförderländern überwiegend für den Eigenverbrauch erschlossenen Vorkommen an Binnenstandorten mit dort vorhandenen Kraftwerkskapazitäten. Deshalb macht es keinen Sinn, die deutsche Steinkohlenförderung mit der globalen Förderung zu vergleichen, sondern allenfalls mit dem Seehandel – und hierbei auch nur mit dem für Europa relevanten atlantischen Handel.

Der Handel im pazifischen Raum mit den Anbietern Australien und Indonesien ist nur in geringem Maße mit dem atlantischen verbunden. Die genannten Produzenten im asiatisch-pazifischen Raum haben sich zunehmend auf die Abnehmer in der Region konzentriert, so dass der für Europa relevante atlantische Handel mit Kesselkohle ganz überwiegend von Südafrika, Kolumbien und Russland bestritten wird. Nach Einschätzung der Weltbank ist die politische Stabilität dieser Länder als bedenklich, im Fall von Kolumbien sogar als sehr bedenklich einzustufen. Ein Hinweis auf die sicheren Produzentenländer USA und Australien geht deshalb leider am Thema vorbei.

Bleibt die Frage, wie viel man bereit ist, für Versorgungssicherheit zu zahlen. Sicherlich kann die Wissenschaft Hilfestellung bei der Ermittlung einer „Versicherungsprämie“ geben. Dann sollte man allerdings mit den richtigen Zahlen arbeiten. In den Kohlehilfen sind in erheblichem Maße Alt- und Stilllegungslasten enthalten, wie man selbst ohne Recherchen der aktuellen Diskussion entnehmen kann. Diese als „Versicherungsprämie“ zu interpretieren, wie das RWI dies pauschal tut, ist unzulässig. Seriöse Politikberatung setzt die Verwendung korrekter Daten voraus. Und schon gar nicht ist es Sache eines Wirtschaftswissenschaftlers, die Höhe der „Versicherungsprämie“ zu bewerten. Dies bleibt ausschließlich politischen Instanzen vorbehalten.

FRANZ-JOSEF WODOPIA

Von Franz-Josef Wodopia Tags:

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